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"Guttenberg Biographie": Ein Baron unter der Käseglocke

Horst Seehofer wollte nichts dazu sagen. Und die Plagiatsaffäre ist auch nicht drin. Trotzdem ist die "Guttenberg Biographie" auf dem Markt. Die Buchpräsentation war schräg.

Von Philipp Elsbrock

Nach einer Stunde, als fast alles gefragt ist, was man fragen kann, da will es ein Journalist noch einmal wissen. Ob die Autoren ihrem Protagonisten denn nicht mit großem Misstrauen begegnet seien? Dieses gute Aussehen, gepaart mit der Rhetorik, deute doch auf eine "innere Instabilität" hin. Ja, sagen die Autoren, bei ihrer Recherche hätten sie durchaus ein Misstrauen entwickelt.

Willkommen in der Berliner Käseglocke, willkommen zur Präsentation von "Guttenberg Biographie", dem Buch, das mit den Themenfeldern "Familie, Leben, Politik" alles über den wankenden Bundesminister der Verteidigung erklärt. Bis auf den Anlass für sein Wanken, denn die Plagiatsaffäre von Karl Theodor zu Guttenberg hat es nicht mehr auf die knapp 400 Seiten geschafft. "Kommt aber in die nächste Auflage", sagt der Verlags-Chef.

Seehofer kneift

Es ist eine sonderbare Veranstaltung, die sich am Montagabend im edlen Ballsaal des Adlon-Hotels am Brandenburger Tor abspielt. Hauptstadtjournalismus pur. Vorn sitzen die beiden Autoren der Biografie, Eckart Lohse und Markus Wehner. Hauptberuflich bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, angestellt im Berliner Büro. Zwischen ihnen moderiert Christoph Schwennicke, Hauptstadtreporter des Spiegel. Und im Publikum sitzen, nun ja, auch Journalisten.

Der, um den es geht, ist natürlich nicht gekommen. Auch sein Parteifreund, der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hat es sich kurzfristig anders überlegt. Eigentlich wollte er das Buch vorstellen, hat sich dann aber entschieden, "zurückhaltend und verantwortlich" mit der Debatte umzugehen. Deshalb müssen jetzt die Autoren herhalten, um Fragen zu beantworten. Journalisten fragen Journalisten.

Die Fragerunde

Was meinen Sie, wie dem alten Herrn zu Guttenberg zu Mute ist?

- Dazu habe ich eine Idee, will es aber nicht sagen.

Welche Rolle spielen die Medien bei seinem Aufstieg?

- Wir werden uns fragen müssen: Haben wir immer mit der nötigen Schärfe und Skepsis hingeguckt?

Inwiefern hat das elitäre Umfeld, in dem Guttenberg aufgewachsen ist, ihn beeinflusst?

- Er hätte es nicht nötig gehabt, zu promovieren. Er wollte auf allen Gebieten Vorbild sein.

Liegt der Grund für die positive Berichterstattung der Springer-Presse darin, dass ein Verwandter Guttenbergs stellvertretender Chef vom Dienst bei der Bild-Zeitung ist?

- Wahrscheinlich ist entscheidender, dass seine Frau mit einer Bild-am-Sonntag-Redakteurin befreundet ist.

Guttenberg - impulsiv, hoch emotional

Es ist viel gerätselt worden, warum die veröffentlichte Meinung und die öffentliche Meinung zum Baron zu Guttenberg so weit auseinander klaffen. Vielleicht veranschaulicht die Buchvorstellung diese Lücke am besten. Während die Presse mit sich selbst beschäftigt ist und nun in der Biografie die familiäre Prägung Guttenbergs analysiert wird, versteht ein Großteil der Bevölkerung nicht, "was daran denn so schlimm ist, wenn man ein paar Fußnoten vergessen hat". Ein guter Minister sei Guttenberg allemal.

Man sollte den Leuten raten, einfach dieses Buch zu lesen. Die große, selbstreferentielle Präsentation hätte es dazu nicht gebraucht, ebenso wenig wie die Fragestunde, die doch keine neuen Erkenntnisse brachte. Das Buch erklärt den Menschen Guttenberg, der nach Ansicht der Autoren impulsiv und hoch emotional ist. Der an seinem Amt hängt, obwohl er dies regelmäßig verneint. Der ohne Frage politisch ein Kaliber ist, wie Lohse sagt, aber dennoch den volksnahen Anti-Politiker gibt. Und der an seinen eigenen Ansprüchen immer wieder scheitert.

Das nächste Kapitel

Am Ende signieren Wehner und Lohse ihren Kollegen das Buch, und Nikolaus Blome, Hauptstadt-Chef der Bild-Zeitung, sagt in eine Kamera, dass die Bild-Zeitung Guttenbergs Verdienst noch immer für größer halte als seine Fehler.

Das nächste Kapitel wird bald geschrieben.

  • Philipp Elsbrock