Zypern Die Wurzeln des Konflikts


Die Insel Zypern im östlichen Mittelmeer ist das letzte geteilte Land Europas und mit 9250 Quadratkilometern halb so groß wie Sachsen. Seit einem Militärputsch 1974 und dem Einmarsch der Türken im Nordteil leben die etwa 715 000 griechischen und 230 000 türkischen Bewohner (2004) getrennt. Die Demarkationslinie verläuft mitten durch die Hauptstadt Nikosia. UN-Blauhelme bewachen die mit Mauern und Stacheldraht gesicherten Grenzen.

Die Südzyprer bekennen sich überwiegend zum griechisch-orthodoxen Glauben. Daneben gibt es kleine Minderheiten von maronitischen, armenischen und römisch-katholischen Christen sowie einige hundert Muslime. Präsident ist Tassos Papadopoulos. Der Süden erwirtschaftete 2002 mit mehr als 15 000 Euro pro Kopf ein fast vier Mal so hohes Sozialprodukt als der Norden.

Republik Nordzypern nur von der Türkei anerkannt

Die Türkische Republik Nordzypern, gut ein Drittel der Insel, wird lediglich von der Türkei anerkannt. "Präsident" ist rauf Denktasch. 95 000 der rund 230 000 Einwohner wohnen im türkischen Teil der Hauptstadt. Im Norden leben fast nur Moslime. Das Gebiet mit der früher ertragreichsten Landwirtschaft, den wichtigsten industriellen Schwerpunkten und Fremdenverkehrseinrichtungen ist weit hinter den Süden zurückgefallen. Die Wirtschaftsleistung pro Kopf liegt bei nur etwa 4000 Euro.

Die Wurzeln des Konfliktes zwischen den christlichen Zypern-Griechen und den moslemisch-türkischen Inselbewohnern reichen bis ins 16. Jahrhundert. Das Osmanische Reich übernahm damals die Insel vom Stadtstaat Venedig und siedelte immer mehr Türken an. Nachdem die Griechen nach dem Ersten Weltkrieg unter britische Herrschaft geraten waren, wurden ihre Forderungen nach einem Anschluss an ihr Mutterland immer lauter. Aufruhr und Terrorakte Mitte der 50er Jahre waren die Folge. 1960 wurde Zypern als Republik unabhängig. Die Türken zogen sich nach und nach in Enklaven im Nordteil zurück, wo sie eigene provisorische Verwaltungen einrichteten.

Putsch griechischer Nationalisten

Im Jahr 1974 putschten griechische Offiziere der zyprischen Nationalgarde gegen Präsident Erzbischof Makarios, der ins Ausland floh. Der in den 50er Jahren von den Briten auf die Seychellen verbannte Erzbischof hatte nach seiner Rückkehr 1960 das Amt des Staatspräsidenten der Republik Zypern übernommen und war um deren Unabhängigkeit sowie einen gewissen Ausgleich der griechischen und türkischen Inselbewohner bemüht. Im Dezember kehrte er zurück und übernahm erneut das Amt des Staatspräsidenten. Aus Sorge vor einem Anschluss an Griechenland schickte die Türkei Truppen in den Norden. Dort wurde dann im November 1983 die Türkische Republik Nordzypern ausgerufen, die international nicht anerkannt ist.

Wenn es keine Wiedervereinigung gibt, wird nur die Republik Zypern am 1. Mai Mitglied der Europäischen Union.

DPA/AP AP DPA

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