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Tunesisches Präsidentenpaar im Exil Ein Palast für die Ben Alis


Der tunesische Präsident Ben Ali macht es sich mit Frau Leila einige Zeit in Saudi-Arabien gemütlich. Geld genug haben die beiden: 1,5 Tonnen Gold sollen sich in ihrem Gepäck befunden haben. Unterdessen hat sich in Tunis eine Übergangsregierung gebildet.

Der gestürzte tunesische Präsident Zine el Abidine Ben Ali wird voraussichtlich noch einige Wochen in Saudi-Arabien bleiben. Am Montag verlautete aus gut unterrichteten Kreisen in der Hauptstadt Riad, Ben Ali und seine Ehefrau Leila seien von der Herrscherfamilie Ibn Saud in einem Palast in der Hafenstadt Dschidda untergebracht worden. Bei ihnen sollen die jüngste Tochter des Paares und eine Schwester der Präsidentengattin sein.

Während zuhause auf den Straßen von Tunis das Chaos regiert, kann es sich das Ehepaar Ben Ali gut gehen lassen. Leila soll kurz vor der Flucht noch 1,5 Tonnen Gold von einer Bank abgeholt haben. Sie habe dafür persönlich die Zentralbank in Tunis aufgesucht, berichtete die französische Zeitung "Le Monde" im Internet unter Berufung auf Geheimdienstinformationen. Mit Barren im Wert von rund 45 Millionen Euro sei sie anschließend vermutlich in ein Flugzeug in Richtung Dubai gestiegen. Offenbar gab es zuvor aber noch einen Ehestreit: Ben Ali soll sich gesträubt haben, die vom Bankchef geforderte Erlaubnis für die Abhebung zu geben.

Die letzten Stunden vor der Flucht

In Saudi-Arabien können sie das Geld noch bis zum Sommer verjubeln. Zwischendurch reist das Ehepaar wohl nach Kanada zu seiner ältesten Tochter Nesrin, die ein Baby erwartet. Nesrin und ihr Ehemann hatten sich, kurz bevor der Aufstand in Tunis seinen Höhepunkt erreichte, nach Kanada abgesetzt.

Ein Hausangestellter der Präsidentenfamilie schilderte währenddessen die Umstände der spektakulären Flucht des Präsidentenpaares. Ben Ali und seine Frau Leila hätten sich nichts anmerken lassen. Die Präsidentengattin habe in der Küche noch ein Mittagessen bestellt, das aber nicht mehr verzehrt worden sei. Stattdessen seien Ben Ali und seine Angehörigen durch einen geheimen Tunnel von Sidi Bou Said nach Karthago verschwunden.

Übergangsregierung entlässt politisch Gefangene

Unterdessen ist in Tunis eine Übergangsregierung gebildet worden. Erstmals sind auch Oppositionspolitiker beteiligt. Sechs Führungskräfte des alten Regimes bleiben allerdings vorerst in Amt, unter ihnen Ministerpräsident Mohammed Ghannouchi sowie der Außen-, Verteidigungs- und der Innenminister. Die neue Regierung beschloss in einer ihrer ersten Amtshandlungen, sämtliche politischen Gefangenen freizulassen. So schnell wie möglich soll zudem untersucht werden, ob die bislang verbotenen Parteien legalisiert werden können.

fw/kng/DPA/Reuters/AFP DPA Reuters

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