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Polemik

"Anti-Abschiebe-Industrie": AfD-Werk und Dobrindts Beitrag

"Aggressive Anti-Abschiebe-Industrie": Alexander Dobrindt hat wieder AfD gespielt. Ob er damit Wahl-Erfolg haben wird, ist unklar. Klar ist, dass sein Schmalspur-Populismus nervt und unverantwortlich ist. Eine Polemik gegen den CSU-Mann.

Alexander Dobrindt - redet wie ein AfD-Mann

Alle Mikrofone auf Alexander Dobrindt. Dabei wäre es ganz schön, den CSU-Mann mit dem Hang zu AfD-Sprüchen auch mal nicht hören zu müssen.

DPA

Das gibt es ja immer wieder mal, dass Politiker den Eindruck machen, eigentlich in der falschen Partei zu sein. Prominentestes Beispiel dürfte immer noch Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt sein. "Guter Mann, aber in der falschen Partei" war in den Siebzigern ein gängiges Urteil über den pragmatisch-hanseatischen Sozialdemokraten. Jüngstes Beispiel: . Okay, dass mit dem "guten Mann" lassen wir hier mal weg. Aber in der falschen Partei wähnt man den CSU-Lautsprecher angesichts seiner Sprüche schon. Vielleicht muss er sich erst noch daran gewöhnen, dass es neuerdings rechts von der CSU ja eine Alternative gibt - auch für ihn.

Wenn Hilfsorganisationen und Anwälte im Rahmen geltenden Rechts die Rechtsmäßigkeit von Abschiebefällen überprüfen lassen, ist das für Dobrindt also eine "aggressive Anti-Abschiebe-Industrie", die nichts anderes im Sinn hat, als Kriminelle im Land zu halten. So geäußert in der "Bild am Sonntag". Da sachlich zu widersprechen, scheint sinnlos. Vielmehr drängt sich geradezu Dobrindt'sche Prosa aus dem Koalitionsfindungsprozess auf. Frei nach der Wortwahl des 47-Jährigen: "Das Äußern von Schwachsinnsargumenten ist noch keine Politik." Im Gegenteil: Es macht alles nur noch schlimmer. Antworten auf die Migrationsfrage, die die Gesellschaft spaltet, kommt man so jedenfalls keinen Deut näher. Stattdessen spielt Dobrindt das Spiel der AfD. Es sind auch Sprüche wie diese von Leuten wie Dobrindt, die den sachgrundfreien Populismus hoffähig machen.


Alexander Dobrindt: Sogar die AfD widerspricht

Blöd für den gebürtigen Peißenberger: Nicht mal die AfD ist begeistert von ihrem Fürsprecher im -Gewand. Die Bayern-Abteilung findet vielmehr, dass Dobrindt "rumjammert", selbst an der sogenannten "Anti-Abschiebe-Industrie" mitgebastelt hat und insofern "scheinheilig" sei. Uiuiui, da muss der Wahlkämpfer und Fischer am rechten Rand wohl noch üben, sonst wird bei der Bayern-Wahl im Herbst womöglich doch lieber das Original als die Kopie gewählt - was bei aller Abneigung gegen die verbalen Dobrindt'schen Rechtsausleger letztlich auch keiner wollen kann.

Bei all dem möchte man sich glatt wünschen, dass der gelernte Diplom-Soziologe Minister geblieben wäre. Als Verantwortlicher für Verkehr, Autoindustrie und digitale Infrastruktur war der Mann, der zuvor als CSU-Generalsekretär auch schon gerne mal einen rausgehauen hatte, nämlich schön kleinlaut. Das ja auch aus gutem Grund: Pkw-Maut, Toll-Collect-Desaster, Abgasskandal - um nur die schönsten Fauxpas zu nennen. Nun, als CSU-Landesgruppenchef in der Unionsfaktion, hat Dobrindt offenbar seine Sprache wiedergefunden. Es ist grundsätzlich ja verständlich, dass jemand ein vertrautes Umfeld braucht, um aufzublühen. Was sich der große Rest der Republik allerdings fragt, ist, warum wir uns das alles von einem Landesgruppenchef, also einer Art Unterabteilungsleiter im Berliner Polit-Betrieb, immer wieder anhören sollen?!

Merke: Wer nichts Konstruktives beitragen kann - oder besser: will -, der möge doch lieber die Merkel machen - sprich: einfach gar nichts sagen. Leider ist das nicht Dobrindts Stärke. Lieber später relativieren oder zurückrudern. Noch so ein AfD-Zug an dem CSU-Mann.  


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