HOME

Claudia Martin im stern: AfD-Frau verlässt Landtagsfraktion und kritisiert Parteichef Meuthen

Claudia Martin reicht's: Die AfD-Abgeordnete verlässt die Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg. Die Politikerin sagt dem stern, dass die Partei sich zu sehr auf Islam-Kritik und Flüchtlinge konzentriere - auch Jörg Meuthen.

Jörg Meuthen und Claudia Martin

"Alles wird von unserer Debatte zur Flüchtlingspolitik und zum Islam überdeckt.": Die AfD-Abgeordnete Claudia Martin verlässt die Fraktion von Jörg Meuthen im Landtag von Baden-Württemberg.

Erneuter Rückschlag für den AfD-Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen: Eine Abgeordnete verlässt seine Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg – und stellt Meuthens Führungskompetenz infrage. Die Abgeordnete Claudia Martin sagte dem stern, sie trete aus der AfD-Fraktion aus und werde zugleich auch die Partei verlassen. Martin, 46, war im März mit 18,6 Prozent der Stimmen im Wahlkreis Wiesloch bei Heidelberg gewählt worden. Aufgrund der Causa Wolfgang Gedeon hatte sie im Juli gemeinsam mit Meuthen und der Mehrheit der AfD-Abgeordneten die Fraktion verlassen und bis zum Ende der Spaltung der Fraktion "Alternative für Baden-Württemberg" angehört.

Martin sieht die AfD in einem Maß auf das Thema Flüchtlinge und Islam reduziert, das sie nicht mehr mittragen will. "Dieses Thema beherrscht uns geradezu, und im Bundestagswahlkampf wird das noch zunehmen", sagte sie dem stern und fügte hinzu: "Wir sind jetzt in zehn Landesparlamenten. Wir arbeiten ja auch an anderen Themen, aber alles wird von unserer Debatte zur Flüchtlingspolitik und zum Islam überdeckt."

"Meuthens Fokus verengt sich zunehmend auf Flüchtlinge"

Ihren Fraktionsvorsitzenden, der neben Frauke Petry auch Parteichef der AfD ist, sieht Martin im Zentrum dieser Entwicklung. "Auch Jörg Meuthen hat seine Überzeugungen über Bord geworfen, weil die Deutungshoheit in der Fraktion jene Minderheit hat, die damals nicht mit ihm ausgetreten ist. Der Fokus von Jörg Meuthen verengt sich zunehmend auf das Thema Flüchtlinge."

Mit Blick auf die Wiedervereinigung der Fraktion, die im Oktober erfolgte, sagte Martin: "Vielleicht war die Spaltung ehrlicher. Denn diese Fraktion ist weiterhin gespalten in die, die das System ändern wollen und jene, die parlamentarisch Politik machen wollen."

"Die AfD ist nicht besser als die Altparteien"

Den Umgang mit dem AfD-Abgeordneten Stefan Räpple hält Claudia Martin für beispielhaft. Der AfD-Abgeordnete hatte andere Mitglieder des Landtags als "Volksverräter" bezeichnet und sich dazu anschließend in einem AfD-Raum eine hitzige Auseinandersetzung mit seinem Fraktionskollegen Stefan Herre geliefert. Zuerst seien per Pressemitteilung "Maßnahmen" gegen Räpple angekündigt worden, "dann ist jedoch nahezu nichts erfolgt".

Martin berichtete im Gespräch mit dem stern auch von WhatsApp-Gruppen, mit denen bei der Aufstellung von Kandidaten für die Landesliste zur Bundestagswahl bestimmte Personen unterstützt wurden. "Da werden Parolen vorgegeben, wer zu wählen ist, da werden im Vorhinein kritische Fragen an missliebige Gegenkandidaten formuliert. Das erinnert mich an das, was man aus der AfD in Nordrhein-Westfalen liest." Die dortigen Absprachen per WhatsApp, unter anderem auch durch Mitglieder der Wahlkommission und des Landesvorstands, hatte der stern im November enthüllt. "Wir sind nicht besser als die Altparteien", fasst Claudia Martin ihre Erfahrung in der AfD zusammen.

Frauke Petry, Bundesvorsitzende der AfD, lächelt