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Afghanistan: Deutscher Entwicklungshelfer erschossen

In Afghanistan ist ein deutscher Entwicklungshelfer der Welthungerhilfe erschossen worden. Der Mann war anscheinend mit afghanischen Kollegen in einem Auto überfallen und dann mit zwei Kugeln exekutiert worden.

In Afghanistan ist ein deutscher Mitarbeiter der Welthungerhilfe erschossen worden. Das bestätigte die Sprecherin der Organisation, Simone Pott, in Bonn. Der Entwicklungshelfer wurde nach Angaben afghanischer Behörden während einer Fahrt mit afghanischen Kollegen in der nördlichen Provinz Saripul von zwei Bewaffneten gestoppt. Die afghanischen Helfer seien ausgeraubt worden. Der Deutsche sei hingegen mit zwei Kugeln exekutiert worden.

Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte zunächst nur den Beschuss der Fahrzeuge. Eine Sprecherin sprach von einem "Vermissten" nach dem Überfall. Kräfte der Bundeswehr und andere Isaf-Soldaten seien unterwegs vom Bundeswehrcamp Masar-i-Scharif an den Tatort und bemühten sich um Aufklärung. Bei der Bundeswehr in Masar-i-Scharif hieß es, Soldaten aus einem schwedischen Wiederaufbauteam seien auf dem Weg zum Tatort. Sie hätten ein medizinisches Team und Soldaten zum Schutz dabei.

Leichnam wird in Provinzhauptstadt gebracht

Nach Potts Worten ist es das erste Mal überhaupt in der mehr als 40jährigen Geschichte der Deutschen Welthungerhilfe, dass ein deutscher Mitarbeiter im Ausland getötet worden sei. In Bonn lägen noch keine Einzelheiten vor. Den Namen des Toten wollte sie nicht veröffentlichen. Der Mann war in der Provinz Saripul in Nordafghanistan stationiert gewesen. Der dortige Polizeichef, Abdul Khaled Samiam, sagte, der Deutsche sei mit drei afghanischen Kollegen in zwei Fahrzeugen im Bezirk Sayyad unterwegs gewesen. Dort seien sie gestoppt worden, ergänzte Vizeprovinzgouverneur Qamarudin Shikeb. "Sie zerrten sie aus den Autos, durchsuchten sie und raubten die Afghanen aus", sagte Shikeb. "Den Deutschen führten sie in einige Entfernung und töteten ihn mit zwei Kugeln." Die Polizei habe 50 Beamte in die Region entsandt, sagte Polizeichef Samiam. Alle Häuser würden durchsucht. Der Leichnam des toten Deutschen werde in die Provinzhauptstadt Saripul gebracht.

Die Deutsche Welthungerhilfe ist nach eigenen Angaben bereits seit 1980 in Afghanistan aktiv. Seit 2003 zählen zu den Arbeitsschwerpunkten der Wiederaufbau der ländlichen und kommunalen Infrastruktur, die Ernährungssicherung, die Stärkung der Zivilgesellschaft sowie der Umwelt- und Erosionsschutz. Seit September 2003 beteiligt sich die Welthungerhilfe am so genannten Nationalen Solidaritätsprogramm der afghanischen Regierung zur Stärkung des ländlichen Raums. Außerdem kümmert sich die Organisation in Nordafghanistan um die Wasserversorgung.

In Nordafghanistan kommt es zwar auch zu terroristischen Angriffen. Zunehmend gelten allerdings kriminelle bewaffnete Banden als Problem. Im Jahr 2004 waren fünf Mitarbeiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen - eine Belgierin, ein Norweger, ein Niederländer sowie zwei Afghanen - im Nordwesten Afghanistans getötet worden. Im vergangenen Jahr hatten Unbekannte zwei deutsche Mitarbeiter der Deutschen Welle in Nordafghanistan umgebracht

In Südafghanistan wurden unterdessen bei einem Selbstmordattentat gegen einen Nato-Konvoi in der Nähe von Kandahar mehrere Zivilisten getötet. Die Zahl der Opfer war zunächst nicht klar, wie Polizeichef Hesmatullah Alizai sagte. Zuvor hatte es in der Provinz Kandahar bereits einen anderen Selbstmordanschlag auf einen Nato-Konvoi gegeben. Verletzte hatte die Allianz aber nicht zu beklagen, wie ein Isaf-Sprecher sagte.

AP/DPA / AP / DPA