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AfD-Chef: Lucke freut sich über Merkels Griechenland-Aussagen

Die Bundesregierung kann sich mittlerweile ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro-Raum vorstellen - AfD-Chef Lucke sieht sich bestätigt. Der Führungsstreit in seiner Partei eskaliert derweil.

Der Bundesvorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, sieht sich durch Merkels-Griechenland Aussagen in seiner Haltung bestätigt

Der Bundesvorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, sieht sich durch Merkels-Griechenland Aussagen in seiner Haltung bestätigt

AfD-Chef Bernd Lucke sieht sich durch einen Medienbericht über eine geänderte Haltung der Bundesregierung zu einem Euro-Austritt Griechenlands bestätigt. "Ich begrüße die späte Einsicht von Frau (Bundeskanzlerin Angela) Merkel und (Finanzminister Wolfgang) Schäuble, dass ein Austritt Griechenlands aus dem Euro verkraftbar wäre", sagte der Vorsitzende der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD).

Die Bundesregierung habe jahrelang die Wähler irregeführt und Katastrophenszenarios für den Fall eines griechischen Euroaustritts an die Wand gemalt. Dabei sei es jedem Fachmann immer klar gewesen, dass es geeignete Sicherungsmechanismen gibt, um ein kleines Land wie Griechenland geordnet aus dem Euro zu führen, betonte Lucke.

"Der Spiegel" hatte zuvor unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, Merkel und Schäuble (beide CDU) hielten ein Ausscheiden des Krisenlandes aus der Währungsgemeinschaft inzwischen für verkraftbar.

Grund für diese Einschätzung seien Fortschritte, die die Eurozone seit dem Krisenhöhepunkt 2012 gemacht habe. Die Bundesregierung halte ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro für nahezu unausweichlich, sollte das Land nach der Parlamentswahl im Januar seinen Sparkurs unter dem möglicherweise siegreichen Linksbündnis von Alexis Tsipras aufgeben.

AfD-Führungsstreit verschärft sich

Der Führungsstreit in der AfD verschärfte sich derweil. Mehrere Funktionäre haben den Parteivorsitzenden Bernd Lucke in einem Brief scharf angegriffen und ein "offenes und ehrliches Gespräch" von ihm verlangt, wie "Spiegel Online" am Samstag berichtete. In dem dreiseitigen Schreiben werde Lucke unter anderem "Führung nach Gutsherrenart" vorgeworfen. Der stellvertretende AfD-Vorstand Hans-Olaf Henkel stellte sich allerdings demonstrativ hinter Lucke.

Der brandenburgische AfD-Vize Alexander Gauland sagte der "Welt am Sonntag", es sei mehrmals versucht worden, die Differenzen über die Führungsstruktur im Vier- oder Sechs-Augen-Gespräch mit Lucke zu klären. "Nie kam eine Terminabsprache mit ihm zustande. Darum haben wir diesen Brief geschrieben."

Nach Informationen der "Welt" kanzelte Lucke seine beiden Ko-Sprecher Konrad Adam und Frauke Petry, die laut "Spiegel" zu den Unterzeichnern des Briefes gehören, im zurückliegenden Jahr mehrmals schroff ab. Statt auf deren Bitte um eine Aussprache im Streit über die künftige Satzung der Partei einzugehen, habe Lucke die Kreisvorsitzenden zu einer gesonderten Konferenz über das Thema nach Frankfurt eingeladen, bevor er sich in den Ski-Urlaub verabschiedet habe.

"Hoffe, Sie treten von der Bühne"

Unterdessen ist eine weitere interne E-Mail aufgetaucht, in der Henkel den Vorsitzenden Adam persönlich beschimpft und sogar zum Rücktritt auffordert. "Ich hoffe, der letzte Akt wird bald aufgeführt und Sie treten von der Bühne", schrieb Henkel Ende des Jahres an Adam, wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet.

Dieser sei von Ehrgeiz zerfressen und versuche mit "immer größerer Energie", Parteichef Bernd Lucke ein Bein zu stellen. Doch könne Adam Lucke "nicht im Entferntesten" das Wasser reichen. "Sie sind total von der Rolle und merken es offensichtlich nicht einmal", schreibt Henkel demnach weiter.

Der parteiinterne Machtstreit bei der Partei der Euro-Kritiker gärt seit Wochen. Bislang stehen drei Vorstandssprecher gemeinsam an der Spitze der AfD: Lucke, Petry und Adam. Lucke will aber den alleinigen Vorsitz übernehmen. Über die Neuordnung soll ein Parteitag in Bremen Ende Januar entscheiden.

kis/DPA/AFP / DPA