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Guttenberg und die Plagiatsaffäre: Es wird einsam um Dr. Googleberg

Zu Guttenberg bekommt immer mehr "friendly fire" - selbst aus der CSU. Bayerns Ex-Ministerpräsident Beckstein sagt, der Verteidigungsminister müsse zurücktreten, wenn er die Unwahrheit gesagt habe.

Von Gabriele Rettner-Halder

Am liebsten würde die CSU den Schwindel ihres Bundesverteidigungsministers Karl Theodor zu Guttenberg beim Fertigen seiner Dissertation aussitzen. Mit jedem Tag, an dem ihr "Star" neue Schlagzeilen produziert, wird das allerdings schwieriger. Der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein sprach nun von Parteischädigung.

Zu stern.de sagte Beckstein wörtlich: "Die Affäre um seine Dissertation schadet der CSU und ihm selbst". Beckstein gehörte zur überwiegenden Mehrheit in seiner Partei, die dem adligen Franken tagelang eisern die Stange hielt. Nun scheint Beckstein, der stellvertretender Präses in der evangelischen Kirche, weniger barmherzig.

"Ein bisschen Sorte Schröder"

Ursache dürfte das nach und nach bekannt gewordene Ausmaß der Abschreiberei sein - laut Guttenplag sind auf 70 Prozent der Seiten offene oder versteckte Plagiate zu finden. Guttenberg jedoch hat vor dem Bundestag nochmals gesagt, dass er nicht bewusst getäuscht habe. "Sollte sich herausstellen, dass zu Guttenberg im Amt oder vor dem Bundestag etwas Unwahres gesagt hat, müsste er zurücktreten", findet Beckstein.

Etliche CSU-Spitzenpolitiker machten ihrem Ärger im Gespräch mit stern.de gehörig Luft, wollten aber anonym bleiben. "Zu Guttenberg ist ein Dandy, kein Politiker", empört sich ein Führungsmitglied. Und weiter: Seine Eigendarstellung vom unbeugsamen, gradlinigen und charakterlich gefestigten Menschen sei gut gespielt, entspreche aber so gar nicht der Realität. Zu Guttenberg sei dem "Größenwahn" verfallen. "Er gehört ein bisschen zur Sorte Schröder", meint der CSU-Mann in Anspielung auf den früheren SPD-Kanzler Gerhard Schröder. "Das wird nicht gut gehen."

Den Kairos verpasst

CSU-Kreise berichten, die Partei sei gespalten in Sympathisanten, die die Plagiatsaffäre für eine Kampagne halten, und eine wachsende Zahl Kritiker, die von bequemen Logenplätzen aus beobachten, wie ihr oberfränkischer Schlossherr auf der politischen Bühne in Bedrängnis gerät.

"Mal schaun, wie lange er das durchhält", erklärt ein Vorstandsmitglied lächelnd. Ein anderer Präside fügt hinzu: "So ohne weiteres kann zu Guttenberg jetzt gar nicht mehr zurücktreten, diesen Zeitpunkt hat er versäumt". Gemeint ist, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die Kritik an ihrem Verteidigungsminister zu ihrer eigenen Sache machte. "Würde zu Guttenberg fallen, käme auch die Kanzlerin in Bedrängnis", schlussfolgert der Christsoziale.

Vom "Halbgott" zum Mensch

"Aus dem Halbgott ist ein Mensch geworden", resümiert ein CSU-Vorstandsmitglied über zu Guttenberg. Parteichef Horst Seehofer sei gegen dessen "nassforsches Auftreten" ein "Waisenknabe". In der Liga des Adeligen gebe es keine Spielregeln, "nur oben und unten".

Plagiate mögen im Politikbetrieb etwas Selbstverständliches sein, meint Beckstein. Aber in der Wissenschaft, sagt der promovierte Jurist aus Nürnberg, gebe es andere Regeln. Seine Tochter habe bei ihrer Promotion zahllose Stunden gebraucht, um die Quelle eines einzigen Zitats ausfindig zu machen, erzählt Beckstein. Zu Guttenberg habe "flüchtig gearbeitet".

  • Gabriele Rettner-Halder