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100 Jahre Frauenwahlrecht: Frauen im Bundestag: Nur zwei Fraktionen haben mehr weibliche als männliche Mitglieder

Seit einem Jahrhundert dürfen Frauen in Deutschland wählen und für politische Ämter kandidieren. Im Bundestag sind sie noch immer klar in der Unterzahl, wie die interaktive stern-Grafik zeigt.

Bundestag

Auf zwei Männer kommt eine Frau - dieses Bild von Horst Seehofer (links), Olaf Scholz und Angela Merkel spiegelt die Geschlechterverteilung im Bundestag wider. Zwei Fraktionen haben aber auch mehr weibliche als männliche Mitglieder.

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Am 12. November 1918 wurde der Grundstein für das Frauenwahlrecht in Deutschland gelegt: Die Republik war drei Tage zuvor ausgerufen worden, der Erste Weltkrieg seit einem Tag vorbei. Der sogenannte Rat der Volksbeauftragten machte sich daran, den Übergang des Reichs von der Monarchie zur Demokratie zu gestalten. Ein Aufruf "An das deutsche Volk" an diesem Tag enthielt neben Übergangsgesetzen auch die Ankündigung eines neuen Wahlrechts, das erstmals auch Frauen einschloss. 

Am 30. November 2018 trat dieses mit dem Reichswahlgesetz in Kraft. Bei den ersten Wahlen in der Weimarer Republik im Januar 1919 konnten Frauen tatsächlich erstmals in Deutschland wählen und für politische Ämter kandidieren. In der neuen Nationalversammlung waren im Anschluss 37 von 432 Abgeordneten weiblich - die Frauenquote lag also deutlich unter zehn Prozent.

Bundestag besteht zu zwei Dritteln aus Männern

Im aktuellen Bundestag ist der weibliche Anteil zwar deutlich höher, aber mit 219 von 709 Abgeordneten stellen Frauen auch in der Gegenwart noch immer die deutliche Minderheit. Dieses Verhältnis spiegelt sich in fast allen Fraktionen wider, lediglich die Grünen (39 Frauen, 28 Männer) und die Linken (37 Frauen, 32 Männer) haben mehr weibliche als männliche Mitglieder im Parlament. 

Die untenstehende Grafik verdeutlicht das. Jeder Punkt steht für eine Abgeordnete beziehungsweise einen Abgeordneten:

bundestag frauen

Frauenanteile in den Fraktionen des aktuellen Deutschen Bundestags

Untenstehend finden Sie eine interaktive Version der Grafik mit allen Bundestagsabgeordneten. Sie können die Punkte mit Hilfe des Menüs neu gruppieren, sortieren, einfärben und mit anderen Attributen - zum Beispiel dem Geburtsjahr oder Geschlecht - vergleichen. 

In der Bundesregierung sind übrigens derzeit sieben von 16 Posten mit Frauen besetzt, einschließlich Bundeskanzlerin Angela Merkel. Den zwei sogenannten Volksparteien CDU und SPD sitzen ebenfalls Frauen vor. Die Grünen und die Linke haben jeweils weibliche Co-Vorsitzende. FDP und CSU haben männliche Vorsitzende, aber Frauen unter deren Stellvertretern. Lediglich die AfD hat einen komplett männlichen Parteivorstand. Mit Alice Weidel hat die größte Oppositionspartei allerdings eine weibliche Co-Fraktionsvorsitzende. Die ehemalige AfD-Parteisprecherin Frauke Petry ist nach ihrem Austritt als fraktionslose Abgeordnete im Bundestag vertreten.

Quellen: Bundestag, Wikipedia (Daten) / Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg

Video: Harter Weg zum Frauenwahlrecht