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3,1 Millionen Wahlberechtigte Ampel reloaded oder kann ein FCK-Fan in die Staatskanzlei einziehen? Alles zur Wahl in Rheinland-Pfalz

Plakate der Spitzenkandidaten Christian Baldauf (CDU) und Malu Dreyer (SPD) vor der Landtagswahl von Rheinland-Pfalz in Mainz
Plakate der Spitzenkandidaten Christian Baldauf (CDU) und Malu Dreyer (SPD) vor der Landtagswahl von Rheinland-Pfalz in Mainz
© Thomas Lohnes / Getty Images
Die SPD regiert in keinem anderen westlichen Flächenland so lange wie in Rheinland-Pfalz. Und Ministerpräsidentin Dreyer ist auch über Parteigrenzen hinweg beliebt. Die CDU will das bei der Landtagswahl ändern – Ausgang ungewiss.

Christian Baldauf hat Julia Klöckner zweimal den Vortritt gelassen und will es an diesem Sonntag mit seinem teamorientierten Stil schaffen: Die SPD in Rheinland-Pfalz als Regierungspartei abzulösen. Seit 30 Jahren stellen die Sozialdemokraten in dem Land von Helmut Kohl schon die Regierung. Die seit acht Jahren amtierende Regierungschefin Malu Dreyer ist beliebt, auch bei CDU-Wählern. Beim beherrschenden Thema des Wahlkampfs, der Pandemie, kann sie Erfolge vorweisen.

Die einzige Ampel-Regierung aus SPD, FDP und Grünen in Deutschland hat fünf Jahre lang ohne größere Probleme zusammen regiert und könnte den Umfragen zufolge rechnerisch sogar dann weiter machen, wenn die CDU leicht vor der SPD läge. Eine Wechselstimmung sehen Fachleute nicht.

Das müssen Sie zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz wissen:

  • Zahlen: Rheinland-Pfalz hat fast 4,1 Millionen Einwohner, von denen 3,1 Millionen Menschen wahlberechtigt sind. 63.000 junge Menschen dürfen zum ersten Mal überhaupt bei einer Wahl ihre Kreuzchen machen. Es treten zwölf Parteien und eine Wählervereinigung an. Auf den Landeslisten stehen die Namen von 688 Bewerbern – mögliche Nachrücker nicht eingerechnet. In den 52 Wahlkreisen gibt es 389 Direktkandidaten – ohne Ersatzbewerber.
  • Modus: Die Wähler und Wählerinnen in Rheinland-Pfalz können zwei Kreuze machen. Mit der Erststimme oder Wahlkreisstimme wählen sie einen Direktkandidaten in ihrem Wahlkreis, mit der Zweitstimme oder Landesstimme eine Partei. Die Zweitstimme ist entscheidend für die Zusammensetzung des neuen Landtags und die Kräfteverhältnisse.
  • Ausgangslage: Stärkste Kraft in Rheinland-Pfalz bei der Landtagswahl 2016 wurde die SPD. Sie kam auf 36,2 Prozent der Stimmen (plus 0,5 Prozentpunkte). Die CDU erreichte 31,8 Prozent (minus 3,4 Punkte). Die Grünen büßten drastisch ein (minus 10,1 Punkte) und zogen knapp mit 5,3 Prozent in den Landtag ein. Die FDP wurde nach einer Legislatur Pause wieder in den Landtag gewählt und bekam 6,2 Prozent der Stimmen (plus 2,0 Punkte). Die AfD erreichte aus dem Stand 12,6 Prozent und zog als drittstärkste Fraktion in den Landtag ein. Die Linke blieb mit 2,8 Prozent draußen. In den Umfragen zeichnete sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und SPD ab – mit zuletzt einem leichten Vorsprung für die SPD und nicht mehr für die Union. Dass die FDP den Einzug in das Parlament schafft, scheint nach den letzten Umfragen sicher zu sein. Die Grünen dürften deutlich besser abschneiden als vor fünf Jahren, haben aber zuletzt in den Umfragen an Zustimmung verloren.
Ein weißer Mann mit angegrautem schwarzen Seitenscheitel und braunen Augen schaut etwas angespannt
  • Themen: Corona bleibt auch zum Schluss das dominierende Thema im Landtagswahlkampf – zusammen mit Baden-Württemberg ist es der erste in einem Lockdown. Impfen, Inzidenz und Schnell-Tests: Bei diesen drei steht Dreyers Landesregierung im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr gut da.
  • Ministerpräsidentin: Eigentlich heißt sie mit Vornamen Marie-Luise – in Rheinland-Pfalz ist die 60-Jährige SPD-Politikerin aber nur als Malu bekannt. Dreyer, die meist mit einem Lächeln auftritt und als sehr populär gilt, hat schon mehrfach Durchsetzungsvermögen bewiesen. Sie wurde 2013 nach dem Rückzug von Kurt Beck erste Ministerpräsidentin des Landes. 2016 gewann sie die Landtagswahl nach einem fulminanten Endspurt gegen CDU-Herausforderin Julia Klöckner. Seit 2004 lebt Dreyer mit ihrem Mann, dem früheren Oberbürgermeister Klaus Jensen, in einem Wohnprojekt in Trier. Zur Politik war die gebürtige Pfälzerin, die offen mit ihrer Multiple-Sklerose-Erkrankung umgeht, Mitte der 1990er Jahre über die kommunale Ebene gekommen.
Plakate der Spitzenkandidaten Christian Baldauf (CDU) und Malu Dreyer (SPD) vor der Landtagswahl von Rheinland-Pfalz in Mainz
Plakate der Spitzenkandidaten Christian Baldauf (CDU) und Malu Dreyer (SPD) vor der Landtagswahl von Rheinland-Pfalz in Mainz
© Thomas Lohnes / Getty Images
  • Herausforderer: Christian Baldauf, Rechtsanwalt aus Frankenthal in der Vorderpfalz, ist tief verwurzelt in der rheinland-pfälzischen CDU und gilt als gut vernetzt. Wegen Helmut Kohl trat der 53-Jährige einst in die Partei ein. Baldauf ist seit fast zwei Jahrzehnten Abgeordneter im Landtag und derzeit Chef der CDU-Landtagsfraktion. Er wird als Teamplayer beschrieben. Der Vater zweier Kinder und Fan des 1. FC Kaiserslautern ist gesellig, jovial, immer für einen Scherz zu haben – und er kommt schnell mit Menschen ins Gespräch. Allerdings: An die Beliebtheitswerte und den Bekanntheitsgrad von Konkurrentin Dreyer reicht er bei weitem nicht heran. "Mein Ziel ist die Staatskanzlei", sagt er dennoch selbstbewusst.

Was ist von der Landtagswahl zu erwarten?

Nach den Umfragen könnte die Koalition aus SPD, FDP und Grünen weiter machen. Dies könnte auch der Fall sein, wenn die CDU stärkste Partei wird. Rechnerisch möglich wären aber auch eine große Koalition aus SPD und CDU sowie ein Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP. Für Schwarz-Grün oder Rot-Grün würde es nach den letzten Umfragen nicht reichen.

Der stern informiert sie am Wahlabend über alle Entwicklungen zu den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.

wue DPA

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