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Enteignung und Kollektivierung: Nach tagelangem Schweigen - das sagt Andrea Nahles zu Kevin Kühnert

Nach zwei Tagen des Schweigens hat sich SPD-Chefin Andrea Nahles zur Debatte um Kevin Kühnert geäußert. Sie halte seine "Antworten für falsch", sagte sie, auch wenn er "die richtigen Fragen" stelle.

die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles kann die Aufregung um die Aussagen von Juso-Chef Kevin Kühnert nicht nachvollziehen

"Richtige Fragen, falsche Antworten": Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles kann die Aufregung um die Aussagen von Juso-Chef Kevin Kühnert nicht nachvollziehen

DPA

Seit zwei Tagen geistern die Thesen von Kevin Kühnert zum demokratischen Sozialismus durch das Land. Die Forderung des Juso-Vorsitzenden nach Kollektivierung großer Unternehmen und der Abschaffung von Wohnungsvermietungen als Geschäftsmodell rief zum Teil heftige Kritik hervor. Politiker von Union, FDP Grünen, aber auch von der SPD wiesen die Aussagen scharf zurück. Die "Bild"-Zeitung fragte gar: "Wie viel DDR steckt in der SPD?"

Nur eine schwieg bislang - die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles, von der sich mancher in der SPD eine schnellere Antwort gewünscht hätte. Der Bundestagsabgeordnete Florian Post warf ihr sogar Führungsversagen vor. Nun hat Nahles sich geäußert - und es es ist die Antwort, die man erwarten konnte: "Man kann richtige Fragen stellen und trotzdem falsche Antworten geben", sagte Nahles nach einer Klausur der SPD-Fraktionsvorsitzenden von Bund und Ländern am Freitag in Leipzig. Die Antworten, die Kühnert gebe, finde sie falsch.

Twitter-Reaktionen auf Kühnerts Sozialismus-Thesen: "Lenin, Stalin, Kevin. Wir erkennen ein Muster."

Andrea Nahles kann "Aufregung nicht nachvollziehen"

Zugleich sagte Nahles, dass sie "die Aufregung nicht ganz nachvollziehen kann". Dass ein Juso-Vorsitzender solche Debatten anstoße, habe es immer wieder gegeben. Das gehöre zum "Traditionsbestand" der SPD. Als Beitrag zum Europawahlkampf habe sie Kühnerts umstrittenes Interview in der "Zeit" allerdings nicht verstanden.

Mit diesen Aussagen liegt die Parteichefin ganz auf der Linie vieler Sozialdemokraten, die da lautet: Inhaltlich ablehnen, aber Verständnis für das grundsätzliche Anliegen einer gerechteren Gesellschaft zeigen und die Debatte abkühlen. Stellvertretend für diese Linie steht Berlins Innensenator Andreas Geisel. "Die Aufregung um diese Äußerung von Kühnert zeigt, dass er die richtige Frage gestellt hat. Nämlich die Frage nach der Verteilung von Einkommen“, sagte Geisel am Donnerstag. Aber: "Ich würde eine andere Antwort geben als Kevin Kühnert“, sagte Geisel weiter.

Kevin Kühnert fordert Debatte in der SPD

Kühnert ficht das alles nicht an. Er fordert die SPD auf, die Debatte auch in Wahlkampfzeiten ernst zu nehmen. Im "Spiegel" bekräftigte er, dass er zu seinen Aussagen stehe: "Ich habe das sehr ernst gemeint."

tis / DPA