HOME

US-Vorwahlen: McCain und seine konservativen Feinde

Während sich bei den Demokraten Obama und Clinton ein spannendes Duell liefern, ist bei den Republikanern das Rennen schon gelaufen. Eigentlich. Denn John McCain muss zwar seinen Konkurrenten Huckabee nicht fürchten, wohl aber den rechten Flügel seiner Partei.

Von Tobias Betz, New York

Der alte Mann dort oben auf der Bühne ist kein Ehemaliger, kein alter Parteirecke, der Geschichten von früher erzählt, gute Ratschläge verteilt und doch nichts mehr zu sagen hat. Dieser alte Mann soll die Republikaner in die Zukunft führen, zumindest die nächsten vier Jahre. Der alte Mann mit dem silbergrauen Haar ist John McCain und gerade dabei, Kandidat seiner Partei zu werden für die Präsidentschaftswahlen in den USA im Herbst dieses Jahres.

"Wir haben noch eine Menge zu tun", sagt er und blickt dabei ein wenig angestrengt in die Kameras. Dabei ist ihm die Kandidatur eigentlich nicht mehr zu nehmen. Das Bewerberfeld bei den Republikanern hat sich ausgedünnt. Neben McCain sind nur noch Mike Huckabee, ehemaliger Gouverneur von Arkansas, und der Kongressabgeordnete Ron Paul im Rennen. Alle anderen sind bereits ausgeschieden, weil sie nie ins Rennen fanden (Fred Thompson), die falsche Strategie hatten (Rudi Giuliani) oder an einem starken McCain letztendlich verzweifelten (Mitt Romney).

Huckabee sperrt sich noch gegen die Niederlage

Spätestens am Abend des 5. Februar, dem Superwahltag mit 21 Vorwahlen, katapultierten die republikanischen Wähler McCain an die Spitze des Bewerberfeldes. Fast uneinholbar steht er momentan mit 723 Delegiertenstimmen auf Platz eins, rund 400 Delegierte fehlen ihm noch für die offizielle Krönung in seiner Partei. Sein schärfster Rivale Mitt Romney, der mit rund 200 Delegierten weit hinter McCain lag, gestand bereits sein Scheitern ein und gab auf.

Anders Mike Huckabee. Der ehemalige Baptistenprediger sperrt sich noch gegen die Niederlage, obwohl er mit 217 Delegierten kaum noch Chancen hat, McCain zu überholen. In der Theorie ist ein Sieg von Huckabee noch möglich. Wahrscheinlich ist er aber nicht. Denn Huckabee müsste nicht nur fast alle ausstehenden Staaten gewinnen, sondern dabei auch noch mit großem Abstand McCain schlagen. Mike Huckabee gibt sich dennoch trotzig und erklärt seine "Mission Unmöglich" schlagfertig mit den Worten: "Ich habe nicht Mathematik studiert. Ich habe Wunder studiert."

Anwälte sollten Ergebnis anfechten

Und bislang erfüllt er seine Mission. Am letzten Wochenende konnte er dem Favoriten McCain eine empfindliche Niederlage bei den Vorwahlen in Kansas zufügen. Huckabee war selbst überrascht, wie klar er dort McCain geschlagen hatte. 60 Prozent für den Underdog, auf den in den Tagen zuvor keiner mehr gesetzt hatte. Nur 24 Prozent für McCain, der sich selbst schon zum inoffiziellen Kandidaten der Republikaner ausgerufen hatte.

Eine Demütigung, vor allem weil Kansas als sicheres Terrain der Republikaner gilt. Ein roter Staat auf der politischen Karte der USA, ein Staat voller konservativer Wähler. Und diese wollten scheinbar noch kein Ende der Vorwahlen in ihrer Partei. Auch in Louisiana konnte Huckabee siegen, im Bundesstaat Washington musste er sich nur knapp McCain geschlagen geben. So knapp war das Ergebnis dort (nur 242 Stimmen trennen die beiden Bewerber), dass Huckabee bereits Anwälte nach Washington geschickt hat, um das Ergebnis anzufechten.

McCain als Apokalypse der Republikaner

McCains musste so nicht nur seine Siegesfeier verschieben, sondern gerät nun auf seinen letzten Metern zur Kandidatur auch noch mächtig unter Druck. Er muss jetzt bei den kommenden Vorwahlen in Maryland, Virginia und Washington D.C. (12. Februar) beweisen, dass er auch im Zweikampf mit Huckabee bestehen kann. Und das dürfte nicht einfach werden. Denn noch immer versagt ihm der rechte Flügel seiner Partei die Gefolgschaft. Eine mögliche Kandidatur McCains sorgt seit Tagen für Unruhe unter den Konservativen.

Ultrakonservative Radiomoderatoren, die sonst nur gegen die Demokraten und das liberale Amerika wettern, speien Gift und Galle bei der Vorstellung, dass McCain als republikanischer Kandidat ins Weiße Haus einziehen könnte. Er sei der eigenen Partei immer wieder in den Rücken gefallen, entrüstet sich Moderator Rush Limbaugh. Und sieht mit McCain schon die Apokalypse der Republikaner heraufziehen: "Das wird die republikanische Partei zerstören."

McCain ist zu moderat

Schwergewichte der Partei versuchen nun das Sperrfeuer aus der rechten Ecke einzufangen. Karl Rove, ehemaliger Chefstratege von George W. Bush, gab öffentlich bekannt, er habe für McCains Wahlkampf gespendet. New Gingrich, ehemaliger Führer der Republikaner im Repräsentantenhaus, stellte sich ebenfalls auf die Seite von McCain. Und zuletzt sah sich wohl auch Präsident Bush dazu genötigt, die Wogen zu glätten und McCain zu schützen. In einem TV-Interview lobte er McCain als "wahren Konservativen", und gab diesem den Rat, er solle "noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten". Doch genau da besteht das Problem für McCain. Er gilt als moderat, als Politiker, der sich nicht von Parteitaktik und ideologischen Strömungen leiten lässt. Das macht ihn attraktiv für viele unabhängige Wähler und sogar manchen Demokraten. Doch für einen erfolgreichen Wahlkampf gegen Obama oder Clinton braucht er auch die Konservativen. Und die fordern einen konservativen Kandidaten, der ihre Überzeugungen vertritt. Und dazu zählt: Sich gegen Abtreibung einzusetzen, die Homosexuellenehe abzulehnen, Steuern zu senken, das Militär zu verstärken und illegale Einwanderer auszuweisen. Vieles davon steht nicht auf dem Programm von McCain.

Clinton wäre für ihn besser als Obama

Der versucht deshalb den Spagat. Er will seinen alten Positionen treu bleiben und sich gleichzeitig nach außen als "wahrer Konservativer" darstellen. Eine bessere Strategie hat er momentan nicht. Er hofft vor allem darauf, dass sich aus Gründen der Parteiräson die Reihen hinter ihm schließen werden und auf Hillary Clinton. Denn die gilt noch immer als größter Feind bei den Konservativen. Ihre Kandidatur für die Demokraten würde den Zorn der Republikaner auf sie ziehen, und McCain wäre plötzlich der Held seiner Partei. Bei Obama dürfte McCain das Ablenkungsmanöver nicht so einfach gelingen.

Seinen Anhängern hat McCain versprochen, sich nicht vom konservativen Teil seiner Partei leiten zu lassen. Das freut nicht nur die meisten Wähler in den USA, die sich nach den Bush-Jahren nach einem anderen Kurs sehnen. Auch Europa muss vor einem Präsidenten McCain nicht bange sein. "Ich kenne die Europäer, ich kenne sie sehr gut, und sie kennen mich", sagte er vor kurzem Journalisten im Wahlkampf. Er setzt auf die Partnerschaft mit den Verbündeten in Europa, will mehr Multilateralismus versuchen und die USA an den Verhandlungstisch beim Thema Klimaschutz zurückbringen.

Doch mit McCain hätten die Europäer keinesfalls einen bequemen Partner. Denn McCain unterstützt bis heute den Krieg im Irak, der Kampf gegen den internationalen Terrorismus hat bei ihm Priorität auf der Politikagenda. Und da würde er wohl auch nicht locker lassen. Gerade die Deutschen müssten sich dann auf neue Diskussionen über ihr Engagement in Afghanistan und in anderen Krisengebieten einstellen. Doch mit McCain ist ein Gespräch unter Freunden möglich. Er respektiert auch eine andere Meinung. Bei Bush galt leider allzu oft: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Damit ist nach acht Jahren aber Schluss. Auch unter einem möglichen Präsidenten McCain. Dafür würde der alte Mann schon sorgen.

msg

and