Wahlkampfthemen Homo-Ehe als heißes Eisen

Bushs ablehnende Haltung zu dem Thema der Homo-Ehen könnte ihm letztendlich den Wahlsieg bescheren. Die Demokraten wittern ein abgekartetes Spiel der Republikaner, um mit dem Thema konservative Wähler zu ködern.

Mit der Homo-Ehe ist ein hoch brisantes Thema in den amerikanischen Wahlkampf hinein geplatzt. Eigentlich hat es US-Präsident George W. Bush in Gang gebracht: er drängte den Kongress im Februar, sich für eine Verfassungsänderung einzusetzen, die die Ehe einzig als Verbindung von Mann und Frau definiert. Diese Woche soll darüber abgestimmt werden.

Cheneys Tochter ist lesbisch

Seinen Stellvertreter Richard Cheney hat Bush damit richtig in die Bredouille gebracht: Cheneys Tochter Mary (35) ist lesbisch und arbeitet im Wahlkampfteam für ihren Vater. Sie steht jetzt schwer unter Druck der Lesben- und Schwulenlobby, ihren Vater "zur Vernunft" zu bringen. Cheney war vor der letzten Wahl dafür, es Bundesstaaten zu überlassen, wie sie zur Homo-Ehe stehen. Nach Bushs Vorpreschen musste er nun auf die Verfassungsänderungsschiene einschwenken.

"Die traditionelle Ehe ist unabdingbar für die Gesundheit der Gesellschaft und die Grundlage für eine ordentliche Gesellschaft", sagt Bush. Niemand glaubt, dass im Senat die nötige Zweidrittelmehrheit für eine Verfassungsänderung zu Stande kommt. Demokraten sehen ein abgekartetes Spiel der Republikaner, um mit dem Thema konservative Wähler zu ködern, die angesichts der hohen Arbeitsplatzverluste in Bushs Amtszeit und der andauernden Kritik am Irak-Feldzug vielleicht sonst nicht bei der Stange bleiben würden.

In Oregon und Michigan wahlentscheidendes Thema

Schätzungsweise vier Millionen besonders konservative Christen haben beim letzten Wahlgang nicht abgestimmt. "Ich glaube, dieses Thema könnte dem Präsidenten hier den Wahlsieg bescheren", sagte Gary Glenn, der im umkämpften Bundesstaat Michigan die Wahlkampftrommel für Bush rührt, der Zeitung "USA Today". Auch in Oregon, wo viele Lesben und Schwule, aber auch viele fundamentalistische Christen zu Hause sind, gilt das Thema als wahlentscheidend.

Der demokratische Präsidentschaftsbewerber John Kerry will gegen die Verfassungsänderung stimmen, wie sein ausgewählter Vize John Edwards. "Man sollte nicht aus politischen Gründen mit der Verfassung spielen", sagt er. Dabei bleiben Kerry und Edwards den vor allem im konservativen Süden der USA immens wichtigen Familienwerten dennoch treu: persönlich seien sie auch gegen die Homo-Ehe, doch sollten die Bundesstaaten darüber selbst entscheiden, betonen sie.

"Familie ist der fundamentale Baustein unserer Gesellschaft"

Bei einer Debatte am Montag fuhren die Republikaner schweres Geschütz auf. und (mit der Homo-Ehe) in allergrößter Gefahr", warnte Senator Rick Santorum. "Ich halte die Ehe auch hoch, aber ehrlich gesagt, dies ist doch nur Zeitverschwendung", meinte die Demokratin Dianne Feinstein.

Schwulen- und Lesbengruppen haben Cheneys Tochter inzwischen mit einer Anzeigenkampagne auf dem Kieker. Wie könne eine Lesbe den Wahlkampf für einen Politiker organisieren, der Homo-Ehen per Verfassung verbieten will? Mary Cheney hat sich zu dem Thema bislang nicht öffentlich geäußert.

Gericht legalisierte Homo-Ehe

Das ganze Thema wurde im vergangenen Jahr durch eine Entscheidung des Obersten Gerichts von Massachusetts ins Rampenlicht katapultiert. Das Gericht entschied überraschend, dass gleichgeschlechtlichen Paaren die Ehe nicht vorenthalten werden darf, weil das diskriminierend wäre. Seit Mai müssen Standesämter in Massachusetts deshalb Heiratsurkunden auch für lesbische und schwule Paare ausstellen. In mehreren Bundesstaaten sind bereits weitere Klagen anhängig, um auch dort die Gesetze zu ändern.

Eine Verfassungsänderung ist in den USA eine äußerst langwierige Angelegenheit. Außer dem Senat müssen auch das Repräsentantenhaus mit Zweidrittelmehrheit sowie Zweidrittel der 50 Bundesstaaten zustimmen. Viele der bislang 27 Verfassungsänderungen brauchten Jahrzehnte bis zur Vollendung.

Christiane Oelrich/DPA DPA

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