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US-Vorwahlen: Europa hat "moralisch und religiös versagt"

Mitt Romney ist aus dem Kampf um die US-Präsidentschaftskandidatur ausgeschieden. Damit wird wohl John McCain für die Republikaner ins Rennen gehen. Bei der Bekanntgabe des Endes seiner Bewerbung wurde Romney ausfällig gegenüber Europa: Es habe "moralisch und religiös versagt".

Der Republikaner Mitt Romney hat sich überraschend aus dem Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur verabschiedet. "Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt beiseite treten sollte - für unsere Partei und für unser Land", erklärte der frühere Gouverneur von Massachusetts. Damit bleiben auf Seiten der Republikaner noch der Senator John McCain aus Arizona und der ehemaliger Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, im Rennen. Allerdings gilt der 71-jährige McCain seit seinem Erfolg bei den Vorwahlen am "Super Tuesday" in dieser Woche als klarer Favorit.

"Ich hasse es zu verlieren"

Romney wäre der erste Mormone gewesen, der im Falle seiner Wahl ins Weiße Haus eingezogen wäre. Allerdings schrieben ihm Experten zuletzt kaum noch Chancen zu, nachdem Romney am "Super Tuesday" 14 von 21 Bundesstaaten verloren hatte. Zunächst hatte der 60-Jährige nach den Wahlen angekündigt, trotzdem weiterkämpfen zu wollen. Die Entscheidung für den Rückzug fiel dann nach Gesprächen mit seinen Beratern.

Dies sei ihm nicht leicht gefallen, betonte Romney. "Ich hasse es, zu verlieren." Eine Empfehlung für McCain gab er während seiner Rede vor der Conservative Political Action Conference nicht ab. Beide Politiker hatten sich in den vergangenen Wochen einen erbitterten Wahlkampf geliefert.

Bei der Bekanntgabe des Endes seiner Bewerbung hat er harsche Kritik an Europa und besonders Frankreich geäußert. Europa drohe ein "demografisches Desaster", weil es moralisch und religiös versagt habe, sagte Romney in seiner Rede vor einer Konferenz konservativer Politiker. Er warnte, die USA dürften nicht "das Frankreich des 21. Jahrhunderts" werden. Der frühere Gouverneur von Massachusetts rief die USA auf, einen Zusatz in die Verfassung aufzunehmen, der Ehen von Homosexuellen verbiete. "Europa steht vor einem demografischen Desaster", sagte Romney. "Das ist das unvermeidliche Produkt eines geschwächten Glaubens an den Schöpfer, gescheiterten Familien, einer Missachtung der Heiligkeit des menschlichen Lebens und einer erodierten Moral."

Romney sagte, wenn die USA nicht den Kurs änderten, dann könnten sie zum "Frankreich des 21. Jahrhunderts werden. Das sei "noch immer eine große Nation, aber nicht der Führer der Welt, nicht die Supermacht". Er fügte hinzu: "Für mich ist das undenkbar." Viel Lob fand Romney für die Menschen in "China und Asien". Sie seien innovativ und strebsam. "Wenn wir den Kurs nicht ändern, dann werden uns Asien oder China als wirtschaftliche Supermacht überholen, so wie wir im vergangenen Jahrhundert England und Frankreich überholt haben."

Viele Republikaner sprachen sich zuletzt dafür aus, den parteiinternen Wettkampf zwischen McCain, Romney und Huckabee zu beenden, um die Kräfte auf die Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner zu richten, den Demokraten. Dort liefern sich derzeit noch die frühere First Lady Hillary Clinton und der Senator aus Illinois, Barack Obama, ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Präsidentschaftskandidatur. Romney erklärte, würde er weitermachen, nütze dies womöglich nur dem gegnerischen Lager. Nach Ansicht von Beobachtern dürfte nach Romneys Entscheidung nun auch der Druck auf Huckabee steigen, seinen Rückzug zu erklären.

Die eigentliche Präsidentenwahl findet erst im November statt. Amtsinhaber George W. Bush darf dann nicht mehr antreten.

Bei Demokraten ist Obama obenauf

Dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama haben die Erfolge bei den Vorwahlen am "Superdienstag" nicht nur moralisch Auftrieb gegeben, auch die Spenden sprudeln kräftig weiter. Von der Schließung der Wahllokale am Dienstag bis Donnerstag gingen 7,2 Millionen Dollar (4,94 Millionen Euro) bei ihm ein, wie sein Wahlkampfteam erklärte. Das Geld könnte ihm entscheidend dabei helfen, seine Kontrahentin Hillary Clinton in den bevorstehenden Vorwahlen zu überholen. Bei der Anzahl der Delegierten für den Nominierungsparteitag im August liegt Clinton derzeit noch knapp in Führung: Die New Yorker Senatorin sicherte sich bislang mindestens 1.045 Delegiertenstimmen, Obama 960. Für die Nominierung sind bei den Demokraten mindestens 2.025 Stimmen notwendig.

Obama hat aber für das weitere Duell mit Clinton eine gut gefüllte Wahlkampfkasse. Er sammelte allein im Januar 32 Millionen Dollar Spenden. Clintons Spendenaufkommen für diesen Monat lag lediglich bei 13,5 Millionen Dollar. Sie verschickte am Mittwoch eine E-Mail, in denen sie um Spenden in den nächsten drei Tagen in Höhe von drei Millionen Dollar bat. Wie ihr Wahlkampfteam mitteilte, gingen vier Millionen Dollar seitdem ein. Clinton räumte am Mittwoch ein, dass sie vor dem Abstimmungsmarathon am Dienstag ihrer Wahlkampfmannschaft fünf Millionen Dollar (3,4 Millionen Euro) aus ihrem Vermögen geliehen habe. Die Investition habe sich gelohnt, sagte Clinton mit Blick auf die Ergebnisse der Vorwahlen vom "Superdienstag". Bei den parteiinternen Abstimmungen in 22 US-Staaten gewann sie in acht, darunter in den bevölkerungsreichen Staaten Kalifornien und New York, was ihr insgesamt die meisten Delegiertenstimmen einbrachte.

Schmutzkampagne gegen Clinton erwartet

Die Wahlkampfauseinandersetzung zwischen Clinton und Obama ging unterdessen vor den nächsten Abstimmungen in Louisiana, Nebraska und im Staat Washington am kommenden Samstag weiter. Obama erklärte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Chicago, er rechne mit einer Schmutzkampagne der Republikaner gegen Clinton, falls diese für die Demokraten bei der Wahl im November als Präsidentschaftskandidatin antrete. Die Republikaner würden eine ganze "Lkw-Ladung mit Schmutz" gegen sie verwenden, sagte der Senator aus Illinois. Gegen ihn seien dagegen Angriffe schwerer. Clinton wies die Aussagen Obamas zurück. In ihrer Vergangenheit gebe es nichts, was sie zu verbergen habe. Dazu zählten auch ihre Jahre als Anwältin im Staat Arkansas. Ihre Aussichten sind im Februar nicht ganz so gut, da bei diesen Vorwahlen Obama favorisiert ist, stattdessen blickt sie schon auf den 4. März, wenn in Texas und Ohio gewählt wird. Die beiden großen Staaten entsenden viele Delegierte zum Parteitag. Der Vorschlag von Clintons Wahlkampfteam, jede Woche eine Debatte zwischen den beiden Kandidaten abzuhalten, wurde aber von Obamas Mannschaft zunächst zurückgewiesen

Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters