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Abwahl wegen Loveparade-Katastrophe: Duisburger jagen OB Sauerland aus dem Amt

Seit der Loveparade-Tragödie im Juli 2010 wehrt sich Adolf Sauerland gegen Rücktrittsrufe. Heute war für Duisburgs OB dann der Tag der Entscheidung: Die Bürger haben ihn abgewählt.

Anderthalb Jahre nach der Katastrophe bei der Loveparade haben die Duisburger am Sonntag Oberbürgermeister Adolf Sauerland abgewählt. Mehr als 129.000 Bürger hätten für die Abwahl des CDU-Politikers gestimmt, teilte die Stadt am Abend mit. Und damit deutlich mehr als erforderlich. Für seine Abwahl war ein Viertel der Stimmen der 365.000 Wahlberechtigten nötig - rund 91.250.

Für einen Verbleib Sauerlands im Amt sprachen sich nur rund 21.500 Wähler aus. Die Wahlbeteiligung lag bei 41,6 Prozent. Jetzt muss innerhalb von sechs Monaten ein Nachfolger gewählt werden.

Ein Bürgerbündnis hatte mit Unterstützung von Parteien und Gewerkschaften die Ablösung des 56-jährigen gefordert. Für die Kritiker trägt Sauerland die politische Verantwortung für die Genehmigung der Loveparade, bei der im Sommer 2010 21 Menschen starben. Sie werfen dem CDU-Politiker außerdem "völliges Versagen" beim Umgang mit Opfern und Angehörigen vor. Sauerland hat jede Schuld an der Massenpanik stets von sich gewiesen.

Der Sprecher der Abwahlinitiative, Theo Steegmann, sprach von einem eindeutigen Ergebnis der Abstimmung. "Damit kommt der politische Frieden in die Stadt zurück", sagte er im WDR-Fernsehen. SPD und Grüne begrüßten das klare Ergebnis des Bürgerentscheids.

Sauerland vor Wahlverfahren noch optimistisch

Der Oberbürgermeister hatte den Verletzten und Angehörigen der Opfer lange eine Entschuldigung verweigert. Bei den Trauerfeiern nach der Katastrophe war er danach von den Angehörigen nicht erwünscht und nahm mit Rücksicht auf deren Gefühle nicht teil. Einen Rücktritt lehnte Sauerland trotz heftiger Kritik stets ab. Die reguläre Amtszeit des Oberbürgermeisters hätte bis Spätsommer 2015 gedauert.

Sauerland hatte sich bis zuletzt optimistisch gezeigt. Er gehe davon aus, dass er auch nach Abschluss des Verfahrens Stadtoberhaupt sein werde, sagte er noch am Samstag der "Bild"-Zeitung. Im Zusammenhang mit dem Abwahlverfahren sprach Sauerland von einer "Kampagne" und einer "parteipolitischen Abrechnung".

Auch die Duisburger CDU kritisierte das Abwahlverfahren als "Farce" und Inszenierung der parteipolitischen Gegner Sauerlands. Die Duisburger SPD unterstütze das Bürgerbegehren personell und finanziell, um Sauerland weg zu bekommen und einen SPD-Mann zu installieren, sagte CDU-Fraktionssprecher Christian Kleerbaum.

joe/DPA/Reuters / DPA / Reuters
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