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"Washington Post"-Bericht: Er mag keine tiefen Analysen: Wie Trump die Informationen seiner Geheimdienste aufnimmt

Donald Trump wird nahezu täglich von den Spitzenleuten der US-Geheimdienste über aktuelle Entwicklungen informiert. Einem Medienbericht zufolge setzt er dabei nicht auf ausführliche Analysen.

US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus

US-Präsident Donald Trump konsumiert seine Geheimdienstinformationen bevorzugt durch "killer graphics"

"Wissen Sie, ich bin ein kluger Mensch. Mir muss man nicht für die nächsten acht Jahre jeden Tag dasselbe in anderen Worten sagen", sagte Donald Trump Fox News im Dezember, einen Monat vor seiner Amtseinführung. Geheime Informationen der US-Nachrichtendienste aber - so musste Trump einsehen - sollte ein US-Präsident tatsächlich nahezu täglich erhalten. Wie die "Washington Post" in einem ausführlich recherchierten Artikel berichtet, nimmt sich Trump mittlerweile fast jeden Tag für die "intel briefings" Zeit - allerdings nicht mehr als nötig.

Der neue US-Präsident verlangt demnach immer sehr kurze Zusammenfassungen. "Ich mag Stichpunkte und ich mag so wenig wie möglich", sagte er bereits in einem Interview vor seiner Amtseinführung. "Ich brauche keine 200-Seiten-Berichte für etwas, das auf einer Seite abgehandelt werden kann." Außerdem ist Trump der "Post" zufolge in Mann der Bilder. Er möge es, Karten, Diagramme, Bilder und Videos anzuschauen und habe eine Vorliebe für "killer graphics", wie es CIA-Direktor Mike Pompeo nannte.

Vor einem Termin mit einem ausländischen Regierungschef lasse sich Trump spezielle Informationen zu dessen Land geben. Zudem seien in der Regel andere Top-Funktionäre des Weißen Hauses bei den Briefings zugegen. Unter anderem auch sein Schwiegersohn und Berater Jared Kushner, der meist "als stiller Zuhörer" teilnehme. Durch die jüngsten Entwicklungen in der Russland-Wahlkampfaffäre sei Kushners Freigabe für die Meetings nun aber von einigen Geheimdienstoffiziellen in Frage gestellt worden.

Donald Trump und die streng geheimen Infos

Der Bericht der "Post" basiert auf Gesprächen mit mehreren hohen Beamten, die regelmäßig an den Info-Terminen teilnehmen. "Das ist doch unsere Aufgabe, oder? Die Informationen, die wir versuchen zu übermitteln, möglichst so zu verpacken, dass er sie bestmöglich versteht", wird Pompeo zitiert. Auch er bevorzuge es, schnell zum Kern des Themas zu kommen.

Manche der Befragten machen sich dem Bericht zufolge aber Sorgen um Trumps Umgang mit den Informationen. So soll er kürzlich bei einem Treffen mit dem russischen Außenminister mit seinen "großartigen Infos" angegeben - und dabei streng Geheimes preisgegeben haben. Die Informationen sollen von einem ausländischen Geheimdienst gekommen sein, der um die Nicht-Weitergabe gebeten hatte. Wenig später sagte Trump dann vor Reportern in Jerusalem dazu: "Nur, dass sie es wissen: Ich habe nicht einmal das Wort oder den Namen Israel benutzt, während des Gesprächs (mit dem russischen Außenminister)." Er beantwortete damit eine Frage, die niemand gestellt hatte und gab augenscheinlich Preis, woher die sensiblen Informationen kamen. Vorfälle wie dieser hätten dazu geführt, dass nun teilweise abgewägt werde, wie viel Informationen, insbesondere zu den Quellen, mit Trump geteilt werden, berichtet die "Post".

Bissige und kritische Fragen

In dem Bericht kommen allerdings nicht nur die kritischen Stimmen zu Wort. Trump höre genau zu und stelle bissige Nachfragen, heißt es etwa. Außerdem beäuge er die analytischen Schlussfolgerungen kritisch und bitte oft darum, am nächsten Tag "mit mehr Infos dazu" zurückzukommen. Trump möge es lieber, wenn er sich keinen Vortrag anhören müsse, sondern die Themen in einem beidseitigen Gespräch erörtert würden. "Nicht selten ist es der Fall, dass wir dabei merken, dass wir noch weitere Nachforschungen benötigen, um die Informationen zu präzisieren", wird CIA-Direktor Pompeo zitiert.

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fin