HOME

Amoklauf in Berlin: Drei Verhöre, kein Geständnis

Warum in aller Welt stach der 16-Jährige Hauptschüler in Berlin auf Passanten ein? Bei den Vernehmungen hat der Jugendliche bisher alles abgestritten. Unterdessen plädieren Politiker dafür, während der WM schärfer nach Waffen zu kontrollieren.

Nach dem blutigen Amoklauf am Rande der Eröffnung des Hauptbahnhofs in Berlin konzentriert sich die Ermittlungsarbeit auf die Befragung von Zeugen. Außerdem würden die Ergebnisse der Blutanalysen ausgewertet, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Michael Grunwald. Der 16-jährige vermutliche Täter sei bisher drei Mal vernommen worden - ohne dass er gestanden hätte. Bisher gebe es keinen Verteidiger für den Beschuldigten.

In seinen Vernehmungen hatte er die Tat geleugnet, zu näheren Einzelheiten hat sich die Staatsanwaltschaft bisher nicht geäußert. Unklar ist vor allem das Motiv des in Untersuchungshaft sitzenden mutmaßlichen Täters. Nach verschiedenen Medienberichten war der 16-Jährige vor mehreren Monaten von einer Oberschule in Berlin-Steglitz verwiesen worden, weil der Schulleiter bei ihm ein Messer entdeckt hatte.

Bis zu fünf Jahren Haft

Nachdem bekannt wurde, dass einer der von dem Amokläufer Verletzten mit HIV infiziert ist, hatten sich zahlreiche Retter von Polizei und Feuerwehr einer ärztlichen Untersuchung unterzogen. Neben den 36 Verletzten waren es mehr als drei Dutzend Einsatzkräfte, sagte ein Polizeisprecher.

Der 16 Jahre alte Hauptschüler hatte am Rande der Feiern zur Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofs 31 Menschen Stich- und Schnittwunden zugefügt. Fünf weitere Menschen seien von dem Jugendlichen geschlagen worden, sagte der Leiter der ermittelnden Mordkommission Klaus Ruckschnat. Dem 16-jährigen wird versuchter Mord in 24 Fällen und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Ihm droht eine Jugendstrafe von bis zu fünf Jahren Haft.

Kein Konzept gegen Amokläufe

Nach Ansicht des Spitzenkandidaten der Berliner CDU, Friedbert Pflüger, sind Amokläufe wie der in Berlin nicht zu verhindern. Den "Stuttgarter Nachrichten" sagte Pflüger, dagegen könne es kein Konzept geben. Umso wichtiger seien aber Antworten auf die Frage, "wie die entfesselte Gewalt aus den Köpfen der Jugendlichen wieder herauszubekommen ist". Um ähnliche Gewalt vor und während der Fußball-WM zu verhindern, drängte der innenpolitische Sprecher der FDP, Max Stadler, darauf, Jugendliche zu entwaffnen: "Wir müssen den juristischen Spielraum ausnutzen und kontrollieren, dass sich Jugendliche tatsächlich nicht gefährliche Waffen der Kategorie Butterflymesser beschaffen können", sagte er der Zeitung.

Der Grünen-Fraktionsvize Christian Ströbele, der selbst schon Opfer einer Attacke geworden war, appellierte mit Blick auf die WM an die zahlreichen privaten Veranstalter von Fußball-Partys: "Hier müssen private Wachdienste oder Ordner bestellt werden, die die Gäste nach Waffen kontrollieren."

AP/DPA / AP / DPA