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Weltwirtschaftsforum in Davos: Trifft Gianni Infantino Donald Trump ... Was wie ein Witz klingt, war nur peinliche Schleimerei

Beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos haben sich Gianni Infantino und Donald Trump getroffen. Dabei schmierte der Fifa-Präsident dem US-Präsident derart viel Honig ums Maul, dass dort schnell kein Platz mehr war für mehr Zucker.

Donald Trump und Gianni Infantino

Man kann davon ausgehen, dass Gianni Infantino Übung im Schmeicheln hat. Es gibt kaum einen Weltführer, den er nicht schon getroffen hätte - das lehrt seifige Demut. Die Infantino kraft seines Amtes eigentlich gar nicht bräuchte. Er ist Chef des Fußballweltverbandes Fifa und somit der wichtigste Repräsentant des wichtigsten Sports der Welt, gleichsam ein überall willkommener Bote von 1-A-Unterhaltungsware. "Heute bin ich der zweitwichtigste Mann in Davos", sagte der Schweizer untertänig aber lächelnd zu Beginn eines Abendessens mit einigen Managern, an dem auch der mutmaßlich wichtigste Mann mit am Tisch saß: Donald Trump, US-Präsident.

Infantino und Trump im gleichen Anzug

Das Weiße Haus hat eine Abschrift dieses Treffens veröffentlicht. Daraus wird zwar nicht deutlich, warum der Fifa-Chef auch einen dunkeln Anzug und die gleiche signalrote Krawatte wie der Ehrengast trug, doch ist es ein Dokument der Fremdscham. Es begann damit, dass Infantino Trump, naheliegend aber auch irgendwie überflüssig, einen Ball überreichte und sicherheitshalber Football mit "Soccer" übersetzte – das amerikanische (und vor allem in den USA benutzte Wort) für Fußball. Nicht auszumalen, was passiert wäre, wenn der Mann aus Washington einem Missverständnis mit American Football (das ist der Sport mit dem Ei und den Schulterpolstern) aufgesessen wäre.

Jedenfalls: Je länger seine Ausführungen dauerten, desto mehr salbende Worte fand Infantino für den US-Präsidenten. Und dessen Land. Und deren Bemühung um den Sport Nummer eins: "Ich muss Ihnen mitteilen, dass die Vereinigten Staaten kurz davor sind, eine weltweite Fußballmacht zu werden. Sie wissen es noch nicht, aber es kommt schneller als Sie denken. Wir werden die Fifa-Weltmeisterschaft im Jahr 2026 in Nordamerika organisieren. Und Präsident Trump war von Anfang an dabei. Er wollte, dass es zusammen mit Kanada und Mexiko im Vorfeld des großen Handelsabkommens organisiert wird, das Sie letzte Woche unterzeichnet haben. Fußball ist also auch dem Handel voraus", tirilierte der Funktionär.

"Donald Trump ist ein Sportler, er will gewinnen"

Der Fifa-Chef, wissend, dass er mit imposanten TV-Quoten offene Türen beim US-Präsidenten einrennt, rappte die Milliarden an Zuschauern herunter, die der Fußball so anlocke und als dann Trumps Ohren genug geöffnet waren, ging er zur persönlichen Lobeinflüsterei über: "Präsident Trump ist definitiv ein Sportler", hob er an. "Ich habe das Glück, einige der talentiertesten Fußballer getroffen zu haben. Und Präsident Trump ist aus dem gleichen Holz geschnitzt. Er ist ein Wettkämpfer. Er will sich messen, er will gewinnen. Er will zeigen, wer der Beste ist." Trump selbst zog eine Schnute und nahm die Worte beinahe ungerührt zur Kenntnis. Aber Infantino war ja auch noch nicht fertig.

Er, also Trump, komplimentierte Infantino weiter, sage eigentlich nur, was viele denken. "Was noch wichtiger ist, er tut dann, was er sagt. Und das macht - Sie haben es heute Morgen erwähnt, Herr Präsident - den amerikanischen Traum real. Jetzt ist der amerikanische Traum etwas, das nicht nur Amerikaner haben müssen. Der amerikanische Traum ist etwas, das wir alle haben müssen. Ich bin sicher, dass wir mit Ihrer Hilfe, Herr Präsident, mit Ihrem Beitrag dafür sorgen werden, dass der amerikanische Traum nicht nur in Amerika, wie wir gesehen haben, sondern überall in der Welt Wirklichkeit wird." Für mehr Honig war dann leider kein Platz mehr am Munde des US-Präsidenten.

Wann genau wurde die WM 2026 vergeben?

Donald Trump ergriff natürlich auch das Wort, er lobte einfach weiter, wenig überraschend sich selbst, und was er unter anderem sagte, kommentierte die "Neue Zürcher Zeitung" mit den Worten: "Das wäre ein Fall für die Ethikkommission. In einer normalen Welt." Denn der US-Präsident meinte über die WM-Vergabe 2026 nach Nordamerika an Infantino gerichtet: "Du wolltest sie dort, ich wollte sie dort und wir haben es geschafft bevor wir überhaupt im Amt waren." Das ist deswegen interessant, weil die Weltmeisterschaft offiziell erst 2018 vergeben wurde, da bekleideten sowohl Infantino als auch Trump schon seit zwei Jahren ihre Posten. Entweder bringt Trump wie so oft die Dinge durcheinander oder er erfindet sie einfach, oder es ist etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen.

Quellen: Weißes Haus, "Neue Zürcher Zeitung"