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Eklat im Bundestag: "Sie sind jetzt mal ruhig!": Kauder platzt der Kragen wegen Weidels "Kopftuchmädchen"-Spruch

Alice Weidel hat zum Auftakt der Generalaussprache im Bundestag für Aufregung gesorgt. "Dafür sollten Sie sich schämen", meint Unions-Politiker Volker Kauder. Die AfD-Fraktionschefin kann die Kritik nicht nachvollziehen.

Die AfD-Fraktionsvorsitzende hat zum Auftakt der Generalaussprache im Bundestag Protest der anderen Fraktionen provoziert. Die 39-Jährige griff die Einwanderungs- und Asylpolitik der Bundesregierung an und sagte: "Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse werden unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat nicht sichern."

Bundestagspräsident Wolfang Schäuble (CDU) sprach daraufhin eine Rüge aus. Weidel habe mit ihrer Aussage alle Frauen diskriminiert, die ein Kopftuch trügen. "Dafür rufe ich Sie zur Ordnung", so Schäuble. Aus dem Plenum waren Buh- und Pfui-Rufe zu hören. Mit heftiger Kritik antwortete auch der Fraktionschef der Union, , der das Menschenbild und die Umgangsformen Weidels scharf anging.   

Volker Kauder: Sie sollten sich schämen

Wie die AfD-Fraktionschefin über andere Menschen gesprochen habe, habe "null" mit einem christlichen Menschenbild zu tun, eröffnete Kauder seine Rede. Nach zahlreichen Zwischenrufen durch Weidel mahnte der CDU-Politiker: "Sie sind jetzt mal ruhig und hören zu!" Man habe die 39-Jährige "erst wieder holen müssen (...), damit ich sie ansprechen kann." Laut Kauder habe Weidel den Plenarsaal unmittelbar nach ihrer umstrittenen Rede verlassen. "Was sind das denn für Werte, Frau Weidel?", fragt der erzürnte Unionspolitiker.

"Sie brauchen mir nicht mehr kommen mit dem christlichen Menschenbild", so Kauder weiter. "Was Sie heute gemacht haben ist das glatte Gegenteil davon und dafür sollten Sie sich schämen." Kauders Versuch, nun auf das eigentliche Thema der Sitzung zu kommen - die Haushaltsdebatte - wurde durch Zwischenrufe aus der -Fraktion vorerst vereitelt. Die Replik des Unionsfraktionschefs: "Jetzt will ich Ihnen mal was sagen: Sie müssen genauso ertragen, wenn man sie kritisiert. Großmäulig im Austeilen, schwach im Einstecken. Das ist die AfD. Und jetzt kommen wir mal zu den Themen."

Alice Weidel: Werden Einspruch einlegen

Im Interview mit n-tv relativierte die AfD-Fraktionschefin ihre umstrittenen Aussagen. Sie habe die Dinge ausgesprochen, "so wie sie sich in unserem Land darstellen." Eine Provokation könne sie nicht erkennen. Darüber hinaus wies sie den Vorwurf zurück, sie habe alle Frauen mit Kopftuch über einen Kamm geschert. "Genau das habe ich eben nicht getan. Und deswegen werden wir auch Einspruch gegen den Ordnungsaufruf einlegen, da er nicht gerechtfertigt ist." 

Der "Kopftuchmädchen"-Spruch sei eine "Replik" auf den SPD-Politiker Thilo Sarrazin ("Deutschland schafft sich ab") und an die SPD adressiert gewesen, sagte Weidel weiter. "Das ist doch klar: Das Kopftuch zeigt eine Ungleichbehandlung von Frauen und Männern im Islam. Das ist überhaupt nicht kompatibel mit unserem Grundgesetz."

Auch im Netz wurde die Äußerung von Alice Weidel scharf kritisiert. Der Siemens-Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser hat der AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel vorgeworfen, mit ihren Äußerungen zur Einwanderungs- und Asylpolitik der Bundesrepublik Deutschland zu schaden.

"Lieber 'Kopftuch-Mädel' als 'Bund Deutscher Mädel'.", twitterte Joe Kaeser. "Frau Weidel schadet mit ihrem Nationalismus dem Ansehen unseres Landes in der Welt. Da, wo die Haupt-Quelle des deutschen Wohlstands liegt."

fs/Mit Material der DPA