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Pentagon-Chef US-Verteidigungsminister Lloyd Austin – Bidens kriegserfahrener Top-Soldat

Lloyd Austin bei einer Pressekonferenz
Lloyd Austin ist ehemaliger Vier-Sterne-General und seit Januar Verteidigungsminister der USA
© Saul Loeb / AFP
Lloyd Austin ist Joe Bidens Mann im Pentagon. Die beiden kennen sich aus der Obama-Ära. Austin diente mehr als vier Jahrzehnte bei der Army – und führte auch umstrittene Militäraktionen der USA an.

Beim Nato-Videogipfel sind die USA erstmals durch den neuen Verteidigungsminister vertreten: Lloyd Austin ist ehemaliger Vier-Sterne-General, und mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung an vordersten Führungspositionen beim US-Militär ist er ein Pentagon-Chef, der die riesige Bürokratie des US-Militärs mit ihren die 1,3 Millionen Soldaten im Detail kennt. Er weiß um die Konfliktherde der Welt, kennt die Streitigkeiten innerhalb der Nato. Ein absoluter Militär- und Verteidigungsexperte also, mit dem seine Kollegen bei dem Verteidigungsbündnis es jetzt zu tun haben.

Vielleicht wegen seiner großen Erfahrung schlug er vor Beginn des Treffens versöhnliche Töne an. Mit dem Machtwechsel im Weißen Haus sei jetzt die Zeit der amerikanischen Alleingänge vorbei, versprach er. "Wenn ich beim Nato-Verteidigungsministertreffen mit meinen Amtskollegen zusammenkomme, wird meine Botschaft klar sein: Wir müssen uns abstimmen, gemeinsam entscheiden und gemeinsam handeln", twitterte Austin. "Ich bin überzeugt, dass die USA am stärksten sind, wenn sie als Team arbeiten."

Lloyd Austin setzt bei seinem Amtsantritt auf Konsens

Für viele Beobachter sind solche Worte vermutlich eine Wohltat nach der Zeit der schrillen Töne unter dem früheren US-Präsidenten Donald Trump. Doch sie sollten sich nicht täuschen: Austin hat das amerikanische Militär jahrzehntelang mitgeprägt, sowohl unter demokratischen als auch unter republikanischen US-Präsidenten. Er weiß um die Interessen seiner Nation – und vermutlich genau deshalb hat US-Präsident Joe Biden ihn ausgewählt. Wahrscheinlich wird Austin die Interessen seines Landes mit Vehemenz vertreten.

Biden gelang mit der Nominierung Austins gleich ein Coup: Denn der neue Mann im Pentagon ist nicht nur der erste schwarze US-Verteidigungsminister. Der 67-jährige Offizier im Ruhestand schaffte es auch, mit nur zwei Gegenstimmen vom Senat bestätigt zu werden – und das obwohl Demokraten und Republikaner jeweils die Hälfte der Sitze dort halten. Austin ist eben ein Soldat – und also solcher gilt er für viele Republikaner als Held.

Doch schon bei dieser so sehr von Konsens geprägten Berufung gab es auch Misstöne. Austin ist erst seit 2016 aus dem Militärdienst ausgeschieden. Das ist zu kurz, um ein Amt in der Regierung zu übernehmen, denn regulär gilt eine Karenzzeit von sieben Jahren. Er brauchte deshalb eine Ausnahmegenehmigung durch den Kongress.

Und aus Sicht seiner Kritiker sind es gerade die lange militärische Erfahrung und die große Verbundenheit zur Army, die ihm vorzuwerfen sind: "In Demokratien soll eigentlich ein Zivilist das Amt ausüben, um das Primat der Politik über das Militär auszudrücken", monierte bei seiner Ernennung beispielsweise der "Tagesspiegel". Angekreidet wurde ihm auch ein Sitz im Verwaltungsrat des Rüstungskonzerns Raytheon, den er nach seinem Ausscheiden aus dem Militär angetreten hatte und inzwischen wieder aufgab. Um Interessenskonflikte zu vermeiden, wird er die nächsten Jahre aus Entscheidungen herausgehalten, die das Unternehmen betreffen.

Insgesamt 41 Jahre diente der 1953 in Mobile im US-Bundestaat Alabama geborene Austin bei der Army. Er absolvierte die renommierte Militärakademie West Point und trat seinen Dienst an, als der Demokrat Jimmy Carter im Weißen Haus regierte. Später folgten Ronald Reagan, George Bush Senior, Bill Clinton, George W. Bush, Barak Obama und Donald Trump.

Als Soldat Erfahrungen mit den Krisenregionen der Welt

Austin war er unter anderem verantwortlich für die Militäreinsätze im Irak, in Syrien und in Afghanistan. Und er war in führender Position am Einmarsch der US-Truppen in Bagdad 2003 beteiligt – das unrühmlichste Kapitel in der Ära des damaligen Präsidenten George W. Bush. Später koordinierte er sowohl den umstrittenen Abzug der US-Truppen aus dem Irak als auch die ersten Einsätze gegen den Islamischen Staat. Das war schon zu der Zeit, als Obama US-Präsident war.

Aus der Obama-Ära kennen sich auch Austin und Biden – letzterer war jahrelang Obamas Vize. Biden vertraue seinem neuen Pentagon-Chef aus dieser gemeinsamen Zeit, heißt es.

Was seine Amtszeit prägen wird, sagte der neue Chef im Pentagon gleich zu Beginn seines Dienstes dort: Das Verhältnis zu China sei eine besonders große Herausforderung für sein Ministerium. Als Verteidigungsminister wolle er zudem die Beziehungen zu internationalen Partnern stärken und konsequent gegen Probleme wie Extremismus und Rassismus innerhalb des US-Militärs vorgehen.

Wie er die Dinge angeht, darauf sind wahrscheinlich nicht nur seine Amtskollegen bei der Nato gespannt. Eines ist aber klar: Lloyd Austin ist angetreten, um eine der führenden Persönlichkeiten in der Amtszeit von US-Präsident Joe Biden zu werden.

Quellen: "Handelsblatt", "Der Tagesspiegel", "Deutsche Welle"


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