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"Weniger Deutschland"-Parolen: Kauder will Berlusconi in die Schranken weisen

"Mehr Italien, weniger Deutschland". Mit dieser Parole will Italiens Ex-Regierungschef Berlusconi Stimmen für die Europawahl sammeln. Unionsfraktionschef Kauder will ihm das nicht durchgehen lassen.

Unionsfraktionschef Volker Kauder will die deutschlandkritischen Parolen von Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi im Europa-Wahlkampf nicht einfach so hinnehmen. "Berlusconi muss da in die Schranken gewiesen werden", sagte der CDU-Politiker am Montag im ZDF-"Morgenmagazin".

Er werde darüber mit seinen Kollegen in der Europäischen Volkspartei (EVP) sprechen. Berlusconis Partei Forza Italia (FI) ist innerhalb der EVP eine Schwesterpartei der Union. Die Altersweisheit sei bei Berlusconi leider noch nicht durchgekommen, bemerkte Kauder.

Juncker: Äußerungen widern mich an

Berlusconi hatte den sozialdemokratischen EU-Spitzenkandidaten Martin Schulz scharf angegriffen - und dabei Deutschland schwer verunglimpft. Die Deutschen hätten die Existenz von Konzentrationslagern nie anerkannt, so Berlusconi. Die FI plakatiert derzeit den Slogan "Più Italia, meno Germania" ("Mehr Italien, weniger Deutschland").

Inzwischen hat sich auch der Spitzenkandidat der Konservativen für die Europawahl, Luxemburgs Ex-Premier Jean-Claude Juncker, der scharfen Kritik an den Parolen von Berlusconis Partei und vor allem den deutschenfeindlichen Äußerungen des Cavaliere angeschlossen. "Die jüngsten Bemerkungen von Herrn Berlusconi haben mich angewidert", erklärte Juncker am Montag in Brüssel. Berlusconi solle die Aussagen zurücknehmen und sich bei Holocaust-Überlebenden und den Deutschen entschuldigen.

Berlusconi versucht zu versöhnen

Dies hat der frühere italienische Regierungschef inzwischen getan - zumindest stimmte er in einer Erklärung auf der Webseite seiner Partei Forza Italia versöhnliche Töne an. Unter anderem erklärt sich Berlusconi als "Freund" des deutschen und des jüdischen Volks. "Es ist absurd, mir anti-deutsche Gefühle oder eine mutmaßliche Feindseligkeit gegenüber dem deutschen Volk zuzuschreiben, dessen Freund ich bin", heißt es in dem Schriftstück. Zudem sei er ein "historischer Freund des jüdischen Volks und des Staates Israel".

dho/DPA / DPA