HOME

Umfragen: Mehrheiten gegen den Krieg

Fast 70 Prozent der Deutschen sind gegen eine deutsche Beteiligung am drohenden Irak-Krieg. Auch in anderen Ländern regen sich die Proteste.

Deutschland sollte nach Auffassung der meisten Deutschen im UN-Sicherheitsrat gegen einen Irak-Krieg stimmen. In einer Forsa-Umfrage im Auftrag des "Stern" sprachen sich 69 Prozent der Befragten für ein Nein bei einer Entscheidung über einen Militärschlag aus. 20 Prozent forderten eine Stimmenthaltung. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte sich am Dienstagabend erstmals öffentlich darauf festgelegt, dass es im Sicherheitsrat kein deutsches Ja zu einem Irak-Krieg geben wird.

Eine deutliche Mehrheit der schwedischen Bevölkerung ist einer Umfrage zufolge ebenfalls gegen jede Form von Krieg gegen den Irak. Bei einer Erhebung des Sifo-Institutes für die Stockholmer Zeitung "Svenska Dagbladet" sprachen sich 50 Prozent gegen jeden militärischen Angriff aus. Bei den Befürwortern nannten 37 Prozent einen Beschluss der Vereinten Nationen als Voraussetzung, während fünf Prozent auch einen Alleingang der USA für gerechtfertigt hielten. Acht Prozent der Befragten waren unentschieden. Die Ablehnung jeder Art von Krieg war bei den Frauen mit einem Anteil von 62 Prozent deutlich höher als bei Männern mit 38 Prozent.

Fast die Hälfte der Briten gegen Irak-Krieg

In Großbritannien ist die Zahl der Gegner eines Irak-Krieges einer neuen Umfrage zufolge gestiegen.

Fast die Hälfte der Befragten, 47 Prozent, sprachen sich in einer in der Zeitung "Guardian" veröffentlichten Umfrage gegen ein militärisches Vorgehen gegen Irak aus. Vor drei Monaten waren es noch 37 Prozent. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der Befürworter eines Militärschlages auf 30 Prozent von 42 Prozent. Am Montag hatte Großbritannien die Entsendung von weiteren 26.000 Soldaten in die Golfregion angekündigt.

Großbritannien ist der engste Verbündete der USA in dem Konflikt mit Irak, dem sie den Besitz von Massenvernichtungswaffen vorwerfen. US-Außenminister Colin Powell hatte am Montag im UNO-Sicherheitsrat bekräftigt, die Welt müsse ihre Pflichten bei der Abrüstung Iraks erfüllen und wenn nötig gegen das Land vorgehen. Dagegen warnten Deutschland, Frankreich und China vor einem übereilten Irak-Krieg.

Bush erstmals im Umfragetief

Auch in der US-Bevölkerung wächst das Unbehagen über einen möglichen Krieg gegen den Irak. 70 Prozent der Bürger wollen, dass den UN-Inspekteuren mehr Zeit für ihre Untersuchungen gegeben wird, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage der "Washington Post" und der "ABCNews" ergab. 43 Prozent der Befragten meinten sogar, die Inspekteure sollten so viel Zeit erhalten, wie sie wollten. 58 Prozent sagten zudem, sie wollten vor einer Kriegsentscheidung mehr Beweise für irakische Verstöße gegen die UN- Resolution sehen.

Neben der zunehmenden Skepsis in der Kriegsfrage ergab die Umfrage auch eine wachsende Unzufriedenheit mit der Wirtschaftspolitik von US-Präsident George W. Bush. Erstmals seit Beginn der Bush-Amtszeit vor zwei Jahren gab eine Mehrheit von 53 Prozent an, dass Bush nach ihrer Meinung auf diesem Gebiet keine gute Arbeit leistet. Insgesamt ist der Umfrage zufolge die Zustimmung zu Bushs Amtsführung mit 59 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

DPA