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Griechenland-Debatte im Bundestag Von Schwachen und Schwachmaten


Zu Griechenland ist alles gesagt, mittlerweile sogar mehrfach und von jedem. Für den Parlamentarismus bedeutet das nichts Gutes. Man sollte überlegen, einzelnen Rednern die Vokale wegzunehmen, am besten man fängt bei ntn Hfrtr an.
Ein Kommentar von Axel Vornbäumen

Die Helden sind müde, die Argumente ausgetauscht. Wer bis jetzt seine Meinung zu den Milliarden-Hilfen für Griechenland noch nicht gefestigt hat, der tut das nimmermehr. Kein Wunder also, dass die Bundestagsdebatte über das Griechenland-Paket heute morgen in etwa so weit von einer Sternstunde entfernt war, wie Hellas (Achtung: hat nichts mit hell zu tun) von einem ausgeglichenen Haushalt.

Na dann braucht man auch keine weiteren Worte darüber zu verlieren? Doch! Weiterlesen!
Es lohnt sich! Dieser Text ist besser als die Bundestagsdebatte, das ist Grund genug.

Denn es hätte im Hohen Haus ein bisschen mehr von allem sein können. Mehr Esprit. Mehr Leidenschaft. Mehr Logik. Mehr rhetorisches Geschick. Doch vielleicht ist das bereits zu viel verlangt, weil die Unendlichkeit der Griechenland-Hilfe und die Unsicherheit, ob man diesmal mit dem Reformpaket auf dem richtigen Weg ist, über den Abgeordneten schwebt wie das berühmte Damokles-Schwert (um wenigstens einmal die griechische Mythologie einzubauen). Das alles macht die Zunge schwer und die Gedanken lahm. Kenn ich doch schon, mag sich zudem so manch einer der aus der Sommerfrische geholten Parlamentarier gedacht haben und blieb deshalb lieber gleich in derselbigen. Für eine Schicksalsdebatte, die sich um die Zukunft und den Zusammenhalt Europa drehen sollte, waren die hinteren Reihen erstaunlich spärlich besetzt. So, als ob es vorne um die dritte Änderungsrichtlinie der Bordsteinkantenhöhe bei innerstädtischen Bushaltestellen gegangen wäre.

Empörung vom Blatt

Hinzu kommt: Dieser Bundestag leidet zunehmend darunter, dass er eine Opposition hat, die den Namen nicht verdient.

Fangen wir also mit den Schwachmaten an (nein, nicht den Griechen, das wären ja die Schwachen), mit Linken-Fraktionschef Gregor Gysi und dem Hofreiter Toni von den Grünen, dem man eigentlich mal die Vokale entziehen müsste, als Strafe für seine stammtisch-artigen Auftritte. Der Hfrt Tn von den Grnn.

Gysi entblödete sich nicht, zuerst über netzpolitik.org, die Türkei und die Flüchtlinge zu reden („Es gehört nicht zum Thema, aber die Leute interessiert's“), Hft verlas wie gewohnt Empörung vom Blatt. Gysi musste begründen, warum seine Fraktion aus Solidarität mit den Griechen NICHT zustimmte – oder haben wir da jetzt was verwechselt? Hofreiter (des besseren Leseverständnisses wegen wieder mit Vokalen) argumentierte, warum er NICHT solidarisch mit der Bundesregierung ist, die eigenen Ökos aber mehrheitlich dem von Finanzminister Wolfgang Schäuble eingebrachtem Paket zustimmen.

Kein Essig im Regierungswein

Alles klar? Noch dabei? Gut. Neiiiiin, nicht gut. Keiner dieser oppositionellen Frontmänner kam auf die Idee ein bisschen Essig in den groß-koalitionären Regierungswein zu schütten. Aufklärung fordernd, beispielsweise, wie es um die Weltläufte so bestellt ist, hinter den Kulissen. Beim Verhältnis Merkel-Schäuble noch alles im Lack? Die Frage kann man ja mal stellen. Oder sitzt da etwa ein ziemlich bester Finanzminister, der gegen seine eigene Überzeugung die Griechenland-Milliarden durchwinken muss, nicht wissend, ob sich der Internationale Währungsfonds (IWF) je wieder ins Boot holen lassen wird; nicht wissend, ob die mit 50 Milliarden angesetzten Privatisierungserlöse der Griechen jemals auch nur annähernd erzielt werden; nicht wissend.... ach, vom Damokles-Schwert war ja schon die Rede.

Hätte man mal ansprechen können, oder nicht? Oder den Namen Kauder fallen lassen. ("Ich sage immer: Wir sind das Volk. Aber ich bin Volker".) Der Mann ist Unions-Fraktionschef und hat mit reichlich unüberlegtem Druck-Vokabular dafür gesorgt, dass nun alles kollektiv darauf stiert, wie viele abtrünnige Überzeugungstäter in den eigenen Reihen diesmal zu berichten sind. (Es waren 63, und damit wenig genug, um Gysis Linken das NEIN zu ermöglichen).

Hinweis in eigener Sache. Beim schnellen Lesen (nicht scrollen), sind jetzt fünf Minuten vergangen. Nur zum Vergleich, die Bundestagsdebatte dauerte knapp drei Stunden.

Ham wa noch n Minütchen? Gut. Einen ham wa nämlich noch: In der Debatte gab es nämlich noch einen Appell, demnächst pfleglich miteinander umzugehen, wenn Probleme anstehen, gegen die die Griechenland-Rettung ein Fliegenschiss ist. Unionsfraktionschef Kauder mahnte schon mal prophylaktisch, das Thema Flüchtlinge „nicht zu einem parteipolitischen Kampffeld zu machen“. Darauf eine Eule nach Athen...


Axel Vornbäumen war noch nie in Griechenland, hat aber schon öfter mal eine Eule gesehen. Man kann dem Autor auf Twitter folgen unter @avornbaeumen


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