Tschetschenien-Konflikt Hintermann des Beslan-Dramas getötet


In einer Nacht und Nebel-Aktion ist der lang gesuchte Rebellenführer Schamil Bassajew getötet worden. Er war Drahtzieher des Beslan-Geiseldramas, bei dem mehr als 330 Männern, Frauen und Kindern umkamen.

Der tschetschenische Rebellenführer Schamil Bassajew, der sich unter anderem zur blutigen Geiselnahme von Beslan bekannt hatte, ist in der Nacht zum Montag getötet worden. Dies teilte der Chef des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, Nikolai Patruschew, Präsident Wladimir Putin in einer vom Fernsehen übertragenen Konferenz mit. Während der nächtlichen Anti-Terror-Operation in Inguschetien seien zahlreiche weitere Rebellen getötet worden. Putin nannte den Tod Bassajews eine "verdiente Strafe" für von ihm verantwortete Terroranschläge. Unter anderem hatten tschetschenische Rebellen 2004 in dem Ort Beslan hunderte Schulkinder, Lehrer und Eltern in ihre Gewalt gebracht. Bei der Stürmung durch russische Sicherheitskräfte wurden 331 Menschen getötet. Die Attacke spaltete das Lager der Rebellen, weil eine hohe Zahl unbeteiligter Zivilpersonen, darunter Kinder und Frauen, unter den Opfern waren.

Wichtiger Schlag gegen Rebellen

Auf den einschlägigen Web-Sites der Rebellen wurde die Erklärung Patruschews am Montag zunächst nicht kommentiert. Der moskautreue tschetschenische Präsident Alu Alchanow erklärte, der Tod Bassajews werde die Rebellenbewegung entscheidend schwächen. "Heute ist das logische Ende des Kampfes gegen illegale bewaffnete Kräfte", sagte er. Bassajew war der brutalste und kühnste Warlord der abtrünnigen Kaukasusrepublik. Ein anderer Rebellenführer, Doku Umarow, kündigte allerdings schon vergangenen Monat an, man werde die Angriffe auf die russischen Truppen verstärken.

Tausende Leben für die Unabhängigkeit

Der Kampf um Unabhängigkeit hat nicht erst mit der Geiselnahme von Beslan begonnen. Die Auflehnung gegen eine Fremdherrschaft geht bis ins 18. Jahrhundert zurück, als Scheich Mansur einen "Heiligen Krieg" gegen die Russen anführte. Seither sind diese die erklärten Feinde einer Tschetschenischen Republik, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ihre Unabhängigkeit erklärte. Der damalige Präsident Boris Jelzin schickte 1994 Truppen in die Region, die 1996 nach Massenentführungen der Rebellen jedoch wieder zurückgezogen wurden.

Bis 1999 war Tschetschenien de facto unabhängig, jedoch beherrschten Gewalt und Verbrechen die Republik, die immer stärker unter den Einfluss radikaler moslemischer Gruppen geriet. Präsident Putin entschloss sich daraufhin wieder für eine militärische Lösung, die bis heute kein Ende genommen hat. Ab 2000 sorgte er dafür, dass verbündete Tschetschenen eine Russlandfreundliche Regierung anführten. Die Proteste endeten allerdings nicht, was sich in der Ermordung des Präsidenten Achmad Kadyrow im Jahr 2004 nur zu deutlich wiederspiegelte.

Täglich blutige Anschläge

Seither verüben die Rebellen fast täglich Anschläge und Angriffe auf die russischen Truppen und schlagen auch in Nachbar-Republiken zu. Bisherige Höhepunkte sind das Geiseldrama in einem Moskauer Musicaltheater im Oktober 2003, das 129 Menschen das Leben kostete und die Geiselnahme hunderter Menschen, vor allem Kinder und Frauen, während der Einschulungsfeier in Beslan. Hier kamen im September 2004 mehr als 330 Leute um.

AP/Reuters AP Reuters

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