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Gürtelschläge gegen Israeli in Berlin "Ich dachte es sei sicher, in Deutschland mit einer Kippa rauszugehen"

Im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg ist es zu einer antisemitischen Attacke gekommen. Der 21-jährige Adam ist mit einem Freund in der Raumerstraße unterwegs, als er von Unbekannten attackiert wird. Der Angreifer schreit mehrmals "Jahudi" – das arabische Wort für Jude. Im Gespräch mit dem stern schildert Adam den Angriff.
Adam: "Irgendwann hat mein Kumpel gesagt, dass sie aufhören sollen, uns zu beleidigen. Dann ist einer aggressiv geworden und hat angefangen mich mit dem Gürtel zu schlagen. In dem Moment, wo ich gesehen habe, dass er zu mir kommt, habe ich mein Handy rausgeholt, weil es mir wichtig war, dass ich einen Beweis für die Polizei habe."
Der gebürtige Israeli trug eine Kippa: Ein Zeichen für seinen jüdischen Glauben.
Adam: "Die Kippa habe ich vor ein paar Tagen von einem Freund in Tel Aviv bekommen. Er sagte, dass es gefährlich sein kann mit einer Kippa in Berlin rauszugehen. Ich hab ihm gesagt, dass es nicht stimmt und, dass es sicher sei in Deutschland mit der Kippa rauszugehen. Gerade in Berlin. Berlin ist so multikulti. Ich habe es einfach nicht geglaubt. Gestern war die Enttäuschung sehr groß als das passiert ist. Und auch, dass da so viele Leute waren und gleichzeitig hat nur eine Frau etwas gesagt. Die anderen haben gar nichts gesagt. Das finde ich schon sehr traurig."
Nach dem Angriff versucht Adam, den Täter festzuhalten. Adam: "Danach habe ich versucht ihn festzuhalten bis die Polizei kommt. Er hat versucht mich mit einer Glasflasche zu attackieren und mir auf den Kopf zu schlagen. Zum Glück ist eine Frau dazu gekommen und hat es verhindert."
Mike Samuel Delberg: "Das war in der Politik geäußert wurde – und das ist oftmals sehr wichtig – kommt noch nicht beim Rest der Gesellschaft an. Diese Brücke müssen wir bauen, damit wir das Problem auch wirklich bekämpfen können. Ich glaube, dass der Antisemitismus offener geworden ist. Leute wie Adam trauen sich, darüber zu reden, wenn ihnen etwas widerfahren ist. Leider häuft es sich in letzter Zeit, so ist zumindest der Eindruck. Aber das, was wir auf jeden Fall merken, ist, dass die Möglichkeit, Antisemitismus zum Thema zu machen jetzt gegeben ist. Diese Chance möchten wir nutzen, um das Problem so zu bekämpfen, dass es auf Dauer kein Problem mehr ist."
Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt fahndet nach den Unbekannten.

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Im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg ist es zu einer antisemitischen Attacke auf einen jungen Israeli gekommen. Ein Arabisch sprechender Mann hat den 21-jährigen Adam auf offener Straße mit einem Gürtel geschlagen – weil er eine Kippa trug. Im Interview schildert Adam den Angriff.

von Kyra Funk

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