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Pressespiegel zu Tschetschenien: Rebellen-Angriff aufs Regionalparlament

Islamistische Aufständische haben in der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien am Dienstag das Parlament und das Landwirtschaftsministerium in Grosny angegriffen. Dabei wurden nach Polizeiangaben mindestens sechs Menschen getötet und 17 verletzt. Am Mittwoch beschäftigt der Angriff die Kommentarspalten auch der deutschen Zeitungen.

Die Vorfälle im tschetschenischen Grosny beschäftigen die Kommentaroren der deutschen Tagespresse. Islamistische Rebellen hatten in der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien am Dienstag das Parlament und das Landwirtschaftsministerium angegriffen. Dabei wurden nach Polizeiangaben mindestens sechs Menschen getötet und 17 verletzt.

Die "Neue Osnabrücker Zeitung" merkt an, dass die Lage in Tschetschenien nie aufgehört hat, brenzlig zu sein - auch wenn die hiesige Presse nur noch selten über den Konflikt berichtet.

"Schlaglichtartig erhellt der Rebellen-Angriff auf das Regionalparlament von Grosny den Stand der Dinge: Die Tschetschenisierung des seit 1994 währenden Konflikts hat nach 2000 zwar die Weg-von-Russland-Welle gebrochen, aber Moskaus Probleme nicht gelöst. Ein Selbstmordkommando macht am helllichten Tag die dünnsten Bruchstellen der Tschetschenien-Politik Putin'scher Prägung sichtbar. Die baut ganz auf den zwielichtigen Statthalter und Republikpräsidenten Ramsan Kadyrow. Der hat zwar einen teilweisen Wiederaufbau des Landes hinbekommen, ebenso den Übertritt ganzer Rebellen-Kompanien in seine Miliz. Aber nur durch reichlich Geld und Waffen aus Moskau, vor allem durch extreme Gewalt."

Die "Sächsische Zeitung" aus Dresden begründet den Anschlag auch mit den Herrschaftsmethoden von Tschetschenenpräsident Kadyrow:

"Terroristen und Attentäter als solche zu benennen und zu bekämpfen, ist das eine: das notwendig Richtige. Ein Volk in Angst zu halten, wie es Tschetschenenpräsident Kadyrow tut, oder im Ganzen als potenzielle Terroristen abzustempeln, wie es in Russland häufig genug geschieht, ist etwas anderes:­ das Falsche. So schafft man keinen Frieden, sondern höchstens Friedhofsruhe. Und so tötet man weder Terroristen noch die im Volk immer noch vorhandenen Sympathien mit ihnen."

Die "Märkische Oderzeitung" (Frankfurt/Oder) sieht Russland in einer Pattsituation: Eine vollständige Unabhängigkeit könnten Putin und Medwedew dem Land schon aus Furcht vor einem Dominoeffekt nicht gewähren:

"Russland wird seine offene Wunde im Süden nicht los. Zum einen, weil es dort keine wirklich guten Verhältnisse geschaffen hat. Und zum anderen, weil es den Wunsch vieler Tschetschenen nach Unabhängigkeit nicht befriedigen will und kann. Denn gewährte man sie, würden auch die Nachbarregionen Inguschetien und Dagestan noch stärker danach rufen. Längst hat sich die fanatische Strömung des Islamismus im Kaukasus eingenistet. Im Prinzip stellt Tschetschenien für Russland ein ähnliches Problem dar, wie der Krieg in Afghanistan für den Westen. Nur mit dem Unterschied, dass sich der Konflikt im eigenen Land abspielt."

DPA/Reuters/APN / DPA / Reuters