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Unruhen und Rücktritte in Kiew: Vitali Klitschko wird bei Straßenprotesten verletzt

Der Boxweltmeister kämpft an der vordersten Front, wenn es um die Sprachenpolitik seiner Heimat geht. Ein umstrittenes Gesetz über Russisch als Amtssprache heizt in der Ukraine die politische Stimmung weiter an.

In der Ukraine hat die überraschende Verabschiedung eines umstrittenen Gesetzes, mit dem Russisch als zweite Amtssprache eingeführt werden soll, für heftige Proteste gesorgt. Mit Tränengas löste die Polizei am Mittwoch eine Protestkundgebung von rund tausend Oppositionsanhängern gegen das neue Gesetz auf, mehrere Demonstranten wurde nach Angaben eines AFP-Reporters dabei verletzt. Präsident Viktor Janukowitsch verschob seine Jahrespressekonferenz und beraumte eine Sitzung der Parlamentsführung und Fraktionsvorsitzenden an, um über Wege aus der verfahrenen Situation zu beraten.

Der zwischen Opposition und Regierung heftig umstrittene Gesetzesentwurf war am Dienstag überraschend zur letzten Lesung auf die Tagesordnung des Parlaments gesetzt und mit den Stimmen der Befürworter vom Regierungslager verabschiedet worden. Die Entscheidung löste unter den Abgeordneten eine wüste Schlägerei aus, mehrere Parlamentarier traten in einen Hungerstreik. Aus Verärgerung, dass auch er nicht über das Votum informiert und deshalb abwesend war, bot Parlamentspräsident Wolodimir Litwin seinen Rücktritt an. Damit das Gesetz in Kraft treten kann, muss es noch von Litwin und Janukowitsch unterzeichnet werden.

Klitschko gegen Russisch

Das Gesetz legt Ukrainisch als offizielle Amtssprache fest, lässt aber Minderheitssprachen als zweite Amtssprache in den Regionen zu, in denen sie von der Bevölkerung gesprochen werden. Im Osten der Ukraine und auf der Krim ist Russisch stark verbreitet. Die Opposition befürchtet deshalb eine Schwächung der ukrainischen Sprache und Identität. "Hier geht es nicht um einen Sprachenstreit, hier geht es um die Spaltung des Landes", sagte Oppositionspolitiker und Box-Star Witali Klitschko, der ebenfalls an den Protesten im Zentrum von Kiew teilgenommen hatte.

Die Oppositionellen hatten sich nach der Verabschiedung des Sprachengesetzes am Vorabend in der Innenstadt versammelt. Dabei stellte sich Klitschko mit Parlamentsabgeordneten zwischen die rund 1300 Milizionäre und die etwa 600 Demonstranten. Die Sondereinheit Berkut (Steinadler) der Polizei vertrieb die Menge mit Tränengas. "Nicht die Leute sind auf die Miliz losgegangen, sondern die Schützer des Rechts vergifteten die Bürger mit Gas", kritisierte Klitschko. Mit dem Gesetz habe das Abgeordnetenhaus "Selbstmord begangen."

Der Boxweltmeister habe dabei eine Schnittwunde erlitten, bestätigte ein Sprecher seiner Partei Udar der Nachrichtenagentur DPA. Zudem habe der Ältere der Klitschko-Brüder nach einem Tränengaseinsatz der Polizei seine Augen mit Wasser ausspülen müssen. Der Chefredakteur der Wochenzeitung "Serkalo Nedeli", Sergej Rachmanin, habe bei der Rangelei mit der Miliz einen Herzanfall erlitten, berichteten Medien.

ivi/AFP/DPA / DPA