US-Vorwahlen Big Mac schlägt nach Ohrfeigen zurück


Es ist ein kleines Wunder: John McCain ist nach dem "Super Tuesday" der klare Favorit auf die Präsidentschaftskandidatur bei den Republikanern. Bei seiner Siegesrede zeigte sich der alte Kämpe schlagfertig und wagte sich weiter hervor als bisher.
Von Tobias Betz, Phoenix

Er zögert, er lässt sie alle warten. Draußen im Saal stehen sie schon dicht aneinandergepresst, die Kriegsveteranen, die älteren Herren im dunklen Jacket, und die Damen im schicken Abendkleid. Sie alle warten auf ihren Kandidaten, den Wahlsieger des Abends, John McCain. Die Altherrenrocker in Jeans an der Seite des großen Ballsaales im Biltmore Hotel in Phoenix haben bereits ihr Repertoire an alten Klassikern verbraucht. "Anything you want, we got it", danach fällt ihnen nichts mehr ein. Deswegen muss jetzt Musik aus der Konserve für Stimmung auf der Wahlparty in McCains Heimatstaat Arizona sorgen. Köpfe recken sich, doch McCain ist immer noch nicht auf der Bühne. Er zögert noch, vielleicht weil die Ergebnisse des Bundesstaates Kalifornien noch ausstehen.

All die anderen Kandidaten bei den Republikanern haben an diesem Superwahlkampfabend bereits ihre Rede gehalten. Der frühere Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, war schon dran. Mitt Romney hat ebenfalls bereits tapfer seine Rede in die Kameras gesprochen. Nur einer fehlt noch: McCain. Weiter hinten flüstert bereits ein Fan ungeduldig: "Vielleicht warten wir hier noch die ganze Nacht".

Aufmarsch zur "Rocky"-Filmmusik

Doch dann, eine Stunde später, traut sich der Star des Abends doch noch auf die Bühne. Unter den wuchtigen Klängen der Filmmelodie von Rocky betritt er gemächlich mit Ehefrau Cindy die Bühne. Er strahlt, blickt ganz gerade in die Menge und reckt die Daumen nach oben. Doch einen langen Applausregen will er lieber nicht. Er erstickt ihn gleich mit einem harten "Danke. Danke" in die Mikrofone. Er genießt zwar die Euphorie, doch ist ihm nicht danach, überschwänglich zu feiern. Seine Botschaft des Abends: Ich bin noch nicht der Sieger, nur ein kleines bisschen bin ich es doch.

"Heute Nacht müssen wir uns wohl daran gewöhnen, dass ich der Favorit der Republikaner bin", sagt McCain gleich zu Anfang und setzt eine ernste Miene auf. Und fügt dann schnell hinzu: "Und ich habe nicht das Mindeste dagegen." Da blitzt plötzlich ein Lächeln auf seinem Gesicht auf. Und die Menge tobt vor Begeisterung, Schilder mit Aufschriften wie "Veteranen für McCain" oder "Mac 08" werden in die Luft gehalten, die obligatorischen "Mac is back" Sprechchöre setzen ein.

Die Wähler enttäuschten ihn nicht

Doch McCain steigt gleich wieder auf die Bremse: "Wir haben noch immer einen langen Weg vor uns." Dabei hätte McCain allen Grund zum Feiern an diesem "Super Tuesday", der ihn ein großes Stück weiter gebracht hat auf dem Weg zur Nominierung bei den Republikanern. Alle Umfragen hatten ihn als klaren Favoriten für den Abend ausgemacht. Die Erwartungen waren hoch, McCain hatte viel zu verlieren. Doch die Wähler enttäuschten ihn nicht. Ein Bundesstaat nach dem anderen ging an McCain. Neben seinem Heimatstaat Arizona konnte er auch Connecticut, Illinois, New Jersey, Oklahoma, Delaware, Missouri und New York gewinnen. Und spät am Abend sicherte er sich auch noch den großen Schatz des Abends: Kalifornien mit seinen 173 Delegierten

Sein bis dahin ärgster Rivale Mitt Romney dürfte hingegen als Verlierer aus diesem Wahlmarathon gehen. Zwar gewann er in sechs Bundesstaaten, doch seine Hoffnung auf den großen Durchbruch, die Wende bei den republikanischen Vorwahlen erfüllte sich nicht. Er brauchte einen Wahlsieg im großen Kalifornien, letzte Umfragen sahen ihn sogar noch vor McCain, doch letztendlich musste er sich wieder einmal mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Und auch im konservativen Süden der USA schnappte ein anderer Romney den Sieg und die Delegierten vor der Nase weg: Mike Huckabee erlebte seine Wiederauferstehung in den Vorwahlen und gewann in Alabama, Georgia, West Virginia, Arkansas und Tennessee.

McCain profitierte von der Rangelei

Viele hatten Huckabee schon abgeschrieben. Seine Wahlkasse war fast leer, einige seiner Berater suchten nach seinen Niederlagen in South Carolina und Florida das Weite. Doch jetzt ist er plötzlich wieder zurück im Rennen, wohl nicht um Platz eins, aber um die ehrenhafte Silbermedaille bei den Republikanern. Das schmerzt Mitt Romney, der in den letzten Tagen selbstbewusst von einem "Zweikampf" bei den Republikanern gesprochen und Mike Huckabee aufgefordert hatte, endlich aufzugeben, um nicht länger im Weg zu stehen. Huckabee blieb, Romney verlor, und McCain profitierte von der Rangelei unter seinen Verfolgern. McCain hat nun fast dreimal so viele Delegierte wie Romney, fast rund viermal so viele wie Mike Huckabee.

Doch McCain bleibt sich treu, kostet die Niederlage von Romney nicht aus, sondern bedankt sich fair für den Wettstreit in den vergangenen Tagen. Das Publikum in Phoenix hatte Romney noch ausgebuht, als der zwischenzeitlich auf den großen Bildschirmen zu sehen war. McCains Stil ist das nicht. Romney sei ein harter Gegner, sagt McCain im ernsten Ton. Das respektiere er, denn schließlich kämpfe jeder so hart wie möglich, um zu gewinnen. Und schickt Romney noch einen militärischen Gruss nach Utah: "Ich salutiere dir".

Hürde ist die konservative Basis seiner Partei

Doch McCain weiß, dass er die Ziellinie noch nicht überschritten hat. Eine Hürde steht ihm noch im Weg. Bislang ist er meist um sie herum gelaufen, statt galant über sie im Stile eines Hürdenläufers hinwegzufliegen. Die Hürde ist die konservative Basis seiner Partei. Sie macht dem selbsternannten "Maverick", Einzelkämpfer, noch immer große Probleme. Vor allem die Moderatoren konservativer Radiotalkshows machten in der letzten Woche Stimmung gegen ihn. Weil er kein echter Konservativer sei, die Partei in wichtigen Abstimmungen oft im Stich gelassen habe und als Präsident im Weißen Haus so unberechenbar für die republikanische Partei sei. Schon stichelten einige, dass man sogar Clinton den Vorzug gebe vor McCain.

Eine Ohrfeige für einen Republikaner. Letztlich blieb der Sturmlauf der äußersten Rechten jedoch erfolglos. Bislang zumindest. Das ist es was McCain Sorgen macht, und auch die Aussicht auf eine fehlende Unterstützung eines Teiles seiner Partei in einem möglichen Präsidentschaftswahlkampf im Herbst.

Die Sorgen sind berechtigt und haben sich auch am "Super Tuesday" bestätigt. Denn bei den konservativen Wählern konnte McCain wieder nicht punkten. Huckabee siegte im Süden, im Rest der USA überzeugte Romney die meisten Konservativen. Sogar in seinem Heimatstaat Arizona musst sich McCain in dieser Wählergruppe Romney geschlagen geben. 43 Prozent wählten Romney, nur 40 Prozent stimmten für McCain.

"Ich bin ein Republikaner, weil"

Die Sorgen sind so groß, dass sie sogar Eingang in seine Siegesrede finden. Nach all den Dankesgrüßen, kommt er zum Schluss zum heikelsten Teil des Abends: Zu erklären, warum er, Senator John McCain, ein echter Republikaner sei. "Ich bin ein Republikaner, weil", fängt er seine Sätze an, und liefert dann Beweise, dass sein Herz und seine Seele fest mit den republikanischen Überzeugungen verbunden seien. Eigentlich müsste jedem klar sein, dass der Mann mit den silbernen Haaren dort oben am Mikrofon sein ganzes Leben Mitglied der Republikaner war.

Doch McCain weiß, dass das nicht reicht. Er muss es beweisen, viele Skeptiker noch überzeugen. Er spricht davon, "stolz zu sein", von seinem Wunsch "die Partei zu einen" und von seiner festen Willen "für die republikanischen Prinzipien hart zu arbeiten". Bei seinem Heimspiel in Phoenix reichen diese Worte aus, doch woanders muss McCain noch mehr tun, um der wirkliche Kandidat aller Republikaner zu werden. Deswegen verlässt er auch gleich nach seiner Rede die Wahlparty. Er winkt kurz in die Kameras, schüttelt ein paar Hände, und verschwindet hinter der Bühne. Enttäuschte Fans starren lange auf den blauen Vorhang, doch McCain kommt nicht wieder hervor. Er ist schon weiter gezogen, denn er hat noch etwas Großes vor: Die "Mission Überzeugung" in den eigenen Reihen seiner Partei.


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