Vogelgrippe Der frühe Tod des Mr. Shi


Bereits 2003, also zwei Jahre früher als bisher angenommen, starb in China der erste Mensch an Vogelgrippe. Unklar ist, ob die Ärzte ihn damals falsch diagnostizierten - oder die Behörden den Fall vertuschten.

Die chinesischen Behörden haben eingeräumt, dass schon 2003 - zwei Jahre früher als bislang bekannt - der erste Mensch an Vogelgrippe gestorben ist. Dies hätten Labortests in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergeben, hieß es am Dienstag in einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Damit bestätigten die Behörden die Angaben von acht Wissenschaftlern. Sie hatten im Juni in der Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine" berichtet, dass ein Soldat mit dem Nachnamen "Shi" bereits im November 2003 in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Der Mann wurde verdächtigt, an der Atemwegserkrankung Sars zu leiden. Der 24-Jährige sei aber an dem Vogelgrippevirus H5N1 gestorben. Die Symptome der beiden Krankheiten ähneln sich stark.

"Mr. Shi" war laut der WHO in einem Militärkrankenhaus in Peking behandelt worden. Diese seien allerdings nur der People's Liberation Army Rechenschaft schuldig und spielten bereits in der Vertuschung von Sars vor drei Jahren eine große Rolle, schreibt "The Guardian".

Fehlerhafte Diagnose oder Vertuschung?

Bisher hatten die chinesischen Behörden angegeben, dass die erste Vogelgrippe-Erkrankung beim Menschen in China gegen Ende 2005 aufgetreten sei. Die jüngsten Erkenntnisse nähren die Vermutung, dass das Virus bereits wesentlich länger in China aktiv ist. Beobachter stellten die Frage, ob die Diskrepanz auf eine fehlerhafte Diagnose zurückzuführen sein könnte, oder ob die Behörden den Fall vertuscht haben.

Ein Sprecher der WHO sagte der britischen Zeitung "The Guardian", dass die Organisation die chinesischen Behörden drängen würde, weitere ungeklärte Fälle der Lungenkrankheit Sars noch einmal zu prüfen. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums entgegnete, dass der Fall von 2003 keinen Beweis für einen Ausbruch der Vogelgrippe in China liefe. Es bestünden keine Pläne, andere Fälle noch einmal aufzurollen, so das Blatt.

In China starben seit dem vergangenen Jahr der WHO zufolge zwölf Menschen an dem Vogelgrippevirus. Beim Menschen wurde das H5N1-Virus erstmals 1997 in Hongkong diagnostiziert. 2003 trat es in mehreren Teilen Südostasiens auf. Der jüngste Fall trat auf Jakarta auf: Dort erlag ein 16-Jähriger dem aggressiven Virus H5N1, wie die indonesischen Gesundheitsbehörden mitteilten. Der Jugendliche, der am Rande der Hauptstadt Jakarta lebte, sei mit infizierten Hühnern in Kontakt gekommen.

Reuters/AP/son/lk AP Reuters

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