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Ministerin Lambrecht zur Frauenquote "Wer qualifizierte Frauen als Belastung sieht, der hat den Schuss nicht gehört"

Christine Lambrecht
Justizministern Christine Lambrecht freut sich über die Einigung in der Groko: Die Frauenquote sei eine große Chance
© Britta Pedersen/ / Picture Alliance
Die Groko hat sich grundsätzlich auf eine Ausweitung der Frauenquote geeinigt. Es ist ein Erfolg für Bundesjustizministerin Christine Lambrecht. Im Interview erzählt sie, wo die Quote wirkt - und wo nicht.

Die Große Koalition hat sich grundsätzlich auf einen neuen Gesetzesentwurf zur Frauenquote geeinigt – demnach soll mindestens eine Frau in Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern sitzen. Schon in der kommenden Woche soll der erreichte Kompromiss aus einer Arbeitsgruppe den Parteispitzen der GroKo zur abschließenden Entscheidung vorgelegt werden. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat das Gesetz mit verhandelt und erzählt, warum sie hinter der Quote steht.

Frau Lambrecht, kommt das Gesetz nun wirklich durch?

Wir haben in der Koalition hart verhandelt und es hat mich schon sprachlos gemacht, wenn von der Union Argumente kommen, wie "jetzt wo die Wirtschaft so unter der Corona-Pandemie leidet, können wir sie nicht noch mit einer Frauenquote belasten". Also, wer qualifizierte Frauen als Belastung für die Wirtschaft sieht, der hat den Schuss nicht gehört. Wir müssen da ein wirklich dickes Brett zu bohren. Aber wie es jetzt aussieht, konnten wir die Union mit guten Argumenten überzeugen und ich bin zuversichtlich, dass wir hier zu einem guten Ergebnis kommen. Das ist ein großer Erfolg für die Frauen in Deutschland und bietet gleichzeitig eine große Chance sowohl für die Gesellschaft als auch für die Unternehmen selbst.

Wirkt die Quote überhaupt?

Da, wo wir eine verpflichtende Quote haben, hat sie funktioniert. Als die Quote für Aufsichtsräte kam, waren die 30 Prozent hochqualifizierte Frauen plötzlich doch da. Wo sie nicht gewirkt hat, ist da, wo wir weiterhin auf freiwillige Selbstverpflichtungen gesetzt haben. Etwa in den Vorstandsetagen großer Unternehmen. Da müssen lediglich Zielgrößen angelegt werden – und das haben die Unternehmen auch gemacht. Ergebnis: 70 Prozent der Unternehmen planen keine einzige Frau im Vorstand. 70 Prozent sagen glasklar: Das ist keine Option für uns. Da sind wir als Gesetzgeber gefordert zu handeln. Deswegen haben Franziska Giffey und ich ein Gesetz vorgelegt, dass wir eine Mindestbeteiligung, eine Quote von Frauen auch in Vorständen brauchen. Es gibt hervorragend qualifizierte Frauen. Die müssen die Chance bekommen, die sie verdienen.

Muss eine Frau kompetenter und willensstärker sein, als ein Mann, um dasselbe Ziel zu erreichen?

Ich denke ja. Und sie müssen als Frau ständig ihre Qualifikation wieder neu unter Beweis stellen. Ich habe den Eindruck, das ist bei Männern nicht so. Zudem fehlt Frauen häufig etwas, dass Männer sehr gut können und fast schon perfektioniert haben, nämlich das Netzwerken. Da können wir Frauen noch dazu lernen. Miteinander solidarisch umgehen, sich wechselseitig unterstützen, das ist wichtig.

Hatten Sie Vorbilder?

Herta Däubler-Gmelin war ein Vorbild für mich. Ich habe sie erlebt als sehr aktive und ungemein kompetente Justizministerin, die für den gesellschaftlichen Fortschritt gekämpft hat. Es hat mich fasziniert, wie sie in allen Themen fachlich drin gesteckt hat, aber auch, was für eine Kämpfernatur sie ist. 

Der wichtigste Job-Tipp, den sie jungen Frauen mit auf den Weg geben können?

Sich auf das konzentrieren, was einem wichtig ist, und gut darin sein. Und dann auch durchaus das Recht einfordern, entsprechende Funktionen oder Posten zu bekommen.


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