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stern-Chefredakteur Im Gespräch mit Angela Merkel und Lufthansa-Chef Carsten Spohr: Gregor Peter Schmitz über den aktuellen stern

Sterntitel Angela Merkel
Im neuen stern spricht Politikchef Nico Fried mit der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel
© stern
Für die aktuelle Ausgabe traf Politikchef Nico Fried die Altkanzlerin: Wie geht es ihr und was macht sie in ihrem neuen Leben? Außerdem erklärt Lufthansa-Chef Carsten Spohr im stern-Gespräch, wie hohe Ticketpreise, enge Sitze und Chaos an Flughäfen zusammenhängen. 

Das Verhältnis der Deutschen zu ihren Altkanzlern ist kompliziert. Gut, Helmut Schmidt war als Ex-Regierungschef beliebter als an jedem Tag als Regierungschef. Aber Helmut Kohl versank im Ruhestand im Spendenstrudel, Gerhard Schröder verlor nach Meinung vieler gar seine Ehre.

Warum sollte es der ersten Altkanzlerin besser ergehen? Angela Merkel hat zwar ihren Abgang selbst bestimmt, strahlend spazierte sie vergangenes Jahr aus dem Kanzleramt. Und anders als bei ihren Vorgängern machte sich niemand Sorgen, sie werde ohne Politik nicht klarkommen. Das war aber auch so ziemlich das Einzige, das gut lief für Merkel in den fast zwölf Monaten seither. Die Nachrichtenlage klang oft wie eine Abrechnung mit ihrem Vermächtnis. Gerade machte sich CDU-Urgestein Wolfgang Schäuble öffentlich Gedanken, ob Merkel überhaupt eine historisch große Kanzlerin gewesen sei.

Juckt die Polit-Rentnerin so ein Nachtreten vom "Parteifreund"? Mein Kollege Nico Fried hat als Büroleiter der "Süddeutschen Zeitung" die Ära Merkel sehr eng begleitet. Auch in seiner neuen Rolle beim stern ist der Kontakt nicht abgerissen, Merkel empfing Fried vor Kurzem zu einem ausführlichen Gespräch. Es gab nur eine Bedingung: Wörtliche Zitate mochte Merkel nicht freigeben. Nachrichten will sie nicht mehr produzieren. Aber Lesestoff schon. 

Im Gespräch mit dem Lufthansa-Chef 

Im Sommer schien der Wettbewerb zwischen Lufthansa und der Deutschen Bahn vor allem in einer Kategorie zu toben: Wer kann mehr Zorn der Kunden auf sich ziehen? Überfüllte Flughäfen, unbearbeitete Kofferberge, unfreundliches Servicepersonal – als es ganz schlimm kam, durfte Lufthansa-Chef Carsten Spohr in einem öffentlichen Brief an seine Kunden um Abbitte betteln. Kummer ist Spohr ohnehin gewohnt. In der Corona-Krise musste er schon mal die Auszahlung von Gehältern ein paar Tage vorziehen, damit die Mitarbeiter wenigstens noch das Gehalt bekommen, falls die Fluglinie Ende des Monats insolvent gehen sollte.

Aber mein Kollege Norbert Höfler traf zum stern-Gespräch einen erstaunlich gut gelaunten Lufthansa-Chef. Der hat Staatskredite zurückgezahlt, und das US-Geschäft boomt. Selbst von Ärger mit seinen statusbewussten und streikfreudigen Piloten wollte Spohr, selber gelernter Pilot, nichts mehr wissen. "Wenn es nachts um drei über dem Südatlantik wackelt", sagt er, "bin ich sehr froh, drei selbstbewusste Kolleginnen und Kollegen im Cockpit zu haben." 

Berichte aus Doha und Lionel Messi

Vorige Woche hatten wir angekündigt, unser Reporter-Trio bei der Weltmeisterschaft in Katar werde gewiss keine Jubelberichte liefern, sondern kritisch hinschauen. Wie viel es zu tun gibt, zeigte sich schon am Eröffnungstag. Redakteur Moritz Herrmann wurde beinahe zerquetscht, als er nur das "Fifa Fan Festival" in Doha besuchen wollte. "Alles sei perfekt geplant, hatten die Katarer immer wieder versichert", schrieb Herrmann, "offenbar haben sie bei den Planungen aber die Menschen vergessen."

Darf unser Autor Jan Christoph Wiechmann also noch über einen Ausnahme-Fußballer wie den Argentinier Lionel Messi schreiben und darüber, dass dessen Fans wieder mit dem Fahrrad von Argentinien zur WM gefahren sind, 177 Tage lang? Ja, das darf Wiechmann, das muss er gar. Denn Fußball bleibt eine so wunderschöne Sache, dass ihn selbst Menschen wie Fifa-Präsident Gianni Infantino nicht kaputt kriegen werden. 

Herzlich Ihr
Gregor Peter Schmitz, Chefredakteur

Erschienen in stern 48/2022

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