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CNN-Analyse: US-Präsident im "Ich-Modus"? Wie Donald Trump sich um Donald Trump sorgt

US-Präsident Donald Trump kämpft derzeit an einer ganzen Reihe von Fronten. Eine Analyse will aufzeigen, worum es dem Mann im Weißen Haus dabei in erster Linie gehen soll: um sich selbst.

Hurrikan "Dorian": Streit um bemalte Wetterkarte: Twitter-User zeigen, wie Trump alle Probleme mit einem Stift lösen kann


Falsche Hurrikan-"Dorian"-Vorhersage, Korruptionsvorwürfe, Umstrittene Finanzierung des Mauerbaus: US-Präsident Donald Trump hat in den letzten Tagen eine ganze Reihe von Kontroversen vom Zaun gebrochen. Auffällig dabei ist: Die Streitpunkte lassen Trumps Präsidentschaft mehr denn je wie ein Mittel des 73-Jährigen zum Machterhalt, zur Selbstrechtfertigung und zur Bereicherung aussehen. CNN-Reporter Stephen Collinson hält Trump in einer Analyse mehrere derartige Beispiele vor:

  • Trump beschäftigte sich eine ganze Woche lang damit, seine Falschbehauptung, dass Hurrikan "Dorian" auch den Bundesstaat Alabama bedrohen würde, als richtig darzustellen und spannte dafür sogar die Nationale Wetterbehörde der Vereinigten Staaten ein. Nur, weil er einfach nicht zugeben wollte, dass er einen Fehler gemacht hatte. Die Opfer des Wirbelsturms werden dabei scheinbar zur Nebensache.

(Lesen Sie dazu: US-Wetterbehörde will prüfen, warum sie plötzlich Trumps Alabama-Warnung bestätigte)

  • Nachdem Vizepräsident Mike Pence kürzlich bei seinem Irland-Besuch in einem Trump-Golfresort abgestiegen war, mehren sich die Hinweise darauf, dass die US-Regierung Anwesen des Präsidenten für offizielle Angelegenheiten nutzt und dieser damit Geld verdient. Auf die Einnahmen sei er gar nicht angewiesen, konterte der US-Präsident – und sagte durch die Blume, dass er noch reicher sei, als manche glauben würden. Der Justizausschuss des Repräsentantenhauses möchte derweil Aufklärung zu Trumps Vorstoß, das Gipfeltreffen der sieben führenden westlichen Industriestaaten 2020 in seinem Golfhotel in Miami abzuhalten. Trump hatte das Hotel beim jüngsten G7-Gipfel im französischen Biarritz in den höchsten Tönen gelobt und als möglichen Ausrichtungsort genannt.

(Lesen Sie dazu: US-Kongress will wissen, warum Regierungsvertreter in Trump-Hotels wohnen)

  • Trump hat in den vergangenen Wochen seine Angriffe auf die US-Notenbank Fed verschärft und die unabhängige Zentralbank aufgefordert, Schritte zur Sicherung einer starken Wirtschaft zu unternehmen, obwohl das die Fed im Falle einer Finanzkrise handlungsunfähig machen könnte. Eine florierende Konjunktur ist das wichtigste Argument des Präsidenten für eine Wiederwahl.

(Lesen Sie dazu: Trump bezeichnet US-Notenbankchef als "Feind")

  • Trump hat angekündigt, "überall" Milliarden von Dollar abzuzweigen – also staatliche Mittel, die für andere Projekte genehmigt wurden – um eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen, die der Kongress nicht finanzieren wollte. Die Mauer war eines der zentralen Wahlversprechen des Republikaners. Sie wird auch im kommenden Wahlkampf eine wichtige Rolle spielen.

(Lesen Sie dazu: Diesen Projekten knöpft Trump Geld für seine Mauer ab)

  • Trumps Gipfeltreffen und Freundschaft mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un haben die nordkoreanischen Raketen-und Atomprogramme nicht beendet. Stattdessen waren es eher Fototermine, auf denen sich der US-Präsident als welterfahrener Staatsmann präsentieren konnte.

Lesen Sie dazu: Nordkorea feuert erneut "Projektile" ab)

  • Trump hat in den vergangenen Wochen zwei Auslandsreisen abgesagt – nach Dänemark, mutmaßlich weil die dortige Regierung einen Grönland-Verkauf abgelehnt hatte, und nach Polen, weil er die Vorbereitungen auf Hurrikan "Dorian" überwachen wollte. Stattdessen verbrachte der Präsident aber Zeit damit zu golfen, Fehlinformationen auf Twitter zu verbreiten und Medien anzugreifen, die ihn kritisiert hatten.

(Lesen Sie dazu: Trump sagt wegen Hurrikan "Dorian" Polen-Reise ab - und geht golfen)

"Es ist nicht verwunderlich, dass ein Präsident versucht, seinen persönlichen politischen Vorteil zu maximieren", kommentiert Stephen Collinson Trumps Vorgehen. Aber kein moderner US-Präsident habe einen Kurs eingeschlagen, der das amerikanische Nationalinteresses so sehr seinen eigenen Zielen unterzuordnen scheine oder die Rolle des Staatschefs so wenig von seinen persönlichen Impulsen trenne. Trumps Aktivitäten würden auch eine grundlegende Frage aufwerfen, meinte Collinson: "Wofür oder wem dient die Trump-Präsidentschaft eigentlich?"

Dass Trump mit seiner Politik nicht unbedingt den Nerv aller Amerikaner trifft, legen aktuelle Umfragen nahe. Denn Demoskopen bescheinigen ihm eine eher bescheidende Gunst bei den Wählerinnen und Wählern: Laut "Five Thirty Eight" sind nur 41 Prozent mit der Arbeit ihres US-Präsidenten zufrieden, eine Mehrheit von 54,2 Prozent ist unzufrieden. Das Portal "RealClearPolitics" kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Demnach attestieren ihm 43 Prozent einen guten Job, während sich 53,9 Prozent unzufrieden mit Trump zeigen. Damit sei die Unzufriedenheit bei den Wählerinnen und Wählern seit Trumps Amtsantritt im Januar 2017 um 10,9 Prozent gewachsen.

mad