US-Präsident Bush Irak-Debakel erinnert an Vietnam


Ungewohnte Töne: US-Präsident George Bush gab erstmals öffentlich zu, der Krieg im Irak nehme ähnlich desaströse Ausmaße an, wie der Vietnamkrieg. Dabei brauchen die Republikaner im Kongress-Wahlkampf eigentlich gute Nachrichten.

In einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC zeigte sich US-Präsident George W. Bush ungewöhnlich einsichtig. Er stimmte dem vorher von der Tageszeitung "New York Times" geäußerten Vergleich zwischen dem Irak-Krieg und der Lage in Vietnam 1968 zu. Wegen der Offensive vietnamesischer Kämpfer gegen die dort stationierten US-Soldaten nahm damals die Unterstützung in der US-Bevölkerung für den Vietnamkrieg rapide ab. Bush sagte, dieser Vergleich könnte richtig sein. "Auf jeden Fall hat die Gewalt im Irak zugenommen und wir stehen kurz vor einer Wahl", sagte Bush mit Blick auf die Kongresswahlen im November. Jüngsten Umfragen zufolge droht den regierenden Republikanern dabei ein Machtverlust in beiden Kammern.

Armee erwägt Strategiewechsel

Auch die Armeeführung will Kosequenzen ziehen: Angesichts der anhaltenden Gewalt im Irak erwägt die US-Armee einen Strategiewechsel für die Hauptstadt Bagdad, um der Gewalt dort ein Ende zu bereiten.

Oberkommandeur George Casey habe vor kurzem eine Überprüfung der bisherigen Vorgehensweise und insbesondere der jüngsten Militäroffensive in Bagdad angeordnet, sagte ein Militärsprecher. Den Anstoß für die Überlegungen habe dabei nicht die wachsende Zahl getöteter US-Soldaten gegeben, auch wenn dies der Armee große Sorgen bereite, ergänzte Leutnant Christopher Garver. Bei erneuten Anschlägen und Gefechten wurden in dem Golfstaat gerade wieder mindestens 38 Menschen getötet - darunter weitere US-Soldaten. US-Präsident George W. Bush schloss zudem in einem Interview nicht aus, dass zwischen der zunehmenden Gewalt im Irak und den bevorstehenden Kongresswahlen in den USA ein Zusammenhang bestehen könnte.

Gemeisname Operation erfüllte Erwartungen nicht

"Die Operation 'Gemeinsam Vorwärts' hat eine Veränderung beim Einsatzort gebracht, aber sie hat nicht unsere Erwartungen erfüllt, die Gewalt anhaltend zu reduzieren", sagte Militärsprecher William Caldwell. In den vergangenen drei Wochen - also während des Fastenmonats Ramadan - habe die Gewalt im gesamten Land um mindestens 20 Prozent zugenommen. "Wir arbeiten sehr eng mit der irakischen Regierung zusammen, um herauszufinden, wie wir unsere Anstrengungen am besten neu ordnen können", erklärte der Sprecher. Leutnant Garver fügte hinzu, der Oberkommandeur habe die Prüfung der Bagdad-Strategie bereits in der vergangenen Woche angeordnet. "Die Opfer der US-Armee sind eine große Sorge, aber dies ist nicht der Motor hinter der Überprüfung", erläuterte er.

Zahle der getöteten Soldaten steigt

Die Zahl der im Irak getöteten US-Soldaten stieg am Donnerstag auf 72 Gefallene im Oktober, der damit einer der folgenschwersten Monate für die US-Armee werden könnte. Seit Beginn des Krieges vor drei Jahren kamen mehr als 2700 amerikanische Soldaten ums Leben.

Rebellen kämpfen um Vorherrschaft

Im Irak kam es in den vergangenen Tagen vor allem in der nördlichen Stadt Mossul zu einer Reihe von Anschlägen und Gefechten, bei denen mindestens 20 Menschen getötet wurden. Sechs Selbstmordattentäter - darunter ein Extremist in einem Tanklaster nahe einer Polizeiwache - sprengten sich in die Luft. In der ebenfalls im Norden gelegenen Stadt Kirkuk kamen mindestens acht Menschen bei der Explosion einer Autobombe ums Leben.

Nach den Anschlägen wurde über Mossul, die drittgrößte irakische Stadt, eine Ausgangssperre verhängt. Die Stadt erlebt derzeit eine Eskalation der Gewalt, die von sunnitischen Rebellen, aber auch von sunnitischen Arabern und Kurden ausgeht, die um die Vorherrschaft in der Region kämpfen. Im Ort Chalis, etwa 80 Kilometer nördlich von Bagdad, detonierte eine am Straßenrand deponierte Bombe und tötete auf einem belebten Markt zehn Menschen. 20 weitere wurden den Behörden zufolge verletzt.

Reuters Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker