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stern-Chefredakteur Sebastian Kurz ist immer noch Vollblutpolitiker und eine Podcast-Empfehlung: Gregor Peter Schmitz über den aktuellen stern

Stern Titel Kaufhauszocker
Im aktuellen stern trafen David Baum und Gregor Peter Schmitz Österreichs Ex-Kanzler Kurz zum Gespräch. Auch der Österreicher René Benko ist Thema und wie die Zukunft von 131 Kaufhof- und Karstadt-Häusern von ihm abhängt
© stern
Für die jüngste Ausgabe des stern trafen David Baum und Gregor Peter Schmitz Österreichs Ex-Kanzler zum Gespräch. Außerdem verrät der stern-Chefredakteur welche neuen Rubriken Sie im aktuellen Magazin erwarten.

Als Karl-Theodor zu Guttenberg, einst ein Polit-Messias, vor Kurzem dem stern sein erstes großes Interview seit Jahren gab, sagte er den Satz: "Ich habe in der Politik nix mehr zu suchen." Mein Kollege David Baum und ich konnten für diese Ausgabe einen Mann treffen, der mit 36 Jahren weit jünger ist als Guttenberg und, obwohl Österreicher, noch mehr Hoffnungen in Deutschland weckte – Sebastian Kurz, über den die "Bild"-Zeitung mal schrieb: "So einen brauchen wir auch".

Er ist in schwere Vorwürfe verstrickt, er musste als österreichischer Bundeskanzler zurücktreten, er könnte gar im Gefängnis landen. Derzeit ist Kurz als Unternehmer und Berater für verschiedene Firmen unterwegs. Vor dem Interviewtermin in Wien war er gerade zwei Wochen mit Frau und Kind in Dubai und Israel gewesen. Doch bei aller Schwärmerei über seine neue Freiheit wurde im ausführlichen Gespräch klar: Hier ist jemand noch immer Vollblutpolitiker und sieht gar keine Schuld bei sich – wie praktisch für ein mögliches Comeback! Den Guttenberg-Satz wollte Kurz jedenfalls nicht aussprechen.

Der stern ist kein Nachrichtenmagazin, aber er ist ein aktuelles Wochenmagazin. Wir wollen jede Woche abbilden, wer wirklich wichtig war und wird – und wer sich nur wichtig macht und gemacht hat. Daher haben wir den Einstieg in unser Heft überarbeitet, optisch und inhaltlich. Er soll künftig noch aktueller, relevanter und vorausschauender sein, etwa mit den Fragen und Antworten der Woche, die unsere vielen kompetenten Kolleginnen und Kollegen beantworten werden, oder mit der Umfrage der Woche, die wir in Kooperation mit dem renommierten Meinungsforschungsinstitut Forsa durchführen werden, diesmal zur Debatte, ob Angela Merkel eine historisch große Kanzlerin war oder nicht. Neugierig auf das Ergebnis?

Geburtstagsfeier von ntv und ein neuer Podcast

Unsere Kolleginnen und Kollegen von ntv, dem ältesten privaten Nachrichtensender in Deutschland, der wie der stern zu RTL Deutschland gehört, haben vorige Woche in Berlin dessen 30. Geburtstag gefeiert. Wir gratulieren herzlich, und zum Gratulieren kam auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Er lobte die Arbeit der ntv-Redaktionen, aber teilte zugleich seine Bedenken über die Medien generell mit. Steinmeier sagte: "Ich sehe mit Sorge, wenn Journalistinnen und Journalisten auf jede Empörungswelle in den sozialen Netzwerken aufspringen; wenn sie zuspitzen, dramatisieren, skandalisieren … wenn sie ihre Zuschauer, Hörer oder Leser bevormunden oder erziehen wollen … wenn sie nicht für Aufklärung sorgen, sondern für Aufregung."

Steinmeier räumte ein, sobald Redaktionen dramatisch verkleinert würden und den verbliebenen Journalisten gleichzeitig immer mehr auferlegt würde, dürfe sich keiner wundern, wenn Gründlichkeit und Tiefe verloren gehen. Das ist eine Mahnung an alle, die Redaktionen finanzieren. Uns Berichterstatter mahnte Steinmeier aber auch, denn er sagte weiter: "Was mich sorgt, sollte auch Journalisten sorgen. Und ich würde mir eine noch sichtbarere Debatte unter Journalistinnen und Journalisten wünschen, wie man der eigenen, großen Verantwortung gerade in diesen Zeiten noch besser gerecht werden kann."

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch etwas auf die Ohren geben: Unser stern-Podcast "Frauke Liebs – Die Suche nach dem Mörder", konzipiert von einem Team um Dominik Stawski, ist derzeit der meistgehörte Podcast in Deutschland. Wenn auch Sie hören möchten, was das Land gerade hört, bitte einfach hier entlang.

Herzlich Ihr
Gregor Peter Schmitz, Chefredakteur

Erschienen in stern 49/2022

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