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ZDF-"Sommerinterview": Merkel stellt Griechenland Erleichterungen in Aussicht

Neue Hoffnung für Griechenland: Im ZDF-"Sommerinterview" hat Bundeskanzlerin Angela Merkel deutlich gemacht, dass sie noch Spielraum hinsichtlich der Schuldenlast sieht. Auch zum Flüchtlingsdrama und zu ihrer eigenen Zukunft äußerte sie sich.

Angela Merkel (l.) stellte sich im ZDF-Sommerinterview den Fragen von Bettina Schausten

Angela Merkel (l.) stellte sich im ZDF-Sommerinterview den Fragen von Bettina Schausten

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich vor der Bundestagsabstimmung über weitere Griechenland-Hilfen für Schuldenerleichterungen ausgesprochen. Forderungen nach einem Schuldenschnitt wies Merkel jedoch am Sonntag im ZDF-"Sommerinterview" klar zurück. Bei den Zinssätzen und den Laufzeiten der griechischen Kredite sieht die Kanzlerin aber noch "Spielraum".

Dass mit Griechenland letztlich eine Einigung erzielt worden sei, ist nach Ansicht von Merkel auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zu verdanken. Sie habe in der letzten Nacht der Verhandlungen ständig mit ihm im Kontakt gestanden, sagte die Kanzlerin. Auf die Frage, ob Deutschlands Ruf durch die harte Haltung der Bundesregierung Schaden erlitten habe, sagte sie: "Wir hatten sehr, sehr viel Unterstützung", beispielsweise von Irland und Portugal.

Deutschland "sehr betroffen"

In dem Interview, das am Sonntagabend ausgestrahlt werden sollte, setzt Merkel (CDU) sich für eine Vereinheitlichung der Flüchtlingspolitik in Europa ein. Derzeit herrsche eine "extrem nicht zufriedenstellende Situation", sagte sie im "Sommerinterview“. Das sogenannte Dublin-Abkommen, wonach für Asylbewerber der EU-Staat zuständig ist, in dem sie zuerst eintreffen, gelte nicht mehr. Von dieser Entwicklung sei Deutschland "sehr betroffen".

Notwendig sei "eine gemeinsame europäische Asylpolitik". Auch die Einschätzung, welche Länder als sichere Herkunftsländer angesehen würden, müsse möglichst gemeinsam getroffen werden. Daneben plädierte Merkel für einheitliche Asylstandards.

Erneute Kanzlerkandidatur noch nicht beschlossen

Die Flüchtlingsfrage werde Europa "sehr, sehr viel mehr noch beschäftigen als die Frage (nach) Griechenland und die Stabilität des Euro", sagte Merkel voraus. "Das Asylthema könnte das große nächste europäische Projekt sein, wo wir zeigen, ob wir wirklich in der Lage sind, gemeinsam zu handeln."

Merkel hat eine Kandidatur für eine vierte Amtszeit nicht ausgeschlossen. Die CDU-Vorsitzende antwortete auf die Frage, ob sie 2017 noch einmal antreten werde, sie habe den Bürgern gesagt, dass sie als Bundeskanzlerin für diese Legislaturperiode zur Verfügung stehe. "Über alles Weitere wird zum geeigneten Zeitpunkt entschieden. Der ist noch nicht erreicht."

tkr/DPA/AFP