VG-Wort Pixel

Vorwurf von Human Rights Watch Syrisches Regime soll Mord und Folter befohlen haben


Das syrische Regime soll Mord, Folter und illegale Festnahmen in großem Stil angeordnet haben. Das geht aus einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hervor, die 60 desertierte Soldaten befragte. Syriens Machthaber Baschar al Assad leugnet nach wie vor, die Proteste brutal unterdrückt zu haben.

Syrische Soldaten haben nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) eindeutige Schießbefehle zur Niederschlagung von Protesten erhalten. Desertierte Soldaten sagten HRW einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht zufolge, sie seien angewiesen worden, Demonstrationen "mit allen Mitteln zu beenden". Iraks Regierungschef Nuri el Maliki kündigte an, eine Delegation nach Damaskus zu entsenden.

Syrische Kommandeure hätten befohlen, sowohl auf Demonstranten als auch auf Passanten zu schießen, berichtete HRW unter Berufung auf Interviews mit mehr als 60 desertieren Soldaten. Die übergetretenen Armeeangehörigen hätten Namen und Ränge von mehr als 70 Soldaten und Geheimdienstagenten genannt, die "Mord, Folter und illegale Festnahmen im großen Stil angeordnet, genehmigt oder toleriert" hätten, erklärte die Menschenrechtsorganisation. Rund die Hälfte der befragten Soldaten gab demnach an, direkte Schießbefehle erhalten zu haben.

"Benutzt so viele Kugeln, wie ihr wollt"

Ein Deserteur berichtete, wie er Ende April nach Daraa geschickt und von seinem Kommandeur angewiesen wurde, auf Demonstranten zu schießen. "Normalerweise sind wir angehalten, Munition zu sparen, aber diesmal hat er gesagt: 'Benutzt so viele Kugeln, wie Ihr wollt'", sagte er. "Als jemand fragte, worauf denn gezielt werden solle, sagte er: 'Auf alles, was sich vor eurer Nase befindet'." Niemand werde anschließend Erklärungen verlangen. Syriens Staatschef Baschar el Assad hatte jüngst in einem Interview mit dem US-Sender ABC jegliche Verantwortung für die brutale Unterdrückung der Proteste von sich gewiesen.

Bei heftigen Kämpfen am Morgen in der Provinz Daraa wurden nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 27 Soldaten und Sicherheitskräfte von Deserteuren getötet. Die heftigen Zusammenstöße ereigneten sich demnach an drei Kontrollposten. Daraa gilt als Hochburg des Protests der Oppositionsbewegung gegen Assad. Seit Beginn der Demonstrationen vor genau neun Monaten wurden nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 5000 Menschen getötet.

El Maliki sagte der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag auf seinem Rückflug von Washington nach Bagdad, sein Land werde in Kürze eine Delegation nach Damaskus entsenden, die sich um einen Dialog zwischen Oppositionellen und den syrischen Behörden bemühen soll. Sobald er wieder in Bagdad sei, werde er entsprechende Vorbereitungen dafür treffen. Gleichwohl nehme er sich nicht das Recht heraus, "einen Präsidenten zum Rücktritt aufzufordern", sagte el Maliki.

"Regime hat Zehntausende verhaftet, gefoltert, vertrieben"

Unterdessen kündigten syrische Oppositionelle in Istanbul die Gründung einer "Nationalen Allianz" an, die Syriens Führung stürzen soll. "Das Regime hat zehntausende Menschen getötet, verhaftet, gefoltert und vertrieben", sagte Muhammed Bessam Imadi, Syriens früherer Botschafter in Schweden und Präsident der Allianz, in Istanbul. Daher hätten sich die verschiedenen oppositionellen Bewegungen zusammengeschlossen. Imadi zufolge besteht die Allianz aus dem Großteil der örtlichen Koordinierungskomitees, die in ganz Syrien die Aufstände organisieren. Sie unterstütze zudem die im Sommer gegründete Freie Armee Syriens. Der oppositionelle Syrische Nationalrat, der Anfang Oktober ebenfalls in Istanbul gegründet worden war, habe die Allianz anerkannt, sagte Imadi.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker