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US-Wahl 2020 TV-Duell Trump vs. Biden: How low will you go?

Sehen Sie im Video: Biden nennt Trump einen "Clown" – Twitter-User nehmen die Steilvorlage dankend an.
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Überraschend war es nicht, doch man hätte es sich so sehr anders gewünscht. Das TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden geriet zur Karikatur einer politischen Auseinandersetzung. Ein neuer Tiefpunkt der politischen Kultur in den USA.

Man kann die Amerikaner nur bedauern. Will man sich nach einem TV-Duell, wie es sich US-Präsident Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden in der Nacht geliefert haben, wirklich noch dafür entscheiden, solche Politiker zu wählen? "Make America great again", lautet Trumps Credo, doch dieser Auftritt war für die USA - nicht zuletzt wegen seiner Ausfälle - weder "great", noch hat er das Ansehen des Landes gefördert, noch war er in irgendeiner Weise angemessen. Es war ein unwürdiges Schauspiel, eine Karikatur einer politischen Auseinandersetzung. Und das vor den Augen der Welt.

Kein Wunder, dass die Zuschauer des TV-Senders CBS in einer ersten Blitzumfrage vor allem eines waren: verärgert. Denn was sie zu sehen bekamen, war nichts anderes als ein neuer Tiefpunkt einer längst verkommenen politischen Kultur - wenn man denn überhaupt noch von Kultur sprechen will. Man möchte den Amerikanern zurufen: How low will you go? Wie tief wollt ihr eigentlich noch sinken? Ist dieses große und teilweise großartige Land wirklich nicht (mehr) in der Lage, politische Führungskräfte zu entwickeln, die diese Bezeichnung auch verdienen?

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Donald Trump ist es nicht alleine

Natürlich war es Trump, der den Ton setzte und das Duell - ungehobelt wie er ist - eskalieren ließ. Und natürlich hätte sich Joe Biden mit einem anderen Gegner als Trump wohl eher gesittet gestritten. Doch man darf sich ja nichts vormachen. Nicht nur, dass Biden letztlich nicht die Klasse besaß, den pöbelnden Präsidenten souverän auflaufen zu lassen, sondern schon bald zurückpöbelte. Auch seine Demokraten sind seit vielen Jahren voll involviert in das fatale Spiel der Perfektionierung der politischen Spaltung. Viele Experten suchen schon seit langem nach Gestaltungswillen in der US-Politik. Stattdessen gilt die Maxime: Was von der anderen Seite kommt, kann nur Teufelszeug sein. Und wenn es nur die Option A oder B gibt, führt das unweigerlich in die Extreme.

Ein Präsident wie Donald Trump ist so gesehen nur das logische Ergebnis einer solchen Entwicklung. Das TV-Duell aber war ein neuer Tiefpunkt für die gesamte US-Demokratie, die im Zwei-Parteien-System erstarrt ist und zu ersticken droht. Eine Demokratie, um die man sich deshalb nicht nur wegen des autoritären Gebahrens des aktuellen Amtsinhabers ernste Sorgen machen muss.

Die Entwicklung eines Mehr-Parteien-Systems könnte ein Ausweg sein. Doch wer sollte im "home of the brave" jenen in der Nationalhymne besungenen Mut aufbringen, eine solche Entwicklung wirklich in Gang zu setzen - hieße das doch, dass der Weg ins Weiße Haus lang und länger und mit vielen Kompromissen gepflastert sein würde. Wie gesagt, man kann die Amerikaner nur bedauern. Der Rest der Welt bleibt in großer Sorge zurück.


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