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Vorwurf der Absprachen: Trumps Team schlicht unfähig? Wie sich ein Vertrauter aus der Russland-Affäre reden will

Die Russland-Affäre lastet schwer auf der Präsidentschaft von Donald Trump. Nun behauptet ein Vertrauter aus seinem Umfeld: Trumps Wahlkampfteam sei viel zu unorganisiert für Absprachen mit Moskau gewesen.

Donald Trump und Chris Christie

Donald Trump und Chris Christie (r.)

DPA

Und schon wieder ein Buch eines Menschen aus dem Trump-Orbit, der Zeugnis ablegen will - diesmal: Chris Christie, ein Schwergewicht aus dem erweiterten Präsidenten-Umfeld. Der Ex-Gouverneur und -Bewerber um die US-Präsidentschaft dürfte also einiges mitbekommen haben. Was jedoch nicht dazuzähle, seien Absprachen mit den Russen. "Das Wahlkampfteam war zu unorganisiert und zu dezimiert, um eine Operation à la Tom Clancy durchzuziehen", sagte er in einem Interview mit der "New York Times" über sein Buch.

War Donald Trump schlicht planlos?

Böse formuliert ließe sich Christies Aussage auch so zusammenfassen: Trump und seine Leute waren schlicht planlos. Ähnlich äußerte sich der Republikaner auch im Sender ABC über ein anderes Thema. Gefragt, wie er Trumps Rolle im Haushaltsstreit und Regierungsstillstand beurteile, sagte er: "Der Präsident agiert manchmal impulsiv und hat nicht immer ein Konzept." Christies Urteile bestätigen erneut das Bild, das schon seit Amtsantritt von Trump herumgeistert: dass sowohl in der Wahlkampfzentrale als auch im Weißen Haus das pure Chaos herrscht.

Dabei ist es nicht so, dass Christie, als Freund des Weißen Hauses, mit "Let me finish" eine Abrechnung geschrieben hätte. Sein Buch wirkt eher wie der Abschlussbericht eines Unternehmensberaters. Nebst einigen Lästereien. Vielleicht hat er seine Äußerungen sogar positiv gemeint - als schmeichelnde Beleidigung: Sollte sich der Verdacht erhärten, dass Trump und sein Team in irgendeiner Form mit Russland zusammengearbeitet hätten, wäre das strafbar. Doch wenn der jetzige US-Präsident und seine Leute schlicht nicht fähig zu derlei Kooperation gewesen sollten - könnte der Kelch an ihnen doch noch vorübergehen. 

Kushner und Trump zumindest naiv

So gesehen hätte Chris Christie seinem früheren Weggefährten sogar noch einen Gefallen getan. Allen voran Trumps Sohn Donald Jr. und Schwiegersohn Jared Kushner, die bei einen umstrittenen Treffen mit Vertretern Russlands anwesend waren und denen deswegen möglicherweise eine Anklage droht. Dass Kushner und Trump politisch zumindest naiv sind, lässt sich aus einer Anekdote schließen, die Christie in seinem Buch erzählt.

Die ganze Russland-Affäre kam in Gang, als bekannt wurde, dass Trumps erster Sicherheitsberater Michael Flynn über ein Treffen mit einem russischen Botschafter gelogen hatte. Da war die neue Regierung noch keinen Monat im Amt. Nur drei Tage nach Bekanntwerden der Vorwürfe trat Flynn zurück, beziehungsweise wurde von Trump entlassen, wie es Christie in seinem Buch darstellt. Ihm zufolge sei das Thema "Russland-Absprachen" für Trump damit erledigt gewesen.

Wörtlich zitiert Christie folgenden Dialog:

  • Trump: "Das Russland-Ding ist vorbei. Ich habe Flynn gefeuert."
  • Christie lacht über diese Bemerkung: "Die Sache ist alles andere als vorbei."
  • Darauf der US-Präsident: "Was meinst du? Flynn hat sich mit den Russen getroffen, das war das Problem. Ich habe Flynn gefeuert, nun ist es vorbei."
  • Kushner ergänzt: "So sieht es aus. Die Entlassung von Flynn hat das Problem beendet."

Die Russland-Affäre ist nicht vorbei

Wie nun, zwei Jahre später, klar ist, war die Russland-Sache mit der Entlassung Flynn alles andere als vorbei. Im Gegenteil. Nur wenig später warf Donald Trump FBI-Chef James Comey wegen eben diesen Ermittlungen raus, woraufhin Robert Mueller als Sonderermittler eingesetzt wurde. Der stellt in Kürze, nach 20 monatigen Untersuchungen, seinen Abschlussbericht vor. Wie immer der ausfällt, Trump selbst sei nach Ansicht von Christie unschuldig. "Viel zu oft fand sich Trump umgeben von Pöbel", schreibt er in seinem Buch wörtlich. Was der Präsident nun brauche, sei "Qualität". "Donald sollte sich dringend mit den richtigen Leute und einer soliden Struktur umgeben."

Quellen: Realclearpolitics, CNN, NPR, "New York Times"