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Washington: Weißes Haus billigte "Waterboarding"

Ein ehemaliger CIA-Agent hat eingeräumt, dass die umstrittene Verhörmethode des simulierten Ertränkens Gefangener von der US-Regierung abgesegnet war. Er selbst hält das so genannte "Waterboarding" inzwischen für Folter.

Die US-Regierung hat nach den Worten eines ehemaligen Agenten des Geheimdienstes CIA die umstrittene Verhörmethode des simulierten Ertränkens abgesegnet. "Diese Politik wurde im Weißen Haus gemacht, in Übereinstimmung mit dem Nationalen Sicherheitsrat und dem Justizministerium", sagte Ex-Agent John Kiriakou am Dienstag dem US-Fernsehsender NBC. In der Affäre um zerstörte Vernehmungsmitschnitte der CIA hatte Kiriakou in einem anderen Interview das sogenannte "Waterboarding" als Folter bezeichnet.

Nach den Worten des ehemaliges Mitglieds eines CIA-Teams, das den mutmaßlichen hochrangigen El-Kaida-Terroristen Abu Zubaida verhörte, habe die Methode zwar wichtige Erkenntnisse geliefert und möglicherweise Leben gerettet. Er sei aber inzwischen überzeugt, dass dieses Folter sei. "Damals habe ich gedacht, Waterboarding sei etwas Notwendiges. Da der 11. September 2001 aber immer weiter zurückliegt, sehe ich das anders", sagte er dem Sender ABC.

Eine Sprecherin des Weißen Hauses erklärte, das von Präsident George W. Bush gebilligte Verhörprogramm der CIA sei effektiv und legal. CIA-Chef Hayden werde sich während der auf zwei Tage angesetzten Anhörung vor den Geheimdienstausschüssen des Senats und des Repräsentantenhauses jedoch nicht zu Verhörtechniken äußern "und dem Feind erklärten, was wir machen", sagte Sprecherin Dana Perino. Bush habe einem Verhörprogramm für harte Fälle zugestimmt, aber "wir foltern nicht".

Den Worten Kiriakous zufolge hatte die Methode Zubaida schnell gefügig gemacht. Es habe nur 35 Sekunden gedauert, bis der mutmaßliche Top-Terrorist zu Aussagen bereit gewesen sei. "Es war, als hätte man einen Schalter umgelegt", sagte der Ex-Agent. Kiriakou war nach eigener Darstellung nicht persönlich anwesend, als Zubaida mit der Methode verhört wurde. Es habe sich die Vernehmung aber von Kollegen detailliert schildern lassen.

Zu der Billigung des simulierten Ertränkens durch die Regierung von Präsident George W. Bush sagte Kiriakou: "Das ist nicht etwas, was man einfach mal so macht. Da wacht nicht irgendein Agent morgens auf und entscheidet, erweiterte Techniken anzuwenden."

Das US-Justizministerium und die CIA selbst haben Untersuchungen über die Umstände der Vernichtung der Videomitschnitte eingeleitet. Von Dienstag an sollte CIA-Direktor Michael Hayden hinter verschlossenen Türen zwei Tage lang vor den Geheimdienstausschüssen des US-Kongresses aussagen. Die Aufzeichnungen stammten aus dem Jahr 2002 und wurden 2005 vernichtet. Hayden hatte den Schritt mit dem Schutz der bei den Verhören eingesetzten Geheimdienstbeamten vor terroristischen Racheakten begründet. Bürgerrechtler und Politiker der Demokratischen Partei hatten hingegen den Verdacht geäußert, die CIA wollte damit Beweismaterial vernichten.

DAP/AP / AP