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Briefe an die Kanzlerin: Flüchtling schreibt an Merkel: "Für mich sind Sie eine Heldin!"

Er war einer der Flüchtlinge, die mit Angela Merkel ein Selfie gemacht haben. Nun bedankt sich Anas Modamani im stern per Brief bei der Kanzlerin. Andere Autoren fordern hingegen ihren Rücktritt.

Angela Merkel und Anas Modamani: Dieses Selfie bewegte Deutschland

Angela Merkel und Anas Modamani: Dieses Selfie bewegte Deutschland

Es ist einer der symbolträchtigsten Augenblicke ihrer Kanzlerschaft: Als im Sommer 2015 ein Flüchtlingsheim in Berlin besucht, schießt der damals 19-Jährige Syrer Anas Modamani ein Selfie mit ihr. Die Kanzlerin und der Flüchtling, das Bild geht um die Welt. Drei Jahre später wendet sich Modamani im stern an die Kanzlerin. "Für mich sind Sie eine Heldin", schreibt er. "Ich wünsche Ihnen, dass Sie durchhalten. Sie sind eine starke Frau."

Modamani ist einer von zwölf Autoren, die sich im aktuellen stern per Brief an Merkel richten. Unter ihnen sind Politiker wie der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis, aber auch Prominente, Wissenschaftler und Menschen wie Pfleger Alexander Jorde, der Merkel im vergangenen Jahr in einer Wahlsendung mit den schlechten Bedingungen in der Pflege konfrontierte.

Flüchtlingspolitik von Angela Merkel als "Zeitenwende"

Viele der Autoren setzen sich kritisch mit der Amtszeit Merkels auseinander. Bundestagsvizepräsident (FDP) bescheinigt der Kanzlerin zwar, das Land mit ruhiger Hand durch die Finanzkrise gelotst und damit Schlimmeres verhindert zu haben. In Verbindung gebracht werde die Kanzlerin aber vor allem mit ihrer Flüchtlingspolitik, die Kubicki als "Zeitenwende" bezeichnet. Merkel habe nicht mehr viel Zeit, um für dieses Thema eine Lösung zu finden. "Um Ihr 'Wir schaffen das' auch wirklich umzusetzen, müssen Sie nicht nur klären, wie wir das schaffen, sondern was das 'Das' letztlich ist", schreibt Kubicki. Er kritisiert zudem, dass Merkel all die Jahre  keine Vision gehabt habe. "Ihre Kanzlerschaft steht leider auch für ein Verkümmern unserer Debattenkultur, für Aussitzen statt Problemlösungen."

Auch der Historiker Andreas Rödder beklagt in seinem , dass bei den großen Volksparteien Sprachlosigkeit herrsche. Nach 18 Jahren an der Spitze der CDU sei es daher Zeit für Merkel, auf dem kommenden Parteitag im Dezember den Vorsitz zu räumen. "Wichtiger als das machtpolitische Kalkül ist unsere Verantwortung für die Demokratie, gerade jetzt", meint Rödder, der auch Mitglied der CDU ist.

Noch einen Schritt weiter geht Jörg Meuthen. Der Vorsitzende der AfD fordert Merkel in seinem Brief zum Rücktritt vom Amt der Bundeskanzlerin  auf. "Machen Sie den Weg frei für eine Politik, die den Schaden Ihrer Regierungszeit mühsam wieder gutmachen wird."

Andere Autoren bestärken die Kanzlerin hingegen in ihrem Handeln. "Lassen Sie sich von den finsteren Propheten nicht beeindrucken, das Ende einer Karriere sieht anders aus", schreibt Entertainer Harald Schmidt. "Ich weiß, wovon ich spreche."

Neben den bereits erwähnten Personen haben noch die Politologin Ulrike Guerot, die Rentnerin Anita Pixberg, der Geschäftsführer der Ufa Nico Hoffmann, die Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung Antje Boetius und der -Landrat in Bautzen Michael Harig einen Brief an die Kanzlerin geschrieben.