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UNASUR-Schlichtungsversuch gescheitert: Kolumbien und Venezuela bleiben zerstritten

Versöhnungsversuch gescheitert: Fünf Stunden lang haben die Außenminister des südamerikanischen Staatenbunds UNASUR versucht, auf ihre zerstrittenen Mitglieder Kolumbien und Venezuela einzuwirken. Doch die Streitparteien ließen sich nicht zu einer Wiederaufnahme ihrer diplomatischen Beziehungen bewegen.

Die Außenminister des südamerikanischen Staatenbundes UNASUR haben in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito keinen Ausweg aus der Krise zwischen Kolumbien und Venezuela finden können. "Es war unmöglich, sich auf ein Dokument zu einigen", sagte der ecuadorianische Außenminister Ricardo Patiño nach den fünfstündigen Beratungen der Vertreter von elf UNASUR-Mitgliedern.

Das Treffen sei dennoch wichtig gewesen, weil es die Außenminister Kolumbiens und Venezuelas, Jaime Bermúdez und Nicolás Maduro, an einen Tisch gebracht habe, fügte der Gastgeber des Treffens am Donnerstag hinzu. Zugleich regte Patiño einen außerordentlichen Gipfel der Staats- und Regierungschefs zur Beilegung der Krise an.

Venezuelas Präsident Hugo Chávez hatte die seit längerem bereits eingefrorenen diplomatischen Beziehungen zu dem Nachbarland Kolumbien vor einer Woche ganz abgebrochen. Damit reagierte er auf den Vorwurf Kolumbiens, sein Land biete etwa 1500 kolumbianischen FARC-Rebellen Unterschlupf. Venezuela bestreitet diesen seit Jahren immer wieder von der Regierung des Präsidenten Alvaro Uribe vorgebrachten Vorwurf.

Noch kurz vor Beginn des Treffens hatte Maduro erneut dem Nachbarland die Schuld an der Krise gegeben. Jetzt sei der Augenblick für Kolumbien gekommen, "wieder auf den Pfad des Friedens zurückzukehren", sagte Maduro. Dies sei auch der Wunsch des kolumbianischen Volkes und überhaupt der Völker der Region. Bermúdez war nach eigenen Angaben ohne große Erwartungen in das Treffen gegangen, das zum falschen Zeitpunkt angesetzt gewesen sei.

Mehrere südamerikanische Regierungen, darunter auch die des brasilianischen Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva, haben eine Vermittlung in dem Konflikt angeboten. Lula handelte sich jedoch gleich einen Tadel Uribes ein. Der brasilianische Präsident erwecke den Eindruck, der Konflikt sei nur eine "persönliche Angelegenheit" zwischen ihm und Chávez, beklagte sich Uribe.

Lula hatte versucht, der Aufgeregtheit der beiden streitenden Regierungen entgegenzuwirken. Es handele sich bislang ja nur um einen "verbalen Konflikt". Zugleich rief er zu Geduld auf, bis Uribe am Samstag kommender Woche seinem gewählten Nachfolger und Parteifreund Juan Manuel Santos das kolumbianische Präsidentenamt übergebe. Auch politische Beobachter in Quito bezweifelten, dass es zu einer Beilegung der diplomatischen Krise kommen könne, so lange Uribe noch im Amt sei.

Kommende Woche will sich auch der UNASUR-Generalsekretär und frühere argentinische Präsident Néstor Kirchner zunächst mit Chávez in Caracas und anschließend am 6. und 7. August - am Rande der Feierlichkeiten zur Amtsübernahme von Santos - mit der Regierung in Bogotá treffen.

DPA / DPA