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Ex-Finanzminister Griechenlands Varoufakis: Deutschland dominiert die Eurogruppe vollkommen


Im ersten Interview nach seinem Rücktritt als Finanzminister Griechenlands übt Yanis Varoufakis heftige Kritik an der Eurogruppe - und an Wolfgang Schäuble. Dieser sei besonders konsequent in seiner ablehnenden Haltung gewesen.

Der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat im ersten Interview seit seinem Rücktritt schwere Kritik geübt - vor allem an Wolfgang Schäuble und dem Verhandlungsprozess mit der Eurogruppe. Varoufakis bemängelt in dem Gespräch mit der Nachrichtenseite "Newstatesman", die das Gespräch nach eigenen Angaben vor dem jüngsten Kompromiss geführt hat, eine komplette Abwesenheit von Skrupeln in Bezug auf den demokratischen Prozess in Europa. Innerhalb der Eurogruppe bestünde von Seiten der Geldgeber eine völlige Verweigerung, sich auf wirtschaftliche Debatten einzulassen. Vorstöße in diese Richtung seien einfach ignoriert worden. "Ich hätte auch die schwedische Nationalhymne singen können", sagte der Ex-Finanzminister. Deutschland kontrolliere die Eurogruppe dabei angeblich vollkommen: "Es ist wie ein gut eingespieltes Orchester - und er (Schäuble, Anm. d. Red.) ist der Dirigent", so Varoufakis.

Ferner seien ihm kaum Sympathien entgegengebracht worden. Schäuble sei hierbei besonders konsequent gewesen. Dessen Standpunkt sei: “Ich diskutiere nicht über das Programm“, zitierte Varoufakis den deutschen Finanzminister. Schäublers Auffassung sei es gewesen, dass die Sparauflagen von der früheren Regierung Griechenlands bereits akzeptiert worden seien und Wahlen daran nichts ändern würden. Varoufakis wurde angeblich der Eindruck vermittelt, “entweder du unterschreibst auf der gepunkteten Linie, oder ihr fliegt raus (aus dem Euro, Anm. d. Red.).“ Mit Angela Merkel habe Varoufakis selbst nie verhandelt. In den Verhandlungen sprächen Finanzminister mit Finanzministern und Regierungschefs mit Regierungschefs, erklärte er. Allerdings habe Merkel im Gegensatz zu Schäuble versucht, Regierungschef Alexis Tsipras zu besänftigen. Sie habe Tsipras eine Lösung in Aussicht gestellt, sofern dieser seine Hausaufgaben mache.

Fünf Monate lang nur zwei Stunden Schlaf pro Nacht

Der Ex-Finanzminister bemängelt zudem, dass die Eurogruppe “sich gegenüber niemandem verantworten muss, da sie rechtlich gesehen überhaupt nicht existiert“. "Was wir haben, ist eine nicht vorhandene Gruppe, die die größte Macht hat, über das Leben der Europäer zu bestimmen", so Varoufakis. Es würden Entscheidungen über Leben und Tod gefällt, aber kein Mitglied müsse vor irgendjemandem Rechenschaft ablegen.

Er selbst fühle sich seit seinem Rücktritt wieder "an der Spitze der Welt" ("on top of he world"), nachdem er nicht mehr durch seinen hektischen wie unmenschlichen Terminplan hetzen müsse. Dieser habe über fünf Monate lediglich zwei Stunden Schlaf zugelassen. Gleichzeitig hätte ihm sein Posten als Minister aber auch Einblicke ermöglicht, die er sonst nie bekommen hätte. Auch blickt der 54-Jährige ein Stück weit in die Zukunft. Er wolle ein Buch schreiben und vielleicht wieder als Dozent an die Athener Universität zurückkehren.

Das vollständige Interview können Sie hier nachlesen.

amt/mod

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