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Landessprache im Grundgesetz: "Wir chatten, wir liken, rechtsaußen wird wohl mehr gehatet": AfD-Antrag sorgt für Spott im Bundestag

Die AfD hat mit einem Antrag für Belustigung im Bundestag gesorgt: Die Rechtspartei will Deutsch als Landessprache im Grundgesetz verankern - und bekam eigene Doppelstandards vor Augen geführt. 

Der SPD-Abgeordnete Johann Saathoff hat im Bundestag seine Plattdeutsch-Kenntnisse unter Beweis gestellt (Archivbild vom März 2017)

Mit Hohn, Spott und Kostproben ihrer Heimatdialekte haben Politiker der anderen Bundestagsfraktionen auf einen AfD-Antrag reagiert, Deutsch als Landessprache im Grundgesetz zu verankern. "Das ist keine irre Idee der AfD", verteidigte der AfD-Abgeordnete Stephan Brandner am Freitag im Bundestag den Vorstoß seiner Partei. Das Deutsche sei durch einen "um sich greifenden Englisch-Wahn" bedroht sowie durch "massive Zuwanderung". Einige Behörden seien inzwischen sogar dazu übergegangen, Informationen teilweise auch in arabischer oder türkischer Sprache zu verbreiten.

"Bandwurmsätze" im AfD-Antrag

Die CDU-Abgeordnete Gitta Connemann kritisierte ihrerseits die Sprache der AfD-Anträge. Diese seien voller Fremdwörter und unschöner "Bandwurmsätze". Im Internet verbreite die AfD ihr Parteiprogramm zudem auf Russisch. Der FDP-Abgeordnete Stephan Thomae fragte: "Wie lange wollen sie eigentlich die Geduld dieses Hauses missbrauchen mit ihren deutschtümelnden Anträgen?" Johann Saathoff (SPD) kritisierte die AfD auf Plattdeutsch. Sein Parteikollege Mahmut Özdemir sagte, in seiner niederrheinischen Heimat würde man zu dem Vorstoß der AfD wohl sagen: "Da haben die Schwadroneure mal wieder Stuss zusammengefrickelt."

Der SPD-Abgeordnete Johann Saathoff hat im Bundestag seine Plattdeutsch-Kenntnisse unter Beweis gestellt (Archivbild vom März 2017)

Für Heiterkeit sorgte der bayerische Grüne Erhard Grundl mit der Frage: "Wie schaut es mit Extrem-Dialekten wie etwa dem Oberpfälzischen aus?" Die AfD wolle offensichtlich ihre "eigene Kleinkariertheit" dem ganzen Land überstülpen. Die Zunahme von Anglizismen kommentierte Grundl mit dem Satz: "Wir chatten, wir liken, rechtsaußen wird wohl mehr gehatet."

"Sie verkennen, dass im In- und Ausland deutsch gesprochen wird"

Im Antrag der AfD wird etwa bemängelt, dass die "verstärkte Nutzung von Anglizismen in der Alltagssprache" zu einer "schrittweisen Veränderung der Sprachgewohnheiten geführt und die deutsche Sprache merklich verfärbt" hätte. Auch die eigens angebrachte Kritik musste sich die Rechtspartei während der Aussprache im Bundestag selbst gefallen lassen, benutze die Partei in ihrem Grundsatzprogramm doch selbst Begriffe wie "Gender-Studies".

Darüber hinaus störten sich einige Redner an dem eigentlichen, mutmaßlichen Motiv der AfD für den Antrag. So heißt es in dem Schreiben: "Zukünftig können der öffentlichen Kommunikation staatlicher Institutionen Vorgaben gemacht werden." Darüber hinaus könnte die Änderung im Grundgesetz "verfassungsrechtlich die Möglichkeit" eröffnen, "Maßnahmen gegen ihre Verdrängung ebenso wie zur Durchsetzung" zu ergreifen. Der SPD-Abgeordnete Mahmut Özdemir hielt fest: "Sie sprechen von der Verdrängung der deutschen Sprache und, dass Deutsch die primäre Verständigung der Deutschen sei. (...) Sie verkennen, dass das Grundgesetz nicht nur Grundrechte für Deutsche, sondern auch Grundrechte für alle Menschen in ihrem Geltungsbereich festschreibt.", so der Politiker. "Außerdem verkennen Sie, dass im In- und Ausland deutsch gesprochen wird."

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fs / DPA