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VENEZUELA: Präsident Chavez tritt zurück

Venezuelas Staatspräsident Hugo Chávez ist nach Angaben des Militärs zurückgetreten. Zuvor waren bei dem Versuch, die Massenproteste niederzuschlagen, mindestens zwölf Menschen getötet worden.

Nach Massenprotesten mit mindestens zwölf Toten ist Venezuelas Staatspräsident Hugo Chàvez nach Militärangaben von seinem Amt zurückgetreten. Heereschef Efrain Vàsquez bestätigte in der Nacht zum Freitag entsprechende Informationen des Fernsehsenders »Globovision«. Vàsquez erklärte, Chàvez verhandele im Regierungspalast Miraflores in Caracas mit drei ranghohen Militärangehörigen noch über die Art der Machtübergabe.

Zwölf Tote bei Unterdrückung von Massenprotesten

Zuvor waren bei Massenprotesten mindestens zwölf Menschen getötet worden. Der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General Luis Rincón, hatte Chàvez zum Rücktritt aufgefordert und Neuwahlen gefordert. Proteste von 500 000 Menschen gegen die linksnationalistischen Regierung wurden brutal unterdrückt.

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an der Nordküste Südamerikas hat etwa 24 Millionen Einwohner. Mit einer Fläche von 912 000 Quadratkilometern ist das ölreiche Land etwa zweieinhalb Mal so groß wie Deutschland. In der Hauptstadt Caracas leben etwa 1,8 Millionen Menschen. Die Amtssprache ist Spanisch.

Venezuela gehört zur Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OPEC). 2000 lag es an fünfter Stelle der Förderländer. Außerdem gibt es in dem zu mehr als einem Drittel mit tropischem Regenwald bedeckten Land reiche Erdgas- und Eisenerz- Vorkommen. Wegen der ungleichen Einkommensverteilung lebt jedoch ein großer Teil der Bevölkerung in Armut. 2000 waren rund zehn Prozent der Venezolaner arbeitslos, die Inflationsrate lag bei 13,4 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt betrug im gleichen Jahr je Einwohner 5038 US- Dollar (5708 Euro).

Der Landesname Venezuela (Klein-Venedig) geht auf die Entdecker Alonso de Ojeda aus Spanien und dem Italiener Amerigo Vespucci zurück, die die Pfahlbauweise der Ureinwohner am Maracaibosee Ende des 15. Jahrhunderts an Norditalien erinnerte. Heute leben die wenigen verbliebenen Indianer vorwiegend im Deltagebiet des Orinoco- Stroms. Zwei Drittel aller Venezolaner sind Mestizen, die nächst größeren Gruppen aus Südeuropa stammende Weiße und Schwarze. 1811 hat der Freiheitsheld Simon Bolivar in seiner Vaterstadt Caracas die Unabhängigkeit von der spanischen Krone proklamiert. Das Land zwischen der Karibik und Brasilien gilt als älteste Demokratie Südamerikas.