HOME

Islam-Kritik: Charlie Hebdo provoziert erneut mit islamkritischem Cover

Nach den Anschlägen in Barcelona sorgt das religionskritische Satire-Magazin "Charlie Hebdo" erneut für hitzige Debatten rund um den Islam. Das Cover der neuen Ausgabe polarisiert.

Das Satire-Magazin Charlie Hebdo karikiert den Terror in Barcelona

Das aktuelle Cover der "Charlie Hebdo" karikiert den Anschlag in Barcelona und entfacht heftige Diskussionen um den Islam und religionskritischer Redefreiheit. Geht das Magazin zu weit ?

Im Januar 2015 erschüttert ein brutaler Terroranschlag die Menschen in Paris. Die Redaktion des französischen Satire-Magazins Charlie Hebdo wird von islamistischen Attentätern angegriffen. Dabei werden insgesamt 12 Menschen ermordet. Hintergrund waren islamkritische Karikaturen, sowie Abbildungen des islamischen Propheten Mohammed.
Nach dem Anschlag von Barcelona hat Charlie Hebdo mit der aktuellen Titelseite zu Terror und heftige Diskussionen und Kritik ausgelöst. Die Zeichnung zeigt zwei Menschen, die In Blutlachen liegen, während im Hintergrund ein Lieferwagen wegfährt. In großen, blutroten Buchstaben steht daneben geschrieben: "Islam, Religion des Friedens ... des ewigen Friedens!" 

Die Zeitung ist für bissige Religionskritik und provokante Karikaturen bekannt, mit denen sie immer wieder aneckt. In den sozialen Medien wechseln sich Solidaritätsbekundungen und heftige Kritik ab.

Gespaltene Meinungen in den sozialen Medien

Eine -Nutzerin schrieb, sie sehe den Sinn der Titelseite nicht, "außer Hass und Islamophobie noch weiter anzuheizen". Ein Facebook-Kommentar warf dem Blatt vor, das Spiel der extremen Rechten zu spielen.

Der frühere sozialistische Minister Stéphane Le Foll kritisierte im Sender BFMTV: "Zu sagen, dass der Islam als Ganzes eine " des Friedens" sei - also unterschwellig eine "Religion des Todes" - ist extrem gefährlich." Andere Nutzer verteidigten das Blatt hingegen und verwiesen auf die Redefreiheit.

Cover von Charlie Hebdo auch in Deutschland

Im Editorial der am Mittwoch erschienenen Ausgabe kritisiert Redaktionsleiter Riss, dass die Debatten "über die Rolle der Religion und insbesondere des Islams" bei Anschlägen komplett verschwunden seien. "Heute stellt sich niemand mehr Fragen über die Rolle des Islams in der Ideologie des sogenannten Islamischen Staats."

Die umstrittene Zeichnung wird auch auf dem Cover der deutschen Ausgabe von "Charlie Hebdo" erscheinen, die an diesem Donnerstag herauskommt.

Islamkritische Satire- Wie weit darf sie gehen ?

Der Anschlag auf die Redaktion vor zwei Jahren löste eine weltweite Solidaritätswelle aus. Hunderte Menschen sahen die Tat als Wendepunkt in der Debatte um Rede-und Pressefreiheit im Bezug auf Religionskritik. 

Das Satire-Magazin stellt sich mit dem neuen Titelbild bewusst wieder zentral in genau diese Debatte. Das finden viele Menschen richtig. Andere Menschen hingegen glauben, dass es provokativ ist und ein Bild abwirft, das Islam und Terror gleichsetzt.

Das geht vielen zu weit und sie rügen die Satirezeitschrift dafür aufs Übelste. Ein anderes Klientel wird mit der offenen Islamismus-Kritik bedient: Denn das Cover stößt bei vielen nationalistischen Gruppierungen, wie z.B. der "Front Nationale" auf pure Zustimmung.

Ein der Partei nahestehender Funktionär, Robert Ménard twitterte: "Die Linken verschließen sich der Realität". Vielleicht ein Indiz dafür, dass die Zeitschrift mit dem populistischen Cover eine Grenze überschritten hat.

fk/DPA

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren