Uganda Das Schreckensregiment des Ex-Messdieners


Die von dem selbst ernannten Propheten Joseph Kony gegründete "Lord's Resistance Army" terrorisiert seit rund 20 Jahren den Norden Ugandas - mit der Hilfe Sudans. Ihre Mitglieder rekrutiert sie vor allem durch Entführungen von Jugendlichen.

Der Norden Ugandas ist saftig-grün. Bananen, Maniok und Süßkartoffeln gedeihen prächtig. Doch mitten in dieser fruchtbaren Region leiden Menschen Hunger. Das Welternährungsprogramm (WFP) versorgt eine halbe Million von ihnen für drei Millionen Dollar monatlich mit Lebensmitteln. Schuld an dieser grotesken Situation ist ein vor 17 Jahren begonnener Krieg zwischen Rebellen und Regierungstruppen. "Ein vergessener Krieg", sagt Pedro Amolat, der Leiter des WFP-Büros in der Stadt Gulu.

Die Rebellen haben sich in einer "Widerstandsarmee des Herrn" (LRA) gesammelt, und ihr Chef Joseph Kony sieht sich als Vertreter des Heiligen Geistes auf Erden. Der ehemalige Messdiener, der inzwischen 60 Ehefrauen haben soll, erklärt seinen Kampf gegen die Regierung mit einer göttlichen Eingebung. Ein politisches Programm hat er nicht. Viele meinen, er kämpfe nur noch für sein eigenes Überleben.

Für extreme Brutalität gefürchtet

Kony sagt, er wolle ein Reich schaffen, in dem die Zehn Gebote gelten sollen. Dass er sie auf dem Weg dahin aufs Gröbste verletzt, scheint seiner Glaubwürdigkeit bei seinen Getreuen keinen Abbruch zu tun. Sie alle sind für ihre extreme Brutalität bekannt und gefürchtet. Wegen des LRA-Terrors haben in der Region Acholi etwa 80 Prozent der Menschen ihre Dörfer verlassen und leben in Flüchtlingslagern.

Konys Kämpfer rekrutieren sich zum größten Teil aus entführten Kindern, die zu schlimmsten Gewalttaten angehalten werden, damit sie ihre Hemmungen verlieren. Rückkehrer berichten, dass sie Angehörige umbringen oder Fleisch von Toten essen mussten. Über die Jahre wurden nach Schätzungen von Hilfsorganisationen etwa 20 000 Kinder entführt.

In die Provinzhauptstadt Gulu flüchten sich allabendlich mehrere tausend Kinder aus umliegenden Dörfern. Sie haben Angst, entführt zu werden. Dicht gedrängt schlafen sie in Massenunterkünften oder einfach unter den Vordächern der Häuser. "Es ist ein Drama, dass wir den Kindern keine Sicherheit mehr bieten können", sagt der protestantische Bischof von Gulu, Nelson Onono-Onweng. Gemeinsam mit anderen Geistlichen hat er ein paar Nächte mit ihnen im Freien verbracht, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

Museveni verweigert Dialog

Die religiösen Führer in Gulu versuchen seit Jahren, zwischen Regierung und Rebellen zu vermitteln. Doch Präsident Yoweri Museveni verweigert bislang jeden Dialog. "Wir haben die Regierung aufgefordert, die internationale Gemeinschaft um Hilfe zu bitten", sagt Onono-Onweng. Museveni wolle jedoch auf keinen Fall eine Niederlage eingestehen und das Gesicht verlieren. Immer wieder verkündet er, dass das "Problem" im Norden so gut wie gelöst sei.

"Uganda gilt als Perle Afrikas und wird wegen seiner Aids-Bekämpfung gelobt", sagt der Bischof. "Aber über den Krieg und die schlimmen Menschenrechtsverletzungen im Norden sieht die Welt hinweg", fügt er bitter hinzu. Als US-Präsident George W. Bush das Land im Juli besuchte, bemühten sich die Vermittler vergeblich, die Situation im Norden auf die Agenda zu setzen.

Es ist allerdings ein offenes Geheimnis, dass die USA die Regierungstruppen mit Satellitenaufnahmen versorgt, um gegen die als terroristische Gruppe eingestuften Rebellen vorzugehen. Dessen ungeachtet ist die LRA aber mittlerweile bis in die Stadt Soroti vorgedrungen. Von da aus sind es weniger als 200 Kilometer Luftlinie zur Hauptstadt Kampala.

"Die Menschen sterben für nichts und wieder nichts"

Frieden in Uganda wird kaum ohne die Beteiligung des Sudan zu erreichen sein. Das Verhältnis zwischen den Nachbarn entspricht der Regel "Hilfst Du meinem Feind, dann unterstütze ich Deinen". So lange Museveni den Kampf der südsudanesischen SPLA-Miliz gegen die islamische Regierung in Khartum fördert, so lange kann die LRA mit Waffen aus dem Sudan rechnen. Und so lange gilt weiterhin das bittere Resümee eines Taxifahrers in der Haupstadt Kampala: "Die Menschen sterben für nichts und wieder nichts."

Ulrike Koltermann DPA

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