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"Django Unchained"-Interview im stern: Quentin Tarantino und seine Muse aus Wien

"Django Unchained" heißt der neue Film aus dem Tarantino-Universum. Und Christoph Waltz ist der Star. stern traf Meister und Muse zum Gespräch in Los Angeles.

Kinotrailer: "Django Unchained"

Am vergangenen Sonntag hat Christoph Waltz den Golden Globe als bester Nebendarsteller gewonnen - für seinen Auftritt in "Django Unchained", dem neuen Film von Kultregisseur Quentin Tarantino. Waltz spielt darin Dr. King Schultz, einen deutschen Kopfgeldjäger, der auf seinem Pferd Fritz durch die amerikanischen Südstaaten reitet und einen Sklaven befreit: Django (gespielt von Jamie Foxx), mit dem er schließlich einen kleinen Rachefeldzug antritt und ein paar sadistische Sklavenhalter erledigt. Auch Quentin Tarantino wurde mit einem Golden Globe geehrt - für das Drehbuch zu dieser Spaghetti-Western-Oper, die "ich nur für diesen Mann geschrieben habe!", wie er in Los Angeles ausrief, wo Tarantino und Waltz sich zu einem Gespräch mit dem stern getroffen haben.

"Quentins Blut ist viel roter als echtes"

Tarantino zeigte auf Waltz, der ihn inspiriere, wie er sagte. Der "Inglourious Basterds"-Star schmunzelte. Schmeichele es ihm, dass einer der bekanntesten Filmemacher der Welt sich eine Geschichte für ihn ausgedacht hat? "Was meinen Sie wohl? Gefreut hat es mich", so Waltz. Auch wenn er zunächst nichts über Waffen und das Schießen gewusst habe: "Das interessierte mich auch nicht." Für "Django Unchained" habe er trainieren müssen. Auch wenn er sich nicht ganz wohl gefühlt habe, als er erstmals eine scharfe Waffe in der Hand gehalten habe: "Beim Abdrücken hat es mich umgehauen. Ich habe die Zielscheibe nicht nur getroffen, sondern regelrecht zerlegt." Ach, warf Tarantino ein, "nun tu mal nicht so! Sobald er sein Filmkostüm anhatte, wollte er plötzlich vor der Kamera Waffenkunststückchen aufführen", piesackte der Regisseur seinen Darsteller. Grinsen bei Waltz, der klarstellte: "Die Gewissheit, dass sich keine Kugel im Lauf befand, war dabei entscheidend."

Die Geschichte von "Django" ist hübsch-grotesk, also normal für Tarantino, und natürlich zieht sich die für ihn übliche Gewalt durch den Film: Es geht ziemlich blutig zu. Kritiker werfen Tarantino vor, er verulke die Sklaverei. Doch Tarantino antwortet ihnen im neuen stern: "Ich bringe gern Leute zum Lachen über Dinge, die nicht komisch sind." Waltz pflichtet ihm bei: "Das ist übertrieben, kein Abbild der Realität. Quentins Blut ist viel roter als echtes."

Es gibt Filmemacher, die nach dem Kino-Massaker in Aurora sagen, sie verspürten Verantwortung, wenn junge Leute eine solche Bluttat begehen. Doch Tarantino sieht das ein wenig anders, ebenso wie Waltz, der nickte, als Tarantino sagte: "Dieser Typ hätte genauso gut in ein Büro laufen können. Er suchte einen Ort, an dem viele Menschen beisammen waren und wo er Aufsehen erregen konnte." Deswegen habe der Attentäter damals die Premiere des neuen "Batman"-Films gewählt. "Das hat nichts mit dem Film zu tun. Leute sind auch schon zu McDonald's und haben um sich geschossen, und es war nie die Schuld der Hamburger."

Ulrike von Bülow / print