UN-Sanktionen Nordkorea beklagt "Gangstermethoden"


Mit dem beinahe schon üblichen Geschrei hat der nordkoreanische UN-Vertreter die Sanktionen kommentiert. Genützt hat es ihm nichts: Den USA ist durch Kompromissbereitschaft gelungen, eine globale Front gegen das Land aufzubauen.

Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton fühlte sich an den früheren Sowjetführer Nikita Chruschtschow erinnert, der einst in der Vollversammlung der Vereinten Nationen aus Protest seinen Schuh ausgezogen und damit auf den Tisch gehauen hatte. Ganz so schlimm trieb es der Vertreter Nordkoreas bei den UN nicht, als der Sicherheitsrat am Samstag wegen des weltweit geächteten Atomtests strenge Strafmaßnahmen gegen sein Land verhängte.

Pak Gil Yon begnügte sich als Gast der Versammlung damit, mit der Faust auf den Tisch zu schlagen und wüste Beschimpfungen gegen das höchste UN-Gremium auszusprechen. Er sprach von "Gangstermethoden" und drohte unverblümt Gegenmaßnahmen an. Neu ist das nicht. Die Machthaber in Pjöngjang haben schon mehrfach erklärt, sie verstünden den Druck der USA als "Kriegserklärung". Gleichwohl zeigt die aufgebrachte Wiederholung solcher Worte in offizieller Runde, wie angespannt die Situation ist.

Geschlossene Front gegen Nordkorea

Dennoch können die USA das Votum des Sicherheitsrats als Erfolg verbuchen. In sechstägigen zähen Verhandlungen ist es ihnen gelungen, durch Kompromissbereitschaft gegenüber Russland und China eine geschlossene Front gegen Nordkorea zu schmieden - ein klares Signal an das abgeschottete Regime, dass selbst langjährige Verbündete nicht willens sind, das Spiel mit dem Feuer klaglos hinzunehmen.

US-Präsident George W. Bush sprach denn auch zufrieden von einer "deutlichen Botschaft" an Pjöngjang. Sein Unterhändler Bolton räumte dagegen offen ein, dass die USA Abstriche hinnehmen mussten. "Der Text ist nicht völlig zufrieden stellend für die USA, aber er erfüllt alle Hauptziele, die wir in den Diskussionsprozess einbringen wollten", sagte er.

Russland und China mahnen zur Vorsicht

Allerdings hat der Erfolg Fußangeln: Die Wirkung des Strafkatalogs - der unter anderem ein Handelsembargo für Waffen, Luxusgüter und alle Waren, die dem nordkoreanischen Atomwaffenprogramm dienen könnten, vorsieht - wird vor allem davon abhängen, wie entschieden die Mitgliedsländer die Sanktionen durchsetzen. China machte noch in der laufenden Sitzung klar, dass es Vorbehalte gegen die Inspektion von Handelsschiffen von und nach Nordkorea hat. "Vermeiden Sie jeden provokativen Schritt, der zu einer Eskalation der Spannungen führen könnte", appellierte Chinas UN-Vertreter Wang Guangya eindringlich an die Versammlung.

China und Russland haben vitale Interessen in der Region. Sie sind die größten Handelspartner Nordkoreas. Vor allem aber fürchten sie einen Flächenbrand, wenn das Regime von Kim Yong Il die Drohung mit "physischen Gegenmaßnahmen" in irgendeiner Form wahrmachen sollte. Beide Länder haben deshalb im Ringen um die Resolution darauf bestanden, Gewalt zur Durchsetzung der Sanktionen auszuschließen. Sollte der Sicherheitsrat einen solch drastischen Schritt dereinst für nötig halten, müsste er sich neu mit der Angelegenheit befassen.

"Das letzte Mal haben wir elf Tage gebraucht", witzelte Bolton mit Blick auf die UN-Resolution gegen das nordkoreanische Raketenprogramm vom Juli. "Dieses Mal waren es sechs Tage. Wir kommen immer schneller voran."

Nada Weigelt/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker