UN-Chef Annan Irak könnte zusammenbrechen


UN-Generalsekretär Kofi Annan hat vor der Gefahr eines Bürgerkriegs im Irak gewarnt. Bei Anschlägen waren zuvor dutzende Menschen ums Leben gekommen, Extremisten hatten einen Journalisten getötet.

"Wenn die derzeitigen Trends von Entfremdung und Gewalt noch viel länger anhalten, besteht die ernsthafte Gefahr, dass der irakische Staat zusammenbricht", sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan in New York. Annan bezeichnete es als dringendste Aufgabe, breitere Unterstützung für eine Stabilisierung des Irak zu gewinnen. Ein Frieden könne zwar letztlich nur durch die Entschlossenheit der politischen Kräfte im Land selbst und durch die Hilfe der Nachbarstaaten erreicht werden. "Aber er wird nicht ohne das mehr denn je dringliche Engagement des Auslands zu Stande kommen."

Die führenden irakischen Politiker forderte Annan auf, die Spannungen zwischen Religionsgruppen und Landesteilen zu überwinden und einen Konsens in strittigen Fragen wie der Schaffung einer bundesstaatlichen Struktur zu suchen.

Iraks Präsident sieht Fortschritte

Iraks Präsident Dschalal Talabani sagte, der Sicherheitsplan der Regierung für die Hauptstadt Bagdad zeige Wirkung. Im vergangenen Monat sei die Zahl der Gewalttaten in der Stadt deutlich zurückgegangen. Allerdings seien die Sicherheitskräfte des Landes von "kriminellen Elementen und Mitgliedern terroristischer Gruppen" infiltriert worden.

Bei zwei Selbstmordanschlägen im Irak waren mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen. In der Stadt Tal Afar im Norden des Landes wurden 22 Menschen getötet und mehr als 20 verletzt. Im zentralirakischen Ramadi riss ein Selbstmordattentäter 13 Menschen mit in den Tod, als er sich in seinem Auto vor einer Rekrutierungsstelle der Polizei in die Luft sprengte. US-Vertreter haben vor einer weiteren Zunahme der Gewalt sunnitischer Rebellen und von Extremisten der Al-Kaida vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan in zehn Tagen gewarnt.

Extremisten haben in der westirakischen Stadt Ramadi einen Reporter des Senders Bagdad TV ermordet. Das Komitee für den Schutz von Journalisten (CPJ) in New York berichtete, sechs Männer in zwei Autos hätten am Montag in Ramadi das Feuer auf Ahmed Riad al-Karbuli eröffnet, als dieser vor einer Moschee mit Bekannten sprach. Der Sender, für den er arbeitete, gehört der sunnitischen Islamischen Partei, die für einen Abzug der US-Truppen aus dem Irak eintritt.

Zwei US-Soldaten getötet

In Basra nahm die Polizei derweil 130 mutmaßliche Extremisten fest. Ein Polizeisprecher erklärte am Dienstag, die Verhaftungswelle sei Teil des neuen Sicherheitsplanes für die südirakische Hafenstadt.

In Bagdad sind erneut zwei US-Soldaten getötet worden, wie die amerikanischen Streitkräfte mitteilten. Einer von ihnen kam ums Leben, als sein Fahrzeug Ziel einer am Straßenrand versteckten Bombe wurde. Der zweite wurde im Norden der irakischen Hauptstadt erschossen. Beide Anschläge ereigneten sich am Sonntagnachmittag.

DPA/AP AP DPA

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