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Altersarmut: Hunderttausende Rentner müssen jobben

Rente mit 67? Für viele Ältere wäre selbst das offenbar eine schöne Vorstellung. Einem Medienbericht zufolge müssen Hunderttausende Rentner auch im höheren Alter noch Geld verdienen.

Für hunderttausende Rentner in Deutschland ist der Ruhestand offenbar noch weit. Im Herbst 2012 habe die Bundesagentur für Arbeit mehr als 812.000 Minijobber gezählt, die älter als 65 Jahre waren, meldet die Chemnitzer "Freie Presse". Mehr als 128.000 von ihnen waren sogar älter als 74. Ende 2003 hatten laut Statistik lediglich 595.433 Senioren einen Minijob, davon 77.081 älter als 74. Dies bedeutet eine Zunahme um 36,4 Prozent.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ab 65 stieg bundesweit im gleichen Zeitraum laut BA-Statistik um rund 61.000 auf knapp 171.000. Mit der "Rente ab 67" lässt sich der Zuwachs nicht erklären, da sich 2012 das gesetzliche Renteneintrittsalter für den Jahrgang 1947 nur geringfügig auf 65 Jahre und einen Monat erhöhte.

"Arbeiten nicht zum Spaß und Zeitvertreib"

Die Linke-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann, die die Statistik angefordert hatte, sieht in den Zahlen einen Beleg für steigende Altersarmut: "Der weitaus überwiegende Teil der älteren Menschen dürfte nicht zum Spaß und Zeitvertreib nach Erreichen des Rentenalters weiter arbeiten, sondern aus purer finanzieller Not", sagte sie der Zeitung.

Dafür spricht auch eine Statistik der Deutschen Rentenversicherung, aus der die "Bild"-Zeitung zitiert: Demnach sichert die gesetzliche Rente allein für viele Ruheständler kaum das nötigste zum Leben. Im vergangenen Jahr habe sich fast jede zweite Rente auf weniger als 700 Euro belaufen, schreibt das Blatt. 48,21 Prozent der Alters- und Erwerbsunfähigkeitsrentner erhielten demnach 2012 weniger als die Summe, die Senioren im Schnitt als Grundsicherung im Alter inklusive Miete und Heizung zusteht.

Besonders hoch sei der Anteil der Renten unter 700 Euro bei Altersrentnerinnen im Westen, hieß es. Dort betrug er rund 73 Prozent. Bei Erwerbsunfähigen, die 2012 in Frührente gegangen sind, lag er zwischen 57,25 Prozent (Männer West) und 69,2 Prozent (Männer Ost).

mad/DPA / DPA